Niedrigzinsen zeigen Wirkung: Mehr und mehr Deutsche kaufen Aktien

Die Deutschen entdecken die Aktie wieder. Inzwischen gibt es 10 Millionen Aktionäre in Deutschland, ein neues Zehnjahreshoch. (Foto: Whyframe)

Jedes Jahr im Februar legt das Deutsche Aktieninstitut, kurz DAI, seinen Bericht über die Lage des deutschen Aktienmarktes vor. Die seit gestern vorliegende Auswertung wartet mit einer faustdicken Überraschung auf: Denn die Anzahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen.

Im Jahresdurchschnitt lag sie um fast 1,1 Mio. höher als noch im Vorjahr, ein Plus von 12,1 %. Insgesamt besaßen 2017 über 10 Millionen Bürger oder 15,7 % der Bevölkerung Aktien oder Aktienfonds. Damit ist die Anzahl der Aktienanleger auf den Stand wie vor der Finanzkrise im Jahr 2007 zurückgekehrt.

Nur der langfristige Vermögensaufbau bringt Sie ans Ziel

„Offenbar erkennen immer mehr Menschen die Vorteile der Aktienanlage für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge“, freut sich denn auch Christine Bortenlänger, Vorstand des DAI. Entwarnung für die Aktienkultur kann indes nicht gegeben werden.

Zum einen sind die Anleger in der Vergangenheit häufig der Kursentwicklung nachgelaufen und haben sich bei der ersten Schwächephase wieder von ihren Anlagen getrennt. Allerdings, so scheint es, hat sich dieses Verhaltensmuster seit der Finanzkrise abgeschwächt, was als Indiz für eine bessere Ausbildung der Deutschen in Sachen Geldanlage zu werten ist.

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Schützen Sie sich vor einer massiven Entwertung Ihres Vermögens

Zum anderen, und das ist in der Tat bedenklich, sind es vor allem die über 50-Jährigen und die Gutverdiener mit einem monatlichen Nettohaushaltseinkommen von über 3.000 Euro, die in Aktien oder Aktienfonds investieren. Der übrige Teil der Bevölkerung parkt seine Ersparnisse nach wie vor auf dem Sparbuch – was in der Phase anhaltend niedriger, ja zum Teil negativer Realzinsen einer massiven Entwertung des Vermögens gleichkommt.

Damit Sie eine Vorstellung von der Größenordnung dieser Vermögenserosion bekommen: Statistiken der Bundesbank zufolge liegen knapp 40 % des Finanzvermögens privater Haushalte auf Girokonten und Sparbüchern – insgesamt also mehr 2 Billionen Euro! Und die werden Jahr für Jahr weniger wert.

Vor allem die Jüngeren tun zu wenig für ihre Altersversorgung

Dies bedeutet, dass vor allem jüngere Menschen und Menschen mit einem geringeren Einkommen von der Vorteilhaftigkeit der Aktie überzeugt werden müssen. Denn ohne einen regelmäßigen Erwerb von Aktien ist die Altersvorsorge der heute 20-Jährigen massiv gefährdet. Andere Länder wie die USA, Schweden und selbst unser Nachbarland, die Niederlande, sind deutlich aktienaffiner.

Deshalb fordert das DAI von der Politik verbesserte Rahmenbedingungen für Aktienanlagen. So müssten Aktien und Fonds in der privaten und betrieblichen Altersvorsorge vieler Menschen einen deutlich größeren Platz einnehmen. Im vorliegenden Koalitionsvertrag der Großen Koalition ist davon allerdings: Nichts zu finden. Wenn von der Politik nichts kommt bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als selbst aktiv zu werden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.