Nordex prescht voran: Neue Details zum geplanten Mega-Deal

Der Windkraftspezialist Nordex steht womöglich vor der größten Fusion seiner Geschichte. Welches Potenzial bietet der Mega-Deal? (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Es wäre die größte Fusion der Unternehmensgeschichte und zugleich eine tiefgreifende Neuordnung der Macht- und Größenverhältnisse in der Windkraftbranche: Der deutsche Windkraftanlagenbauer Nordex will die Windenergiesparte vom spanischen Mischkonzern Acciona übernehmen, im Gegenzug sollen die Spanier als Großaktionär bei den Norddeutschen einsteigen.

In Zahlen will Nordex insgesamt 785 Millionen Euro auf den Tisch legen, Acciona 29,9 Prozent der Nordex-Aktien halten. Hierfür würde die bisherige Großaktionärin, BMW-Erbin Susanne Klatten, ihre Anteile um 335 Millionen Euro auf nur noch 5,7 Prozent verringern.

Breitere Aufstellung

Stimmen die Wettbewerbsbehörden dem Deal zu, würde das die globalen Kräfteverhältnisse in Sachen Windenergie neu austarieren. Nordex wäre nicht mehr nur in Europa stark präsent, sondern über Acciona auch in Nord- und Südamerika sowie in den aufstrebenden Schwellenländern.

Die Geschäftsmodelle ergänzen sich: Während die Spanier vor allem Großprojekte realisieren, engagiert sich Nordex auch bei kleineren und mittleren Aufträgen. Aus Aktionärssicht wäre der Zusammenschluss also eine Traumhochzeit.

Trendwende geglückt

Überhaupt können sich die Inhaber von Nordex-Aktien über eine profitable Entwicklung freuen. Stand das Unternehmen 2011 noch kurz vor der Pleite, ist die Trendwende durch massive Einsparungen und regionale Konzentration auf die Kernmärkte Deutschland und Europa nebst Abschied vom China-Geschäft geglückt.

Binnen kürzester Zeit hat sich das Unternehmen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf gezogen und bereits 2013 wieder schwarze Zahlen geschrieben. 2014 ging als bislang erfolgreichstes Jahr in die Firmengeschichte ein, und 2015 könnte es sogar noch besser laufen.

Allein im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz auf 1,1 Milliarden Euro und lag damit rund 35 Prozent höher als im Vorjahr. Der Gewinn verdoppelte sich im gleichen Zeitraum.

Starke Prognose für 2015

Auch die Prognose für das Gesamtjahr kann sich sehen lassen, denn die zweite Jahreshälfte soll ähnlich positiv verlaufen wie die erste. Insgesamt strebt Nordex für 2015 einen Umsatz von bis zu 2,2 Milliarden Euro an – ein durchaus realistisches Ziel, denn der Konzern hat gegenüber der Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil.

Im Portfolio findet sich eine Turbine für Schwachwindregionen. Diese werden zunehmend nachgefragt – sowohl aus Platzgründen (in Küstennähe stehen bereits zahlreiche Windparks, während im windärmeren Süden Deutschlands noch hinreichend freie Flächen zur Verfügung stehen), als auch wegen des steigenden Bedarfs.

Die Energiewende ist in diesem Land immerhin beschlossene Sache, der Atomausstieg wohl unumkehrbar und die Stärkung erneuerbarer Energielieferanten damit auf absehbare Zeit gesichert. Das spiegelt sich auch beim Blick auf die prallgefüllten Auftragsbücher bei Nordex wider.

Gelingt der Zusammenschluss mit Acciona, könnten die Norddeutschen zu einem der weltweiten Top 5 Unternehmen der Branche aufsteigen.

Aktie setzt Aufwärtstrend fort

Auch Analysten sind begeistert von der Entwicklung und sehen auch nach dem jüngsten Anstieg noch einiges an Kurspotenzial. Die Kursziele für das Papier, das zuletzt rund 28 Euro kostete, sehen sie in aktuellen Studien zwischen 30 und 35 Euro.

Gerade im Vergleich zum teilweise schwächelnden Gesamtmarkt hat sich die Nordex-Aktie gut entwickelt. Allein im laufenden Jahr legte sie um fast 90 Prozent zu, davon rund 15 Prozent innerhalb des letzten Monats. Innerhalb der letzten drei Jahre hat sich ihr Wert um sage und schreibe 800 Prozent gesteigert – und das kurz nachdem das Unternehmen vor der Pleite stand.

Eine solche Erfolgsbilanz muss man erst einmal schaffen.

2015-10-09 Nordex

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt