Nordex-Aktie: Riskante Turnaround-Spekulation

Die Nordex-Aktie besitzt nach dem Kursverfall großes Erholungspotenzial. Doch so eine Turnaround-Spekulation ist sehr riskant. (Foto: fokke baarssen / shutterstock.com)

Die Nordex-Aktie zählt seit Jahresbeginn zu den schwächsten Aktien im TecDAX. Damit setzt sich der negative Trend bislang auch 2018 fort:  In den vergangenen zwei Jahren hat die Aktie rund 70% ihres Werts eingebüßt. Ein Ende der Talfahrt ist leider noch nicht in Sicht.

Unternehmensportrait

Die Nordex SE, die in Hamburg ansässig und im TecDAX gelistet ist, zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Windenergieanlagen. Im Fokus stehen dabei Turbinen der großen Leistungsklasse – vor allem im Megawatt-Bereich, dem stärksten Wachstumssegment der Branche.

Management zeigt sich erst ab 2020 optimistisch

Noch im vergangenen Monat zeigte sich der Vorstand zurückhaltend und schloss einen neuen Jahresverlust nicht aus. Dennoch wurde für die (ferne) Zukunft Optimismus versprüht. So soll spätestens 2020 das Ende der jüngsten Flaute der Branche eingeläutet sein. Ab dann wird eine Erholung des wichtigen deutschen Marktes prognostiziert, so Konzernchef José Luis Blanco. Die Jahre davor werden als “Übergangsjahre” gesehen.

Der Manager erwartet im laufenden Jahr wegen des harten Preiskampfes daher erneut deutlich weniger Umsatz und Profitabilität. Unter dem Strich dürfte sogar ein Verlust stehen. In genauen Zahlen heißt das: In diesem Jahr dürften die Erlöse von rund 3,1 Mrd. Euro auf 2,4 bis 2,6 Mrd. Euro sinken. Für das deutsche Geschäft erwartet Nordex einen nochmaligen Umsatzrückgang von rund 600 Mio. Euro. Die operative Marge (Ebitda) des Konzerns dürfte von bereinigt 7,9 % auf 4 bis 5 % zurückgehen.

Es bleibt zu hoffen, – und das erwarte ich – dass das Exportgeschäft weitere positive Nachrichten parat hat. Das dürfte dann dem Wert einen weiteren zusätzlichen Schub geben. Immerhin notierte der Wert in diesem Jahr schon einmal bei knapp 12 Euro – nahezu das doppelte vom derzeitigen Niveau.

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Neue Aufträge können Kursverfall vorerst stoppen

Hintergrund des gestrigen Kursanstiegs der Aktie waren drei neue Aufträge von wichtigen Bestandskunden aus der Türkei. Die, in den neuen Aufträgen festgesetzte Kapazität der Projekte beläuft sich auf knapp 180 Megawatt. Über die Lieferung der Maschinen hinaus wurde Nordex mit dem mehrjährigen Service der Turbinen beauftragt.

Immerhin sorgte die gestrige Meldung dafür, dass die charttechnische Unterstützungslinie bei rund 6,80 Euro  (zumindest kurzfristig) gehalten hat. Wobei allerdings das Chartbild nach wie vor gruselig aussieht. Es würde mich daher nicht wundern, wenn wir schon bald neue Tiefststände sehen.

Riskante Turnaround-Spekulation

Natürlich ist das Erholungspotenzial bei der Nordex-Aktie groß. Aber bekanntlich sind Turnaround-Spekulationen riskante Angelegenheiten. Es gehört schon eine große Portion Glück dazu, beim Einstieg den Tiefpunkt zu treffen und darauf würde ich mich lieber nicht verlassen.

Auch wenn es zwischenzeitlich – wie zuletzt – immer mal wieder positive Neuigkeiten gibt, so rate ich von einem Investment in den Windkraftanlagenbauer nach wie vor ab. Sie kennen sicherlich den bekannten Börsenspruch „greife nie in ein fallendes Messer“.

Wesentlich mehr Erfolgschancen verspricht es, stattdessen auf Unternehmen zu setzen, deren Geschäfte brummen und deren Aktien sich in einem Aufwärtstrend befinden.


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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.