Nintendo-Aktie: Neue Pokémon-App lässt Aktie durch die Decke gehen

In nur wenigen Tagen hat sich die Aktie des japanischen Spielkonzerns Nintendo verdoppelt.

Solche Kursausschläge finden Sie an der Börse eher bei hochriskanten Biotechnologie-Aktien oder Penny Stocks – nicht aber bei milliardenschweren Traditions-Konzernen.

Nur zur Erinnerung: Nintendo blickt auf eine 127-jährige Firmen-Geschichte zurück und kann einen Börsenwert von über 33 Mrd. € vorweisen.

„Pokémon Go“ lässt Aktie abheben

Dank dem Hype um die Monsterjagd in der neuen Pokémon-App ist die Nintendo-Aktie regelrecht in die Höhe geschossen – ein Lebenszeichen, welches Nintendo dringend nötig hatte.

Immerhin schwankte der Kurs monatelang um die Marke von 120 bis 140 €, bevor der Wert auf knapp 240 € explodierte. Grund ist die App „Pokémon Go“, die seit letztem Wochenende in den USA, Australien und Neuseeland verfügbar ist.

Die geplante weltweite Einführung des Spiels musste sogar gebremst werden, da der Ansturm schlicht zu groß war und die Server des Unternehmens überlastete.

Nach nur 2 Tagen war die App auf mehr als 5% aller Android-Smartphones in den USA installiert. Die Lancierung in Europa soll aber bald folgen.

Strategie-Schwenk begeistert die Anleger

Nintendo hatte lange damit gezögert, Spiele fürs Smartphone zu entwickeln. Die Firma sah darin eine Konkurrenz zu Spielekonsolen wie dem Gameboy-Nachfolger DS und der stationären Konsole Wii.

Die Geschäfte bröckelten aber, weil sich das Smartphone zunehmend auch zur Spielekonsole entwickelte. Erst unter dem neuen Chef Tatsumi Kimishima hat der Konzern dem Druck nachgegeben.

Dabei ist das Pokémon-Spiel erfrischend anders: Man muss mit dem Smartphone in die real existierende Welt gehen, um dort Pokémons einzufangen.

Die Smartphone-Kamera lässt die Illusion zu, dass das Pokémon vor einem stehen würde. Dabei setzt Nintendo auf das Prinzip der In-App-Käufe. Wer schneller voran kommen möchte, kann mit Geld nachhelfen.

Auswirkungen auf den Gewinn schwer vorhersehbar

Trotz des massiven Erfolgs dürfte sich die neue App kaum auf die Bilanzen auswirken. Denn die App entstammt nicht der Programmier-Stube von Nintendo. Vielmehr wurde das Spiel von der Pokémon-Company und Niantic Pokémon entwickelt.

An beiden Firmen ist Nintendo zwar beteiligt, aber nur bei der Pokémon-Company hält der Konzern einen 32%igen Aktien-Anteil und darf den Gewinn anteilig bilanzieren.

Analysten erwarten starkes Wachstum

Für das kommende Geschäftsjahr erwarten Analysten im Schnitt eine Verdopplung des Netto-Gewinns auf umgerechnet 230 Mio. €.

Bis 2020 prognostizieren sie ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus von 12%. Der Erfolg der „Pokémon Go“-App beflügelt die Stimmung der Anleger.

Die Investoren hoffen auf einen ähnlichen Erfolg mit anderen bekannten Spielen wie „Super Mario Bros“ oder „Mario Kart“, die das Unternehmen groß gemacht haben.

Unterm Strich kommt es darauf an, wie sich die Geschäfte im wichtigen Smart-Phone-Geschäft entwickeln. Denn mit einem Marktanteil von nur 17% bei Spielekonsolen ist Nintendo in diesem Segment relativ weit abgeschlagen.

Konsolidierung ist überfällig

Nintendos Vorstoß in die mobile Welt könnte das Geschäft wieder ankurbeln. Aber nach dem rasanten Kursanstieg bewerten die Anleger die Aktie mit mehr als dem 100-Fachen der laufenden Gewinne.

Dabei ist noch vollkommen offen, ob die Japaner mit ihrer neuen Strategie langfristig überhaupt erfolgreich sind. Aus charttechnischer Sicht ist eine Kurs-Konsolidierung jedenfalls mehr als überfällig.

18. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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