Nokia: Hedgefonds-Manager Daniel Loeb wittert Einstiegschance

Kurz nachdem bekannt wurde, dass der IT-Riese Microsoft die Handy-Sparte von Nokia übernimmt, kaufte der renommierte Hedgefonds-Manager Daniel Loeb Nokia-Aktien.

Wie aus einem Schreiben an seine Investoren hervorgeht, ist der erfolgreiche US-Manager mit seinem Hedgefonds Third Point bei dem finnischen Konzern im großen Stil eingestiegen.

Als Grund für den Einstieg gibt Loeb an, dass Nokia nach dem Milliarden-Deal mit Microsoft über Barreserven in Höhe von rund 11 Mrd. US-$ verfügt.

Den Großteil des Vermögens könnten die Finnen als Sonderdividende an die Aktionäre zahlen. Vorstellbar wäre auch ein Aktienrückkauf, so Loeb.

Wenn bekannte Fondsmanager wie Loeb oder Icahn eine gute Investitionschance wittern, folgen meistens andere Investoren. So auch jetzt. Die Nokia-Aktie verteuert sich an der New Yorker Börse um 2,7%.

Nokia-Handysparte an Microsoft verkauft

Anfang September meldete der Software-Riese Microsoft den Kauf der Nokia-Handysparte. Knapp 7,2 Mrd. US-$ zahlen die Windows-Macher für den Smartphone-Hersteller.Mit dem Deal erhofft sich Microsoft endlich im Smartphone-Geschäft eine größere Rolle zu spielen.

Für beide Unternehmen ist der Deal lohnenswert. Nokia hat die Trendwende verpasst und ist zu spät ins Smartphone-Geschäft eingestiegen. Der ehemalige Branchenprimus arbeitete hoch defizitär und und spielte nur noch eine unbedeutende Rolle im Smartphone-Geschäft.

Microsoft spürt die rückläufigen Verkaufszahlen seiner Produkte für Desktop-Rechner. Die Zukunft gehört Smartphones und Tablets. Eine eigene Software hat Microsoft schon mit Windows Phone, nun bekommen die US-Amerikaner auch eigene Smartphones hinzu.

Gelingt die Eroberung des wachstumsstarken Smartphone-Marktes kann sich der Deal für beide Seiten gelohnt haben.

Netzwerkausrüstung wird neues Kerngeschäft

Nach dem Verkauf der Handysparte, behält Nokia drei Kern-Assets: Netzwerkausrüstung, Kartendienst und das Patentportfolio. Alle drei Bereiche erwirtschaften Zahlungsüberschüsse.

Die Netzwerksparte von Nokia, NSN, betrachtet Loeb als neues Zugpferd mit viel Potenzial – auch wenn sein Einstieg in erster Linie aufgrund der Barreserve erfolgt sein dürfte.

Nokia gründete zusammen mit Siemens im Jahr 2007 Nokia-Siemens-Networks (NSN).  Der Schulterschluss war jedoch deutlich weniger ertragreich als geplant. Anfang Juli dieses Jahres stieg Siemens daher aus und verkaufte seinen Anteil an den finnischen Partner.

Nokia wird NSN in Alleinregie weiterführen und plant neue Übernahmen, um die Profitabilität weiter zu verbessern. Auch ein Zusammenschluss mit Alcatel-Lucent könnte Teil der Strategie werden.

Daniel Loeb – wiederholt sich die Yahoo-Story?

Mit seinem Hedgefonds Third Point zählt Daniel Loeb heute zu den großen Stars im Aktien-Geschäft.

Loeb hat eine klare Strategie: Er investiert in Unternehmen, die durch schlechtes Management das Geld der Investoren verpulvert haben. Anschließend versucht Loeb durch verschiedene Maßnahmen dem Unternehmen zum Turnaround zu verhelfen.

Loeb ist nicht immer als Retter willkommen. Wenn er einsteigt, will er auch als Teil des Managements den Unternehmenskurs mitgestalten. Wer sich mit schlechten Management-Leistungen hervortut, sollte sich rechtzeitig beruflich umorientieren – denn der Posten wird zeitnah durch einen von Loeb ausgesuchten Manager ausgetauscht.

Das wohl bekannteste Beispiel für die Loeb-Strategie ist Yahoo. 2011 investierte Loeb 30% der Investorengelder in Yahoo. Loeb erwarb dabei zum Durchschnittskurs von 15 US-$ die Yahoo-Aktien.

Der einstiege Internet-Riese war zu dieser Zeit fast schon in Vergessenheit geraten und hatte massive Probleme – Loeb war überzeugt, dass er das Geschäft wieder auf Kurs bringen kann.

2012 wurde der alte Unternehmenslenker aus dem Amt gejagt und Loebs-Wunschkandidatin Marissa Mayer die neue Yahoo-Chefin. Mayer machte zur Freude der Investoren deutliche Fortschritte beim Konzernumbau, was sich auch im Aktienkurs wiederspiegelte.

Nur eineinhalb Jahre nach dem Yahoo-Einstieg notiert die Aktie bei 30 US-$ je Aktie – für Loeb und seine Investoren ein Gewinn von 100%. Gut möglich, dass Loeb auch mit der Nokia-Aktie seinen Einsatz verdoppelt. Bis dahin ist es zwar noch ein langer Weg – aber auch bei Yahoo schien eine Kursverdopplung utopisch.

23. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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