Nokia: Satz mit X, das war wohl nix

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Nokia: Netzwerkausrüster schockt mit Prognosekürzung und Dividendenstreichung. Aktie rutscht auf Sechsjahrestief ab (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag: Nokia kappt seine Prognose und streicht die Dividende. Der finnische Telekomausrüster Nokia will seine Barmittel schonen, um sich mehr Luft bei seinen Investitionsmöglichkeiten zu sichern. Denn eines ist klar: Der Kampf um Marktanteile im stark umworbenen 5G-Markt ist gerade erst entbrannt.

Die Anleger zeigten sich geschockt und schickten den Nokia-Kurs kräftig in den Keller (-23%). Damit lösten sich allein am Donnerstag knapp 6,2 Milliarden Euro an Börsenwert einfach in Luft auf und die Aktie erreichte das tiefste Niveau seit sechs Jahren. Auch am Freitag setzte sich die Abwärtsbewegung weiter fort.

Durchwachsenes drittes Quartal

Im abgelaufenen dritten Quartal konnte Nokia hingegen noch einigermaßen punkten. Unter dem Strich stiegen die Umsätze währungsbereinigt marginal um 1% auf 5,69 Milliarden Euro an. Stark zeigte sich vor allem der Verkauf von Unternehmensnetzen, der um 27% auf 333 Millionen Euro anzog, während das Geschäft mit Lizenzeinnahmen und das Hauptgeschäft mit Telekommunikationsbetreibern auf der Stelle trat.

Gleichzeitig gab das operative Ergebnis auf 478 Millionen Euro nach (-2%). Beim Nettoergebnis blieb ein Gewinn von 5 Cent je Aktie übrig und damit ein Cent mehr als im vergleichbaren Vorjahresquartal.

5G treibt Investitionen nach oben

Bislang konnte der finnische Netzwerkausrüster, den Sie aus früheren Zeiten noch als Handykonzern kennen, noch kräftig vom Aufbau der 5G-Netze profitieren. Die Nachfrage nach 5G-Ausrüstung sei in den USA und in Südkorea stark, hatte damals Firmenchef Rajeev Suri gesagt. In diesem Jahr soll die Technologie auch in Japan, dem Nahen Osten, China, Skandinavien, Italien und Großbritannien auf den Markt kommen.

Allerdings wird der Netzaufbau nun deutlich teurer als ursprünglich geplant. Zudem hat sich die Wettbewerbssituation in dem Bereich offenbar massiv verschärft. Die Konsequenz daraus: Nokia wird nun mehr für die Entwicklung und Kostensenkung von 5G-Produkten ausgeben müssen.

Gewinn- und Margenerwartungen gekappt

Wie drastisch die Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung ausfallen, sehen Sie an der zurechtgestutzten Prognose der weltweiten Nummer Drei (hinter Huawei und Ericsson) der Telekomausrüster. Beim Gewinn je Aktie peilen die Finnen eine Spanne von 18 bis 24 Cent je Aktie im laufenden Geschäftsjahr an. Ursprünglich waren 25 bis 29 Cent je Anteilschein erwartet worden. Bei der bereinigten operativen Marge erwartet der Konzern jetzt rund 8%. Für Sie zum Vergleich: Bislang war der Netzwerkausrüster noch von 9 bis 12% ausgegangen.

Gegenwind auch in 2020

Geht es nach der Konzernführung, so hält der Gegenwind auch im kommenden Jahr an. Für 2020 dämpft Nokia ebenso die Erwartungen und reduziert seine Gewinnschätzungen von 37 bis 42 Cent auf 20 bis 30 Cent je Aktie. Neben hohen Investitionen im 5G-Segment dürfte sich auch der Margenverfall in der wichtigen Netzwerksparte negativ bemerkbar machen. Entsprechend schraubt Nokia auch seine Margenziele nach unten. Statt 12 bis 16% sollen in 2020 nur 8 bis 11% erreicht werden.

Dividende wird vorerst gestrichen

Um die Kasse zu schonen setzt der Konzern auf ein weiteres probates Mittel und streicht vorerst seine Dividendenzahlungen komplett – zumindest für die nächsten beiden Quartale. Sie müssen wissen: Nokia schüttet seine Dividende immer quartalsweise aus. Die Zahlungen sollen solange gestoppt werden, bis Nokia wieder einen Barmittelbestand von 2 Milliarden Euro erreicht hat.

Mit der Maßnahme will sich der Konzern seinen Spielraum bei den Investitionen erhalten. Immerhin sollen in diesem Jahr 700 Millionen Euro, mittelfristig dann 600 Millionen Euro pro Jahr investiert werden.

Fazit: Anleger sollten bei der Suche nach sogenannten 5G-Aktien genau hinsehen und nicht blind investieren. Für viele Firmen dürfte es vorerst auf Grund der massiven Vorlaufinvestitionen schwer werden, hohe Renditen in diesem Bereich zu erzielen. Zugleich nimmt der Wettbewerb massiv zu. Wer am Ende zu den Gewinnern zählt, ist momentan noch sehr schwer abzusehen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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