Niki-Übernahme: Bürgschaft wird voraussichtlich nicht zurückgezahlt

Die Niki-Übernahme steht. Doch es bleibt eine lange Liste an Verlierern. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Zwischen den Feiertagen ging das Übernahme-Geschäft weiter. Besonders eilig hatten es die Verhandlungsführer der von der Pleite bedrohten österreichischen Airline Niki und der britischen Luftfahrt-Holding IAG.

Kurz vor dem Jahreswechsel konnte dann eine Übernahme rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht werden. Niki wird von der IAG für 20 Mio. Euro übernommen und der Käufer verpflichtet sich darüber hinaus zu einer Finanzspritze in Höhe von 16,5 Mio. Euro bis zum Deal-Abschluss.

Was nach einem guten Deal in letzter Sekunde aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung allerdings eher als wenig positive B-Lösung, bei der der Steuerzahler mal wieder den Ausflug der Politik in die Wirtschaft finanziert hat.

Niki-Mitarbeiter können vorerst aufatmen

Positiv ist der Deal zunächst einmal für ein Großteil der Beschäftigten. 750 der 1.000 Niki-Beschäftigten werden ihren Arbeitsplatz behalten. Doch auch wenn die Arbeitsstelle gleich bleibt, wird es für Piloten und Kabinenpersonal Veränderungen geben.

Niki wird von der IAG-Tochter Vueling übernommen. Die hat sich in der Vergangenheit nicht immer mit Ruhm bekleckert und hat in einer Kundenzufriedenheitsumfrage unter europäischen Airlines vor 3 Wochen den letzten Platz belegt.

Noch immer ist das Image ramponiert. Das Ziel Gewinnmaximierung sorgte besonders unter dem ehemaligen Vueling-Manager Alex Cruz für Überlastung und Verspätungen. Cruz wurde wiederholt vorgeworfen, dass er zu knapp kalkulierte.

Als im Sommer 2016 dann die französischen Fluglotsen streikten, brach bei Vueling Chaos aus. Der strenge Flug- und Personalplan vertrug keine Sondersituationen. Erst nach der Einstellung von 34 Piloten, über 100 Kundenservice-Mitarbeitern und der Hinzunahme weiterer Flugzeuge wurde das Chaos beherrscht.

Es heißt, dass mittlerweile Vueling besser aufgestellt ist. Doch 2017 hatten mehrere Zehntausend Vueling-Flüge über 15 Minuten Verspätung, was daran liegen könnte, dass noch immer der Personalbestand knapp ist.

Gut möglich, dass die Belastung der Niki-Mitarbeiter unter dem neuen Arbeitgeber Vueling deutlicher zunimmt als es bei einer Übernahme durch die Lufthansa der Fall gewesen wäre. Wenn die Alternative zur Vueling-Übernahme allerdings Jobverlust und Ungewissheit ist, können die Niki-Mitarbeiter diese Kröte vielleicht einfacher schlucken.

Vueling-Übernahme von Niki nimmt Lufthansa Marktmacht

Positiv an dem Deal ist auch, dass die Übernahme durch Vueling die Konkurrenz-Situation verbessert.

Wäre Lufthansa zum Zug gekommen oder wären die Verhandlungen nicht schnell genug abgeschlossen worden, sodass die Slots bei einer Niki-Pleite neu vergeben worden wären, dann wäre die Anbieterauswahl für den Kunden auf einigen Strecken kleiner gewesen.

So bleibt auf den Strecken ein namhafter Lufthansa-Konkurrent, der über den Ticketpreis Druck ausüben wird.

Einziger Übernahme-Ausweg ermöglicht Niki-Übernahme zum Schnäppchenpreis

Eine deutliche Enttäuschung dagegen ist der Verkaufserlös. Während die Lufthansa noch 190 Mio. Euro für Niki auf den Tisch legen wollte, summiert sich jetzt das Paket aus Finanzspritze und Übernahme-Preis auf gerade einmal 36,5 Mio. Euro.

Dies hat gravierende Folgen für die Rückzahlung des Air Berlin-Überbrückungskredits, für den der Bund gebürgt hat. Der ist erst teilweise zurückgezahlt und eigentlich sollte mit dem Niki-Verkaufserlös der Rest der Schuld beglichen werden.

Jetzt zeichnet sich ab, dass die Einnahmen zur Rückzahlung des Kredits nicht ausreichen werden und der Bund einspringen muss. Das wiederum bedeutet, dass einmal mehr Steuergelder zweckentfremdet wurden. Anfangs hieß es aus der Politik, dass der Kredit sicher zurückgezahlt wird. Jetzt zeigt sich, dass dies eine Fehleinschätzung war.

Niki-Tickets mit Ausstellungsdatum vor dem 14.Dezember verlieren Gültigkeit

Nicht nur die Steuerzahler auch Niki-und Air Berlin-Kunden, die ein Ticket vor der Einstellung des Flugbetriebs erworben hatten, gehören zu den Verlierern. Trotz der Übernahme bleiben die Tickets voraussichtlich ungültig, da Vueling lediglich Vermögenswerte aus der Insolvenzmasse übernimmt.

Vor März wird ohnehin kein Niki-Flieger abheben. Die EU-Kommission muss die Übernahme noch freigeben und auch wenn keine größeren Probleme erwartet werden, braucht so ein Genehmigungsprozess seine Zeit.

Der Übernahme-Sensor wünscht Ihnen ein frohes neues Jahr und viel Übernahme-Erfolg in 2018.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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