Nordex beendet Übernahmespekulationen nur halbherzig

Der deutsche Windkraftanlagenbauer Nordex erteilte aktuellen Übernahmespekulationen jetzt eine Absage und erwischte damit einige Anleger auf dem falschen Fuß.

„Die Übernahmespekulationen begleiten die Firma von Beginn an. Aber wir fühlen uns auch sehr wohl allein“, sagte Nordex-Chef Jürgen Zeschky in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag.

Ende März waren entsprechende Gerüchte aufgekommen, nachdem Zeschky sich generell offen für eine Übernahme gezeigt hatte. Die Übernahmegerüchte sorgten dafür, dass die Nordex-Aktie innerhalb kürzester Zeit von rund 18,50 Euro auf etwa 20,50 Euro und damit um knapp 11% nach oben kletterte.

Keine eindeutige Absage

Die Aussage von oben, dass sich Nordex derzeit allein ganz wohl fühle, schränkte Zeschky jedoch ein, sodass aus meiner Sicht unterm Strich keine eindeutige Absage steht.

Denn: Grundsätzlich wolle man nichts ausschließen, wenn es operativ Sinn mache, aber „es ist nicht so, dass wir auf der Suche wären“, sagte Zeschky der Euro am Sonntag.

Zwar hatte Zeschky Ende März noch gesagt, dass man nicht um jeden Preis unabhängig bleiben wolle, doch wie eine kategorische Absage klingen die aktuellen Äußerungen für mich ganz und gar nicht.

Was jetzt zunächst wie eine Absage klingt, ist tatsächlich eine Absage mit einer offenen Hintertür. Dennoch befindet sich die Nordex-Aktie jetzt im Abwärtstrend, da einige Investoren infolge der Übernahmegerüchte Ende März diesen Jahres auf eine baldige Übernahme spekuliert hatten und jetzt wieder aussteigen.

Nordex zuletzt mit überzeugenden Zahlen

Kommen wir jetzt noch zu den jüngsten Zahlen von Nordex und damit zu den 2014er-Zahlen: Die Umsätze stiegen bei Nordex 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 21% auf 1,73 Mrd. Euro. Der operative Gewinn (EBIT) verbesserte sich gar um 76% auf 78 Mio. Euro. Der Konzerngewinn stieg auf 39 Mio. Euro und vervierfachte sich damit annähernd im Vergleich zum Vorjahr.

Zudem schaffte Nordex es, den Auftragseingang um knapp 17% auf 1,75 Mrd. Euro zu steigern. Damit lag der Auftragseingang leicht über den Erwartungen. So rosig wie aktuell, sah es bei Nordex allerdings nicht immer aus. Das Unternehmen hat sich aber mittlerweile weitestgehend von den eigenen Problemen erholt.

Dabei drohte man sich mit dem Ausbau des Geschäfts in den USA und China sowie den Plänen für Offshore-Windturbinen einst kräftig zu übernehmen. Zeitgleich litt Nordex darunter, dass die Bundesregierung einige Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien gesenkt und damit für Unsicherheiten in Sachen Förderung der Windkraft gesorgt hatte.

Fazit: Aktie bietet aktuell kaum noch Potenzial

Auch wenn Nordex die Krise nun hinter sich gelassen hat und optimistisch in die Zukunft blickt, bleibt abzuwarten, wie viel Kurspotenzial die im TecDax notierte Aktie künftig noch bietet. Denn: Der Kurs der Nordex-Aktie hat sich seit Mitte 2013 – und damit in weniger als zwei Jahren – schon deutlich mehr als verdreifacht.

Damit sind aus meiner Sicht schon sehr viele positive Tendenzen im aktuellen Kurs eingepreist. Hinzu kommt, dass das Geschäft von Nordex zu einem gewissen Teil von den Plänen der Bundesregierung abhängig ist. Und wie negativ das enden kann, zeigt sich aktuell bei den großen Energieversorgern RWE und E.ON.

Ich persönlich würde daher nicht bei Nordex zugreifen. Risikobereiten Anlegern, die längerfristig auf eine Übernahme setzen, kann die Nordex-Aktie aber durchaus noch schöne Gewinne bescheren.

27. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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