Nicht ob, sondern wann kommt die Inflation?

Die Hyperinflation in Venezuela hat verheerende Auswirkungen auf die Bürger. Wir zeigen Ihnen auf, welche das sind. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Seit 2016 wütet in Venezuela eine Hyperinflation. Und das mit verheerenden Auswirkungen:

So schrumpfte dort in den letzten sechs Jahren die Wirtschaftskraft um etwa 60 Prozent. 2018 werden es wohl 18 Prozent sein.

Die Zustände für die Bevölkerung, für den Einzelnen sind verheerend. Lesen Sie selbst.

Verheerende Zustände

Aufgrund von Hamsterkäufen waren die Regale in den Supermärkten im Land schnell leer. Dabei kam es immer wieder zu Rangeleien. Inzwischen gibt es wieder ein begrenztes Warenangebot, aber dafür schmilzt die Inflation das Geld der Leute geradezu weg.

Hier ein paar aktuelle Beispiele aus den letzten Tagen: Die heimische venezolanische Währung, der Bolívar fuerte, stürzte dermaßen ab, dass ein US-Dollar fast zehn Millionen Bolívar wert war.

Hunger, geschlossene Geschäfte und Geisterviertel

Das staatlich verordnete Monatsgehalt der Linksregierung unter Staatschef Nicolas Maduro lag bei drei Millionen Bolívar (rund 30 Euro-Cent). Doch das reichte nicht einmal für ein Kilo Fleisch. Denn dieses kostete bereits 9,5 Millionen Bolívar.

Durchschnittlich verdoppelten sich die Preise alle 26 Tage.

Inzwischen wirkt die Hauptstadt Caracas an manchen Stellen geradezu verwaist. Die Bürger sind total verunsichert. Kleinere Geschäfte, wie etwa Obst- und Gemüseläden, Metzgereien oder Apotheken, bleiben geschlossen. Diejenigen, die an den Automaten Geld abheben, zweifeln tagtäglich an der Kaufkraft der Währung. Und das natürlich völlig zu Recht.

Die Regierung versucht die Hyperinflation in den Griff zu bekommen

Und wissen Sie, wie die venezolanische Regierung reagiert? Mit einem neuen Programm zur wirtschaftlichen Erholung, wie es benannt wurde.

Dieses enthält nicht nur neue Preise, höhere Steuern (z.B. die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 12 auf 16 Prozent), die Freigabe des Wechselkurses, sondern auch die Vervielfachung des Mindestlohns. Dieser wurde um das 59-fache angehoben. Konkret von 3 Millionen auf 180 Millionen Bolívar.

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Angst vor Massenentlassungen

Der Staat will für die kleineren und mittleren Unternehmen, die die neuen Löhne und Gehälter nicht bezahlen können, für die ersten drei Monate übernehmen.

Dennoch haben viele Arbeiter und Angestellte Angst, dass sie nach diesem staatlich unterstützten Zeitfenster gehen müssen. Massenentlassungen können schnell die Folge sein.

Drastische Verteuerung des Benzins

Auch eine drastische Erhöhung des Benzinpreises steht an. Denn bisher kostete eine Tankfüllung in Venezuela, einem der Erdölreichsten Länder, gerade mal Bruchteile eines Euro-Cents.

Nun sollen die Preise moderat an „internationales Niveau“ angehoben werden.

Das hat zur Folge, dass viele sich eine Autofahrt gar nicht mehr leisten können.

Venezuela Ende 2018: Zwei Millionen Prozent Inflation?

Sie sehen also: Die Auswirkungen der Hyperinflation halten an.

So geht sogar der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass bis Ende 2018 die Inflation in Venezuela eine Million Prozent erreichen wird. Wirtschaftsberatungsgesellschaften sehen die Teuerungsrate sogar bei fast zwei Millionen (1,9) Prozent.

Diejenigen Reichen, die US-Dollars besitzen, können diese schwarz tauschen und damit relativ gut leben.

Die Mehrheit der venezolanischen Bürger jedoch ist auf den Mindestlohn angewiesen, muss teilweise sogar hungern. Immer mehr Menschen verlassen das arg gebeutelte Land. Inzwischen sind es 2,5 Millionen.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.