Nokia-Boss kassiert Gewinnziel und schickt Aktie auf Talfahrt

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Der Netzwerkausrüster Nokia vergrätzt die Anleger mit einer reduzierten Jahresprognose. Auf längere Sicht sollte der Konzern aber von 5G profitieren. (Foto: Grand Warszawski / shutterstock.com)

Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag: Der finnische Netzwerkausrüster Nokia streicht seine erst kürzlich nach oben geschraubte Gewinnprognose wieder zusammen und stellt die Anleger auf höhere Investitionen ein. Die Reaktion der vergrätzten Aktionäre fiel deutlich aus. Sie schickten die Aktie mit einem Tagesminus von 18% auf Talfahrt. Damit rutschen die Papiere von Nokia auch seit dem Jahreswechsel wieder in die Verlustzone (-14%).

Hoffnungsträger „Software“ deutlich unter den Erwartungen

Dabei fiel das gerade abgelaufene dritte Quartal durchwachsen aus. Lassen Sie uns einen Blick auf die  einzelnen Geschäftsbereiche werfen: Im Kerngeschäft, der Netzwerksparte, sanken die Erlöse um 7 % auf 4,11 Milliarden Euro. Noch enttäuschender entwickelte sich das Geschäft allerdings in der Softwaresparte (-14% auf 585 Millionen Euro), die unter den Anlegern als Hoffnungssparte gilt. Lichtblick im Zahlenwerk war dagegen das Geschäftssegment Nokia Entreprise (Unternehmensnetze), das ein Umsatzplus von 15 % auf 383 Millionen Euro verzeichnen konnte.

Umsatz runter, Gewinn rauf

Im gesamten Konzern summierten sich die Umsätze auf 5,3 Milliarden Dollar, was einem Rückgang um 7% entspricht. Dabei wurden 60% der Umsätze in Nordamerika und in Europa (jeweils hälftig) erzielt. Gut 17% der Erlöse stammen aus Asien, allerdings war dort das Geschäft stark rückläufig (-24%). Noch schwächer lief es in Lateinamerika, wo die Umsätze sogar um 35% zusammenschmolzen. Allerdings steht die Region auch nur für 4,2% der Gesamtumsätze.

Trotz der rückläufigen Geschäft blieb am Ende mehr Gewinn hängen: Unter dem Strich stand ein Überschuss von 197 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal in den Büchern. Auch der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn erhöhte sich um 2% auf 486 Millionen Euro.

Prognose wird zusammengestrichen

Enttäuschender als die durchwachsenen Quartalsergebnisse fassten die Anleger aber ohnehin die zurechtgestutzte Prognose der Finnen auf: So peilt Nokia-Boss Pekka Lundmark in diesem Jahr nur noch einen bereinigten Gewinn je Aktie im Mittel von 23 Cent nach zuvor 25 Cent an. Auch das Ziel für die bereinigte operative Marge setzte er wieder von 9,5 auf 9% herab – wie schon vor dem Sommer angepeilt. Für das kommende Jahr gab er nun eine Marge von 7 bis 10% als neues Ziel aus.

Zukunftsmarkt 5G erfordert massive Investitionen

Lundmark steckt dennoch den Kopf nicht in den Sand und schaltet in den Angriffsmodus. Mit hohen Investitionen in den Bereich Forschung und Entwicklung will er den Netzwerkspezialisten in eine aussichtsreiche Position für den 5G-Boom bringen. Sie müssen wissen: Auf Grund der Probleme des umstrittenen chinesischen Technologiekonzerns Huawei gilt Nokia eigentlich als einer der Profiteure für den Aufbau der Infrastruktur. Allerdings sehen einige Analysten den Konzern trotz der Investitionen weiterhin dem Rivalen Ericcson hinterherhinken.

Das Geld für die Investitionsoffensive ist zumindest vorhanden: Zum Quartalsende hatte Nokia 7,63 Milliarden Euro in der Kasse. Der Netto-Cash-Bestand lag bei 1,86 Milliarden Euro.

Nokia mit neuer Organisationsstruktur

Unterdessen unterstreicht Nokia seinen Strategieschwenk mit einer Umstellung der Organisationsstruktur: Zukünftig soll das Geschäft in die vier neue Geschäftsgruppen Mobilfunknetze, IP- und Festnetze (IP-Routing, optische Netze und Festnetze sowie das Geschäft mit Alcatel-U-Boot-Netzen), Cloud- und Netzwerkdienste (Nokia Software ohne Netzwerkmanagement für mobile Netzwerke) sowie Nokia Technologies aufgeteilt werden. Mehr Informationen dürften die Anleger am 16. Dezember 2020 erfahren. Dann will Nokia weitere Details zur Strategie, Marktdynamik und den neuen Geschäftsgruppen veröffentlichen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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