Nicht Experten nachahmen, sondern sich ihrer bedienen

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Die Medien raten stets, die Strategien von Börsenexperten zu kopieren. Ich empfehle, sich ihres Wissens zu bedienen. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Ich kann mich immer wieder köstlich amüsieren, wenn die Medien Weisheiten von Experten verbreiten und die Leser dazu auffordern, diese zu beherzigen:

In dem Artikel „Denn sie wissen (nicht), was sie tun“ vom Handelsblatt Online vom 23.08.2013 geht es darum, dass Privatanleger „nur in Dinge investieren (sollen), die sie auch verstehen.“

„Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst“ laute eine der goldenen Regeln des Börsengurus Warren Buffett. Sein „oberstes Gebot ist und bleibt aber, dass Investoren das Geschäftsmodell kennen und nachvollziehen können.“

In demselben Artikel rät Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim, unter anderem: „Von Produkten, die man nicht versteht und oft auch nicht verstehen kann, sollte man sowieso die Finger lassen“ und nennt beispielhaft ein „Discount Turbo plus Zertifikat mit besonderer Water Mark.“

Hier bin ich vollauf auf der Seite des Professors. Hebel-Derivate wie Zertifikate, Optionsscheine oder Optionen gehören meiner Ansicht nach ausschließlich in die Hände von Anlegern, die diese Instrumente aus dem Eff-Eff kennen und ihre Risiken und Chancen realistisch beurteilen können. Selbst ich verstehe zahlreiche Zertifikate-Konstruktionen nicht.

Eine andere seiner Meinungen kann ich indes aus eigener Erfahrung nicht teilen: „Im Zeichen effizienter Märkte und als Anleger, der weniger zu investieren hat als Warren Buffett, sollte man die Finger vom Stock Picking (Anmerkung: Kauf von Einzelaktien)lassen. Breit diversifiziert in alle Märkte am besten in Indizes zu investieren, ist das Gebot der Stunde.“

Ein anderer Kollege (Maik Haufe, Leiter Vermögensverwaltung bei der Quirin Bank) widerspricht übrigens im selben Artikel unbewusst den Äußerungen des Professors:

„Dafür fehlen noch Investitionen in Wachstumsmärkte, Rohstoffe, Fremdwährungen und anderes. Realistisch betrachtet wird es für einen Investor nicht möglich sein, dies in der ganzen Tiefe auch nur ansatzweise zu (be-)greifen.“

Was also sollen Privatanleger nun tun?

Was sollen Sie als Privatanleger nun aus solchen Experten-Aussagen machen? Ich erläutere Ihnen dazu meine Sicht der Dinge:

Zunächst einmal wären wir im „realen Leben“ ziemlich aufgeschmissen, wenn wir nur Dinge kaufen würden, die wir auch verstehen.

Ich beispielsweise besitze ein Handy und nutze es auch, obwohl ich von der Funktionsweise und der darin steckenden Technik so gut wie nichts verstehe.

Ich empfehle Ihnen, das zu tun, was auch ich immer dann mache, wenn ich von etwas wenig bis gar nichts weiß oder nur über unzureichende Kenntnisse verfüge: Ich hole mir Rat bei einem Fachmann.

Ganz ehrlich: Ich bewege mich nun seit mehr als 33 Jahren professionell an der Börse, aber ich würde mir nicht zutrauen, die Maschine eines Werkzeugmachers zu bedienen oder meine eigenen medizinischen Diagnosen bezüglich meiner Gesundheit oder der anderer Menschen zu treffen.

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Nicht Experten nachahmen, sondern sich ihrer bedienen

Wenn ich ein bestimmtes Wissen nicht habe, es jedoch benötige und mir die Zeit und die Motivation fehlen, mir dieses in jahrelangem Selbststudium anzueignen, dann nehme ich eben den Rat und die Dienstleistung eines Fachmanns / einer Fachfrau an, den / die ich für eine(n) solchen halte.

Ich vertraue darauf, dass er mir sein Wissen und Können – natürlich gegen Honorierung – zur Verfügung stellt.

Außerdem: Wohl niemand von uns (auch ich nicht) verfügt über die Analyse-Qualitäten eines Warren Buffett.

Und die wenigsten von uns (auch ich nicht) haben die finanziellen Mittel wie Buffett, um komplette Unternehmen zu kaufen. Seine Methoden zu „kopieren“ ist daher im Grunde unmöglich. Aber es ist natürlich schön, Anlegern so etwas vorzugaukeln.

Es macht gleichwohl Sinn, sein Vermögen, immer in Abhängigkeit von der eigenen individuellen Lebenslage, in unterschiedliche Kategorien wie Anleihen, Aktien, Rohstoffe oder auch Immobilien aufzuteilen.

Doch die Diversifizierung, also die Aufteilung des Aktienvermögens in viele möglichst unterschiedliche Investmentbereiche nach Ländern oder Währungen, ist meines Erachtens Unfug.

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In meinem Börsendienst Momentum-Trader empfehle ich seit mehr als 9 Jahren Wachstumsaktien. Optionsscheine habe ich in den Anfangsjahren, aber nur punktuell und in Maßen eingesetzt, wenn die Börsen uns Aktien-Investments nicht nahelegten (beispielsweise im Crash des Herbstes 2011).

Seit einigen Jahren verwende ich stattdessen übrigens gering bis gar nicht gehebelte (und somit weniger risikoreiche) ETFs, die wie Aktien gehandelt werden können.

Ansonsten empfehle ich ausschließlich mit Hilfe meiner Strategie ausgefilterte Wachstumsaktien, die ein hervorragendes fundamentales Standing nachweisen können.

Den Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg bestimme ich dann mit der mir in einem Vierteljahrhundert des Selbststudiums angeeigneten Charttechnik.

Dabei habe ich noch nie darauf geachtet, das Momentum-Trader-Depot nach möglichst viel Ländern, Branchen oder gar Währungen zu diversifizieren.

Wichtig war und ist mir stets nur ein Aspekt: Die Wachstumsaktien zu empfehlen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit für attraktive Kursgewinne bieten.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.