Nike Aktie fällt wegen Kaepernick-Kampagne

Nike macht den umstrittenen Sportler zum Werbegesicht – und zieht den Zorn der Konservativen auf sich. Die Nike Aktie gibt nach. (Foto: TY Lim / shutterstock.com)

„Just do it“ – mit diesen drei Worten wirbt der US-Sportartikelhersteller Nike seit nunmehr drei Jahrzehnten für sich und seine Produkte, und das äußerst erfolgreich: Mit einem Jahresumsatz von rund 36 Milliarden Dollar ist der Adidas-Konkurrent mit einigem Abstand Weltmarktführer, stattet Spitzensportler und Mannschaften aus – und begibt sich dieser Tage auf heikles Terrain.

Denn mit Colin Kaepernick setzt Nike neuerdings auf einen Werbeträger, zu dem der Slogan „Just do it“ zwar gut passt, der jedoch die Gesellschaft – insbesondere die US-amerikanische – spaltet wie kaum ein anderer Sportler.

Anti-Rassismus-Bewegung spaltet Gemüter in US-Gesellschaft

Kaepernick hatte vor rund zwei Jahren, im Sommer 2016, als erster NFL-Profi während der Hymne gekniet, um damit gegen Rassismus zu protestieren. Die Aktion schlug hohe Wellen, ganze Footballteams schlossen sich an, Bilder von knienden Spitzensportlern gingen um die Welt.

Zahlreiche Unterstützer feierten die Bewegung. Für US-Präsident Donald Trump und die hinter ihm versammelten Konservativen jedoch erschien sie als blanke Provokation. Trump persönlich beschimpfte die sich entsprechend positionierenden Sportler und forderte, diese dürften von den Clubs nicht mehr unter Vertrag genommen werden. Der Präsident brandmarkte die Spitzensportler als unpatriotische Verräter und verwendete noch weitaus rauere Worte.

Zumindest im Falle Kaepernicks zeigten die Aussagen aus Washington Wirkung: Nach der Beendigung des Vertrags mit den San Francisco 49ers nach dem Ende der Saison 2016 fand der Quarterback keinen neuen Verein.

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Das ist wenig verwunderlich angesichts der Tatsache, dass die NFL dominiert wird von vermögenden, meist konservativen älteren Herren, deren Sympathien offenkundig eher auf Seiten des Präsidenten zu liegen scheinen als auf der Kaepernicks.

Nike Aktie: Anleger gehen in Deckung

Dass Nike den arbeitslosen Sportler nun dennoch zum Werbegesicht der aktuellen Kampagne auserkoren hat, darf insofern als recht mutiges Statement begriffen werden. Während zahlreiche Sportler, Vereine oder Verbände stets um politische Neutralität bemüht sind, nutzte Kaepernick nach Auffassung von Nike „die Plattform Sport dazu, die Welt zu verbessern“.

Die Kampagne spaltet die Gemüter. Erboste Konservative posteten Bilder von brennenden Nike-Artikeln, andere feiern den Werbevertrag. An der Börse jedoch scheint man einen möglichen Boykott der Marke durch einflussreiche Sportler (oder deren Geldgeber) zu fürchten: Die Nike Aktie gab nach Bekanntwerden der Werbemaßnahmen deutlich nach und verzeichnete zu Beginn der Woche ein Minus von rund 4 Prozent.

Sich in gesellschaftspolitisch aufgeladenen Zeiten derart eindeutig zu positionieren, kann für eine große Marke wie Nike zwar ein gewisses Imagerisiko bergen, umgekehrt aber auch Sympathien bei bisherigen Skeptikern wecken. Welcher Effekt letztlich schwerer wiegt, dürfte sich in künftigen Bilanzen abzeichnen.

Eines aber hat die Kampagne schon jetzt bewirkt: Sie hat Aufmerksamkeit geschaffen für Nike, und gemäß einer alten Werbelogik genügt das ja bereits, frei nach dem Motto – es gibt keine schlechten Schlagzeilen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.