Nio Aktie: Ist Tesla Schuld am schwachen Börsenstart?

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Der chinesische E-Autohersteller Nio hat einen schwachen Börsenstart hingelegt. Färbt Tesla negativ auf die Branche ab? (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Tesla hat Probleme. Das ist nichts Neues, betrifft aber längst nicht mehr nur das Unternehmen selbst. Stattdessen färbt das angekratzte Image des Elektroautopioniers zunehmend ab auf den Rest der Branche.

Das bekam zuletzt der chinesische E-Autohersteller Nio zu spüren: Bei seinem Börsengang vor wenigen Tagen wurde der Ausgabepreis der Aktien mit 6,25 Dollar je Anteilsschein am unteren Ende der angestrebten Preisspanne festgesetzt. Möglich wären bis zu 8,25 Dollar gewesen.

An Nio sind mehrere Investmentfirmen und Fonds beteiligt, darunter Baidu, der Betreiber des gleichnamigen chinesischen Google-Pendants. Die Inhaber hatten sich von dem Börsengang deutlich mehr erhofft, von bis zu 20 Milliarden Dollar war die Rede, tatsächlich konnten gerade einmal 6,4 Milliarden erzielt werden.

Nio Aktie: Ist Tesla Schuld am verpatzten Börsengang?

Zum einen waren laut Branchenkennern die Erwartungen schlichtweg zu hoch geschraubt. Zum anderen jedoch dürfte es tatsächlich auch an der Strahlkraft von Tesla gelegen haben, dass der Börsengang eher verhalten ausfiel.

Denn die US-Firma macht seit Monaten vor allem mit Negativschlagzeilen von sich reden. Diese hängen zum einen zusammen mit dem Auftreten ihres exzentrischen Gründers und Chefs Elon Musk, der gerne mal unüberlegt drauflos twittert und vor wenigen Wochen mit einem möglichen Rückzug Teslas von der Börse für Unruhe unter den Anlegern gesorgt hatte – nur um kurz danach doch wieder zurück zu rudern.

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Zum anderen aber – und das ist aus Sicht von Nio und anderen aufstrebenden Unternehmen, die sich auf den Bau von Elektroautos spezialisiert haben die wesentlich gravierende Nachricht – kommt Tesla nach wie vor nicht hinterher mit seiner Massenproduktion.

Teslas Schwäche – eine Chance für Daimler und Co.?

Immer wieder wurden Zielmarken nach hinten verschoben, Ende Juni dann sollen erstmals 5.000 Fahrzeuge des Typs Model 3 binnen einer Woche vom Band gelaufen sein, doch einen nachhaltig stabilen Eindruck macht das Ganze bislang nicht. Im Gegenteil.

Wenn es aber nicht einmal Tesla als Nummer eins im Bereich Elektroauto gelingt, seine Serienfertigung an den Start zu bringen – wie holprig muss es dann erst zugehen bei nachziehenden Firmen, die nicht nur über einen geringeren Bekanntheitsgrad verfügen, sondern auch in Sachen Erfahrung oftmals mehrere Jahre hinterherhinken? Diese Sorge dürfte manch einen grundsätzlich an der Branche interessierten Investor in den vergangenen Wochen umgetrieben und womöglich von einer Geldanlage bei Nio abgehalten haben.

Eine Chance bietet diese verzwickte Gemengelage in der Elektroautobranche für die etablierten Automobilhersteller wie Daimler, BMW oder Volkswagen – sie alle haben jahrzehntelange Routine in der Massenproduktion von Serienmodellen und haben ihrerseits für die kommenden Jahre eine große Elektrooffensive angekündigt.

Vorerst jedoch kämpfen auch sie wieder mit Negativschlagzeilen und Altlasten: Die Europäische Union hat nun ein offizielles Kartellverfahren gegen die deutschen Autobauer eröffnet – Ausgang ungewiss.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.