Nokia kehrt in die Gewinnzone zurück

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Mit Nokia geht es bergauf. Das neue Lumia-Smartphone bringt Kunden zurück. Man macht wieder Gewinne. Doch ein zweiter Blick ist notwendig. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Es scheint, mit Nokia geht es langsam bergauf. Der einstige weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen berichtete am vergangenen Donnerstag seinen ersten Quartalsgewinn seit fast 2 Jahren.

202 Mio. Euro konnte das finnische Traditionsunternehmen im vierten Quartal 2012 als Gewinn ausweisen. Nokia hat sich somit überraschend in die Gewinnzone zurückgekämpft.

Für Vorstandschef Stephen Elop Resultat der radikalen Restrukturierungsbemühungen, die mit seinem Amtsantritt in 2010 angestoßen wurden.

Denn im wachstumsstarken Smartphone-Markt hatte Nokia den Anschluss verschlafen. Apple, Samsung und Co. zogen mit immer neuen Handy-Modellen an Nokia vorbei. Mit dem Rücken zur Wand wurde Nokia bereits als Übernahmekandidat herumgereicht.

Doch mit Elop kam neuer Wind ins Unternehmen. Die Weiterentwicklung des hauseigenen Betriebssystems für Mobiltelefone wurde gestoppt. Stattdessen mit Microsoft eine Allianz zur Entwicklung windows-basierter Mobiltelefone geschlossen.

Der Schulterschluss mit Microsoft fiel leicht, war doch auch Microsoft bei der Verbreitung seines Betriebssystems für Mobiltelefone ins Hintertreffen geraten. Und Stephen Elos früherer Microsoft-Mitarbeiter.

Die Entscheidung für Microsoft war richtig. Und mit einer neuen Modelloffensive im Smartphone-Bereich konnte Nokia punkten. 6,6 Mio. verkaufte Smartphones, davon 4,4 Mio. vom neuen Premium-Gerät Lumia im vierten Quartal lassen hoffen.

Keine Überraschung, dass die Aktie der Nokia Oy, wie die korrekte Firmenbezeichnung lautet, schon im Vorweihnachtsgeschäft und im Vorfeld der Zahlen anstieg.

Von seinem Allzeit-Tief bei 1,50€ im Juli vergangenen Jahres ging es zunächst zögerlich aufwärts (X-Säule mit der Ziffer 8 im Chart). Neue Zweifel im September (rote O-Säule) wurden durch die letzte X-Säule deutlich ausgeräumt.

Mit Überschreiten der Kursmarke bei 3,00€ wurde am 6. Dezember 2012 dann sogar ein vorsichtiges Point&Figure-Kaufsignal generiert.

Geschätztes Kursziel vorerst 4,50€ danach 6,75€. Wahnsinn, oder? Selbst zu den Kursen dieser Woche doch ein klarer Kauf. Sollte man meinen.

Nokia – der zweite Blick

Doch nun, das große ABER. Denn Nokia befindet sich charttechnisch betrachtet übergeordnet weiterhin im Abwärtstrend.

Und auch der genauere Blick auf die gemeldeten Zahlen und die damit einhergehenden Zukunftsaussichten lassen Zweifel aufkommen, ob die Wende zum Besseren schon geschafft ist.

So konnte Nokia im vierten Quartal zwar 6,6 Mio. neue Smartphones absetzen. Doch Apple verkaufte im gleichen Zeitraum 47,8 Mio., Samsung knapp 60 Mio. neue Geräte.

Und die Nokia-Lager sind voll. Man produziert auf Halde und sitzt auf Warenbeständen für komplette 6 Monate.

Das Jahresergebnis wird negativ

Und auch das gute Quartalsergebnis darf nicht täuschen. Trotz der 202 Mio. Euro Gewinn wird der Konzern auf Jahressicht einen Bilanzverlust ausweisen. Man munkelt etwas von knapp 3 Mrd. Euro.

Unvorbereitet traf die Aktionäre des Unternehmens auch die Mitteilung, die seit 143 Jahren ununterbrochen gezahlte Dividende würde für das Geschäftsjahr 2012 erstmals vollständig gestrichen.

Denn Nokia benötigt Liquidität. Die ersparten Dividendenzahlungen summieren sich auf etwa 740 Mio. Euro.

Benötigt wird auch neues Kapital. Gemunkelt wird über eine Kapitalerhöhung, die man sich durch die kommende Hauptversammlung der Aktionäre genehmigen lassen will.

Keine wirklich überzeugenden Details, die sich hier beim zweiten Blick auf die Positivmeldungen des Unternehmens auftun.

Daher verwundert es auch nicht, wenn der ebenfalls detaillierte Blick auf den Point&Figure-Chart der Nokia-Aktie diesen Eindruck bestätigt.

In der etwas kleiner Point&Figure-Einstellung mit der Kästchengröße 0,05€ zeigt sich deutlich die Unsicherheit der Investoren.

Die Hoffnung vor den Zahlen wurde abverkauft, die Aktie der Nokia Oy befindet sich in dieser Einstellung in einem Point&Figure-Verkaufssignal. Das erste Kursziel liegt hier bei 3,00 danach sogar bei 2,00€.

Zwei von einander abweichende Point&Figure-Signale. Mittelfristig Kaufen mit Kursziel bei bis zu 6,75€. Kurzfristig verkaufen, Kursziel gar 2,00€.

Was soll man damit anfangen?

Wie schon häufiger geschrieben: auch hier sollte der kluge Anleger vorerst besser abwarten.

Denn der Aktienkurs kann durchaus noch um 30% zurückkommen. Ohne, dass das mittelfristige Kaufsignal im Point&Figure-Chart gefährdet ist.

Setzt danach eine deutliche Erholung ein und gibt auch der Chart in der kleineren Einstellung erneut ein Kaufsignal, bin ich mit Käufen dabei.

Aber. Der Erfolg von Nokia hängt nicht vom Chart ab. Sondern allein davon, ob man 2013 in der Lage ist, mit guten Produkten zu auskömmlichen Preisen bei den Kunden anzukommen.

Ich lade Sie ein. Folgen Sie meinen Kauf- und Verkaufsentscheidungen zur Nokia Aktie als Leser des Point&Figure Trader.

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.