Nokia verkauft Handysparte an Microsoft

Wie der amerikanische Software-Konzern Microsoft heute bekannt gab, wurde vom finnischen Technologie-Konzern Nokia die Handysparte abgekauft. (Foto: Volodymyr Kyrylyuk / shutterstock.com)

Das Dauer-Gerücht hat sich bestätigt. Wie der amerikanische Software-Konzern Microsoft heute bekannt gab, wurde vom finnischen Technologie-Konzern Nokia die Handysparte abgekauft.

Bereits seit einigen Monaten wurde ein Verkauf durchgespielt. Letzter Stand aus Februar war, dass sich beiden Parteien nicht auf einen Preis einigen konnten (der Übernahme-Sensor berichtete). Diesmal verliefen die Gespräche erfolgreich.

Nokia verpasst Smartphone-Trend

Microsoft zahlt für das Nokia-Handy-Geschäft 5,44 Mrd. Euro. Die Handy-Sparte ist das Kern-Geschäft der Finnen. Der Konzern belegt mit der Sparte immer noch weltweit Platz 2, hat jedoch große Probleme.

Die enorm wachsensde Wichtigkeit der Smartphones hat Nokia extrem zugesetzt. Das Unternehmen hat den Wandel zu spät erkannt und rennt mit seiner Smartphone-Linie Lumia der Konkurrenz hinterher.

In dem Wachstumsmarkt schaffen es die Finnen nur auf einen unbedeutenden Marktanteil im einstelligen Prozentbereich.

Microsoft tritt in die Fußstapfen von Apple

Für Microsoft bedeutet der Zukauf einen Vorstoß a la Apple, der als Smartphone-Pionier  eine so gut wie nie dagewesene Siegesserie engeleitet hatte. Microsoft hat erkannt, dass das Internet mobiler wird und mit der Übernahme auf die Zeichen der Zeit reagiert.

Die Zukunft liegt bei den Smartphones und den TabletPCs. Das klassische Computergeschäft schwächelt seit mehreren Jahren und sorgt für einen Nachfrage-Rückgang bei Microsofts Steckenpferden Windows und Office.

Durch den Zukauf kann Microsoft Boden gut machen. Die Software ist durch das Programm „Windows Phone“ bereits vorhanden. Bisher wurde das Produkt in den Nokia-Phones dank einer Kooperation eingebaut – jetzt bietet Microsoft beides alleinde an.

Damit verbunden ergibt sich natürlich ein großes Synergiepotenzial.

Beide Seiten sind vom Mehrwert des Deals überzeugt….

Nokia und Microsoft sind davon überzeugt, dass alle Parteien durch den Deal gewinnen. Durch die Übernahme erhalten die zukünftigen Kunden „das Beste aus zwei Welten“ – so eine Stellungnahme der beteiligten Unternehmen.

Die Floskel ist nicht neu, doch der Zusammengang könnte wirklich dafür sorgen, dass Microsoft im Smartphone-Geschäft Marktanteile gewinnt.

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Es wird vermutet, dass der Deal noch weitere Konsequenzen nach sich zieht. Der amtierende Microsoft-Chef Steve Ballmer hat angekündigt, dass er den Konzern verlassen wird.

Als möglicher Nachfolger wurde lange Zeit Stephen Elop gehandelt, der bei Nokia das sagen hat.

Als ehemaliger Microsoft-Manager scheint sich die Nachfolge-Regelung durch den Deal erledigt zu haben. Vieles deutet darauf hin das Elop an die Microsoft-Spitze berufen wird, um das Smartphone-Geschäft auf Vordermann zu bringen.

….Investoren sehen das anders

Dieser Deal kennt offenbar nur Gewinner. Nokia ist zufrieden, dass das krieselnde Geschäft in Hände des Partners zu einem guten Preis gegeben wurde.

Das Microsoft-Management ist zufrieden, dass zu einem fairen Preis dem Wandel des Kerngeschäfts begegnet werden kann.

Und die Investoren? – Die sehen den Deal mit gemischten Gefühlen. Die Microsoft-Aktie steht stark unter Druck und verliert 6%. Investoren fragen sich, warum der Deal jetzt kommt, wo der Zug eigentlich schon abgefahren ist.

Es wird schwer werden, den etablierten Konkurrenten Samsung und Apple Marktanteile abzujagen. Der Deal könnte gekommen sein, um die Software „Windows Phone“ zu schützen, die zusammen mit Nokia unterzugehen drohte.

Nokia-Investoren sind indes begeistert. Zwar wird der Konzernumsatz um die Hälfte fallen, doch ist das Risiko, in der Smartphone-Bedeutungslosigkeit zu versinken, gebannt. Die Aktie legt um 30% zu.

Der Übernahme-Sensor bewertet den Deal ebenfalls klar positiv für Nokia. Die anfänglich große Skepsis unter den Microsoft-Investoren könnte zu kurzfristig gedacht sein.

Der schwindende PC-Markt gebot eine Handlung – und Microsoft hat reagiert. Daraus lässt sich zwar nicht automatisch ein Erfolg ableiten, doch kann dem Management nicht vorgeworfen werden, dass nichts versucht wurde.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.