Nordex-Aktie: Anleger verlieren die Geduld

Alles neu macht der April, zumindest bei der Nordex AG:

Der Hersteller von Windkraft-Anlagen hat seit diesem Monat einen neuen Mann an der Spitze: José Luis Blanco.

Blanco war bislang Vize-Vorstands-Chef hinter Lars Bondo Krogsgaard – und leitete zuvor 4 Jahre lang die Geschicke bei Acciona Windpower.

Das wiederum ist ein spanischer Wettbewerber, den Nordex im vergangenen Jahr – ebenfalls im April – übernommen hatte.

Diese Übernahme war es auch, die dem Hamburger Konzern den dringend nötigen Rückenwind verpasste, um die Geschäftsbilanz des abgelaufenen Jahres nicht ganz so verheerend aussehen zu lassen.

Ziele erreicht – dank Übernahme und gesenkter Prognose

Unterm Strich verdiente Nordex auf diese Weise 95,4 Mio. € und verbucht ein Plus von 82,4% nach gut 52 Mio. € im Vorjahr. Der Umsatz schnellte zugleich um 40% in die Höhe auf 3,4 Mrd. €.

Damit hat Nordex seine Ziele erreicht – allerdings nur, weil die Prognose zuvor bereits gesenkt worden war und sich die Acciona-Übernahme durch Einmal-Effekte positiv auswirkt.

Und so enden die halbwegs positiven Nachrichten aus Sicht von Anlegern und Analysten hier auch schon wieder. Denn für 2017 erwartet die Firma einen Umsatz-Rückgang auf 3,1 – 3,3 Mrd. €.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 3,6 Mrd. € gerechnet und zeigten sich dementsprechend enttäuscht nach der Bekanntgabe von Zahlen und Ausblick.

Für 2018 geht Nordex von einem Umsatz zwischen 3,4 und 3,6 Mrd. € aus. Das erscheint angesichts der aktuellen Zahlen realistisch, fühlt sich für viele Anleger aber dennoch ernüchternd an.

Immerhin hatte Nordex sich einst viel höhere Ziele gesteckt und wollte seine Einnahmen bis 2018 auf mehr als 4 Mrd. € steigern, doch daraus wird wohl nichts…

Nordex-Aktie auf Talfahrt

Blanco versucht es nun mit einem Strategie-Mix aus Sparen und Zukaufen.

Dabei stellt sich sein Übernahme-Wille v. a. auf die Entwicklung und Herstellung der Turbinen fokussiert und weniger auf den Service- und Wartungs-Bereich ab – ein Fehler?

Möglicherweise; zumindest lässt sich durch die längerfristigen Service-Verträge perspektivisch mehr Geld einnehmen.

Doch Kern und Ursprung dessen sei nun einmal die Turbine, so Blancos Argumentation, und deshalb müsse Nordex hier noch besser und letztlich führend werden.

Bis es soweit ist, scheint den Anlegern jedoch die Geduld nicht zu reichen – ganz im Gegenteil:

Auf Jahressicht hat die Nordex Aktie rund 45% an Wert verloren, einen Großteil davon in den vergangenen 6 Monaten.

Einen besonders deutlichen Einbruch zeichnet der Chartverlauf im Februar, als der Kurs binnen kürzester Zeit massiv einbrach.

Aktuelle Einschätzung und Empfehlung

Inzwischen ist das Papier für gut 13 € zu haben, Analysten warnen jedoch davor, hier ein vermeintliches Schnäppchen zu machen.

Nach mehrfach gekürzten Prognosen haben sie das Vertrauen in Nordex und seine Aktie weitgehend verloren.

Kaufempfehlungen sind aktuell Mangelware, die meisten Beobachter raten bestenfalls dazu, die Aktie zu halten.

15. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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