Niki-Übernahme durch Lufthansa wackelt

Der Niki-Übernahme droht das Aus. Das hätte nicht nur Auswirkungen auf Passgiere und Mitarbeiter, sondern auch auf den Bund. Hier mehr dazu: (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

Die Übernahme der österreichischen Luftfahrt-Gesellschaft Niki durch den deutschen Branchen-Primus Lufthansa könnte noch vor Weihnachten in große Schwierigkeiten geraten.

Grund dafür sind Bedenken der EU-Kommission, dass die Lufthansa ansonsten eine zu starke Stellung im deutschen Markt einnehmen könnte.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr soll deswegen gestern noch einmal Werbung für den Deal bei der EU-Kommission in Brüssel gemacht haben.

Doch auch die Deal-Gegner der Konkurrenz-Airlines haben ihre Lobby-Teams mobilisiert…

Konkurrenz von Anfang an gegen Übernahme durch die Lufthansa

Die Übernahme der nicht börsennotierten Niki kam im Zuge der Air Berlin-Pleite zustande.

Die Tochter-Gesellschaft fliegt hauptsächlich spanische Ferienziele an. Dass die auch dort stark vertretene Lufthansa den Zuschlag erhielt, wurde von Anfang kritisch gesehen.

Einige Konkurrenten bezeichneten den gesamten Air-Berlin-Verkaufs-Prozess daraufhin als undurchsichtiges, abgekartetes Spiel mit dem Ziel, die Lufthansa zum nationalen Champion zu küren.

Ehemalige Air Berlin-Tickets könnten verfallen

Sollte die Übernahme untersagt werden oder auch nur vertiefend geprüft werden, droht der einstigen Air Berlin-Tochter ebenfalls die Pleite.

Es heißt, dass die Lufthansa aktuell Niki mit monatlichen Zahlungen in Millionenhöhe über Wasser hält.

Kommt es zur Insolvenz wären ausgerechnet in der Weihnachtszeit etliche Passagiere betroffen; auch diejenigen, die damals über Air Berlin ihre Reise buchten und sich bislang keine Sorgen machten mussten.

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Bund wird vermutlich kein 2. Mal einspringen

Unwahrscheinlich ist auch, dass der Bund Niki über Wasser hält.

Als Air Berlin in den Sommerferien Insolvenz anmelden musste, sprang er zwar kurzerhand ein, um zu verhindern, dass deutsche Bürger im Urlaubsland festsitzen.

Doch damals konnte man immerhin auch noch damit rechnen, dass die Forderung im Zuge der Zerschlagung auch tatsächlich beglichen wird.

Sicher war die Rückzahlung trotz Versprechen aus der Politik aber auch da nicht, wie sich jetzt zeigt.

Sollte die EU-Kommission den Deal untersagen, fließt nicht der Kaufpreis von 210 Mio. € – und davon sollte der Bund eigentlich 150 Mio. € abbekommen.

Lauda könnte mit Condor doch noch zum Zug kommen

Es ist verständlich, wenn Niki-Reisende und Beschäftigte angesichts der Gerüchte besorgt sind, dass die Flieger bereits Weihnachten am Boden bleiben müssen.

Doch noch ist nicht das letzte Wort gesprochen, und es gibt immer die Möglichkeit, auf Bedenken der Wettbewerbs-Behörden zu reagieren.

Selbst wenn die Übernahme platzt, bedeutet das nicht automatisch, dass Niki pleite ist. Im Zuge der Air-Berlin-Insolvenz meldeten sich verschiedene Interessenten für Niki:

So gab auch die Rennfahrer-Legende Niki Lauda gemeinsam mit dem Ferien-Flieger Condor ein Angebot ab. Heute hat Lauda bekräftigt, dass er nach wie vor Interesse habe und für Gespräche bereit sei.

Nicht sehr wahrscheinlich, aber grundsätzlich vorstellbar ist, dass die einst von ihm gegründete Luftfahrt-Gesellschaft zu Weihnachten wieder in seinen Besitz kommt.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.