Niki-Übernahme gescheitert: Steuergelder hielten Air Berlin in der Luft

Die Air Berlin-Tochter Niki ist pleite. Damit ist nahezu sicher, dass die Bundesregierung wieder einmal Steuergelder zweckentfremdet hat. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

In der Vorwoche schrieben wir Ihnen, dass die Übernahme der Air Berlin-Tochter Niki durch den Branchen-Primus Lufthansa wackelt.

Gestern war der Deal dann offiziell gescheitert: Die Lufthansa zog das Kaufangebot zurück.

Da die Lufthansa Nikis operatives Geschäft mit wöchentlichen Zahlungen in Millionenhöhe über Wasser hielt, dauerte es dann auch nicht lange, bis die Insolvenz-Ankündigung kam.

Das wiederum bedeutete die sofortige Einstellung des Flugbetriebs.

Fehlbeurteilung der Wettbewerbs-Situation bei Verkaufs-Prozess?

Für Reisende, die direkt bei Niki oder damals bei Air Berlin gebucht hatten, ist die Pleite kurz vor Weihnachten extrem ärgerlich.

Stress und Mehrkosten statt Erholung sind vorprogrammiert. Noch schlimmer ist es jedoch für die 1.000 Niki-Mitarbeiter, die jetzt in eine ungewisse Zukunft schauen.

Das Schlamassel hätte Kritikern zufolge verhindert werden können. Die Lufthansa musste aufgrund von Wettbewerbs-Bedenken den Übernahme-Plan fallen lassen.

Dabei wurde bereits bei den Verhandlungen gewarnt, dass der – laut Kritikern – in Berlin politisch gewollte Deal in Brüssel kaum Chancen hat, das wettbewerbsrechtliche OK zu bekommen.

Doch bei dem Verkaufs-Prozess sollen die Warnungen ignoriert worden sein und die finanzielle Seite zu starke Beachtung gefunden haben.

Hätte damals ein anderer Interessent den Zuschlag erhalten, dann wäre der Verkaufs-Erlös zwar geringer gewesen, doch Niki jetzt vermutlich nicht pleite.

Aus „sicher“ wird „wahrscheinlich“ und aus „wahrscheinlich“ wird „Schadensbegrenzung“

Die gescheiterte Niki-Übernahme hat auch Auswirkungen auf einen Überbrückungs-Kredit der Kfw, mit dem Air Berlin nach der Insolvenz in der Luft gehalten wurde, um Deutsche Urlauber zurückzuholen.

Für den Kredit in Höhe von 150 Mio. € bürgte die Bundesregierung, die sich seinerzeit überzeugt zeigte, dass die Schuld durch den Verkauf von Unternehmens-Teilen beglichen werden kann.

Mit dem Aus der Niki-Übernahme und keiner schnellen B-Lösung in Sicht entfällt ist die Überzeugung inzwischen nicht mehr so groß.

Regierungs-Sprecher Steffen Seibert erklärte, dass die Bundesregierung jetzt alle tun werde, um den Schaden für die Steuerzahler zu begrenzen.

Mit anderen Worten: Die vollständige Rückzahlung des Kredits wird es wohl nicht geben – Air Berlin wurde zumindest teilweise mit Steuergeldern in der Luft gehalten.

Übernahme-Aus hat viele Nachteile, ist für die Lufthansa allerdings zu verschmerzen

Wer jetzt gedacht hat, dass die Lufthansa-Aktie aufgrund des Deal-Aus unter Druck gerät, der sah sich getäuscht:

Gestern setzte das Papier ihren Höhenflug in einem schwachen Marktumfeld fort und beendete den Handel bei 29,90 € (+1%). Seit Ende Juli hat die Aktie knapp 60% zugelegt.

Dass die Aktie gestern weiter gesucht wurde, lag daran, dass die Lufthansa auch von einer Niki-Insolvenz profitiert.

Zwar wird die Billigflug-Tochter Eurowings jetzt vermutlich nicht mehr so schnell wachsen wie im Falle einer Niki-Übernahme.

Doch die Lufthansa hat sich bereits einen Großteil der Flotte über Leasing-Verträge gesichert und hat bei der anstehenden Neuvergabe der Niki-Slots ebenfalls sehr gute Karten.

Politiker befürchten daher, dass im Zuge der Niki-Insolvenz die Macht der Lufthansa am Ende genauso zunimmt, wie es bei einer genehmigten Übernahme gewesen wäre.

Doch im Gegensatz dazu hat das Übernahme-Aus weitere Nachteile: Urlauber sitzen fest, Mitarbeiter wissen nicht, wie es weitergeht und Steuergelder wurden offiziell wieder einmal zweckentfremdet.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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