Nexi schluckt Sia: Konsolidierung unter den Zahlungsdienstleistern geht in die nächste Runde

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Fusion unter italienischen Zahlungsdienstleistern nimmt Formen an: Nexi und Rivale SIA schmieden gemeinsam europäisches Branchenschwergewicht (Foto: Jinning Li)

Die Übernahmewelle rollt weiter durch den Zahlungsdienstleistersektor. Gerade hat der italienische Zahlungsspezialist Nexi die Akquisition des Rivalen Sia bekanntgegeben. Ein spektakulärer Deal: Immerhin entsteht durch den Zusammenschluss der beiden italienischen Firmen ein neues europäisches Branchenschwergewicht mit einem Börsenwert von 15 Milliarden Euro. Damit steigt das Unternehmen zu den größten italienischen Börsenwerten auf.

Gerüchte haben sich bestätigt

Gerüchte über einen möglichen Zusammenschluss machten schon seit längerem die Runde und haben für Phantasie gesorgt, aber jetzt ist es amtlich: Beide Firmen und wesentliche Großaktionäre haben eine Absichtserklärung für einen Zusammenschluss unterzeichnet. Eine endgültige Vereinbarung wird im Dezember erwartet. Wie sind die konkreten Bedingungen?

Die Nexi-Aktionäre sollen im Rahmen der Fusion 1,5761 Nexi-Papiere erhalten. Die bisherigen Nexi-Aktionäre sollen mit 70% die Mehrheit an dem Unternehmen halten. Auf die SIA-Aktionäre kommt im Rahmen des Deals eine Kapitalerhöhung zu.

Neues Branchenschwergewicht entsteht

SIA ist bislang noch nicht an der Börse notiert, auch wenn im Februar der Sprung auf das Parkett beschlossen wurde. Hinter den SIA-Aktionären stecken neben dem italienischen Staat, der noch die Mehrheit hält, auch die Finanzinvestoren Bain, Clessidra und Advent. Nach dem Deal will der italienische Staat über die staatliche Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) mit einer Beteiligung von 25% weiterhin der größte Einzelaktionär bleiben.

21 Milliarden digitale Transaktionen im Jahr

Die Dimension des Deals ist gewaltig. Gemeinsam bedienen die beiden italienischen Zahlungsdienstleister rund zwei Millionen Händler. Insgesamt haben die Firmen 120 Millionen Bezahlkarten ausgegeben und verarbeiten rund 21 Milliarden digitale Transaktionen im Jahr. Zu den Kunden von SIA gehört beispielsweise auch die italienische Großbank Unicredit. Gemeinsam sind die beiden Italiener in 50 Ländern aktiv.

Hohe Synergien erwartet

Nach der Fusion kommt das neue Branchenschwergewicht auf einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen soll bei etwa 1 Milliarde Euro liegen, während der operative Cash-Flow 800 Millionen Euro betragen soll. Auch auf der Kostenseite soll sich der Deal positiv auswirken: Durch Einsparungen sollen die Kosten um 100 Millionen Euro gedrückt werden. Insgesamt rechnen die Konzerne damit, Synergien von 150 Millionen Euro heben zu können.

Maßnahmen der Regierung könnten für Schub sorgen

Auch wenn die Corona-Krise zu Beginn für Einbußen gesorgt hat, zuletzt ging es mit den Geschäften wieder aufwärts. Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen und Kostensenkungen machten sich positiv bemerkbar. Zudem könnte mittelfristig Rückenwind von der italienischen Regierung kommen. Die Politiker rechnen mit reduzierten Steuersätzen auf digitale Zahlungen. Zudem denkt die Regierung über Begrenzungen für Bargeldzahlungen nach, um der Steuerflucht Einhalt zu bieten.

Konsolidierung dürfte sich weiter fortsetzen

Der Zusammenschluss von Nexi und SIA dürfte nicht die letzte Übernahme gewesen sein: Verbraucher zahlen immer weniger mit Bargeld, wodurch die Volumina von Karten- und Onlinezahlungen rasant steigen. Das strukturelle Wachstum macht die Branche ausgesprochen attraktiv. Wesentliche Treiber der hohen Transaktionstätigkeit sind die Realisierung von Größenvorteilen, die Erweiterung der technologischen Kompetenz und die globale Expansion. Daran dürfte sich auch in den kommenden Quartalen wenig ändern.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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