Nokia-Aktie: Kampf um Kartendienst stützt Aktienkurs

Gerade erst musste der finnische Netzwerkausrüster schwache Zahlen zum ersten Quartal verdauen. Jetzt kommen die Finnen mit der nächsten Meldung um die Ecke. Offenbar ist ein Bieterwettkampf um den hauseigenen Kartendienst Here entbrannt.

Nach dem jüngsten Kurssturz von 7,60 Euro auf zwischenzeitlich nur noch 5,70 Euro konnte sich der Kurs wieder stabilisieren. Mit den Gerüchten um einen bevorstehenden Verkauf stieg der Wert der Anteilsscheine wieder deutlich an.

Was ist dran an den Gerüchten? Was bedeutet der Deal für Nokia? Was ist in Zukunft von dem Konzern zu erwarten?

Nokia mit schwachen Margen im ersten Quartal

In den ersten drei Monaten konnten die Finnen insbesondere von günstigeren Wechselkursen profitieren. Die Erlöse konnten um immerhin 20% auf 3,2 Mrd. Euro gesteigert werden.

Das lag über den Analystenerwartungen. Alle Sparten konnten dabei zulegen. Auch der wichtigste Geschäftsteil mit Ausrüstung vor allem für Mobilfunknetze legte bei den Erlösen um 15 % zu. Hier macht Nokia fast 85 % seines Geschäfts.

Durch die 15,6 Mrd. Euro teure Übernahme von Alcatel-Lucent will sich der Technologiekonzern am schwedischen Konkurrenten Ericsson vorbei an die Weltspitze schieben.

Allerdings geriet die operative Gewinnmarge deutlich unter Druck, weil Nokia weniger von der gewinnträchtigen Software verkaufte und für Großaufträge Preisnachlässe in Kauf nahm. Zudem haben die Finnen viel Geld in schnelle Netzwerktechnik wie LTE investiert. Dementsprechend brach der bereinigte Gewinn um 61% ein.

Konzentration auf Netzwerksparte

Der Nokia-Konzern hat mit dem Unternehmen von früher nicht mehr viel gemeinsam. Nachdem die Finnen den Smartphone-Boom komplett verschlafen haben, wurde im vergangenen Jahr die einstige Handysparte an Microsoft verkauft. Jetzt will sich Nokia ganz auf das Geschäft mit Netzwerkausrüstung konzentrieren.

Dies dürfte allerdings kein leichtes Unterfangen werden. Denn der massive Wettbewerb sorgt für Druck auf die Margen. Dafür sorgen auch Hersteller wie Huawei aus China, denen bereits des Öfteren Preisdumping vorgeworfen wurde.

Käufer treiben Angebote für Kartendienst in die Höhe

Nokias Kartendienst Here glänzte zuletzt mit erfreulichen Ergebnissen. Bei 25% Umsatzwachstum konnte der operative Gewinn fast verdoppelt werden. Da es aber nicht zum Kerngeschäft gehört, wollen sich die Finnen von der Sparte trennen.

Die Käufer stehen Schlange. Der US-Fahrdienst Uber, der den Taxidiensten weltweit Konkurrenz macht, hat ein Angebot über 3 Mrd. US-Dollar auf den Tisch gelegt. Damit liegt das Angebot weit über dem des deutschen Autobauer-Konsortiums.

Denn Audi, BMW und Daimler haben laut informierten Kreisen rund 2 Mrd. Euro geboten. Auch Apple und Facebook gelten als mögliche Interessenten.

Das Angebot der deutschen Autobauer ist jedenfalls ein Novum. Noch nie haben sich die drei Wettbewerber zusammengeschlossen, um ein derart hohes Angebot zu machen. Aber dies hat gute Gründe.

Für die Großprojekte mit selbstfahrenden Autos benötigen die Autobauer einen zuverlässigen Kartendienst. Damit könnten sich die drei Premiumhersteller unabhängiger von den US-Konzernen machen.

Für Nokia bedeutet der Deal einen ordentlichen Geldeingang. Der Cash-Berg würde durch den Verkauf auf fast 8 Mrd. Euro anwachsen. Geld, das die Finnen für die Expansion im Netzwerkbereich sehr gut gebrauchen könnten.

 

12. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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