Norwegian Air Shuttle-Aktie: Übernahme-Aus lässt Aktie in die Tiefe rauschen

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Deal-Aus lässt Aktie des Billigfluganbieter Norwegian Air Shuttle in den Keller rauschen. Der Konzern steht auf Grund der angespannten Finanzlage mit dem Rücken zur Wand. (Foto: nitpicker/Shutterstock)

Jetzt ist es amtlich. Der norwegische Billigflieger Norwegian Air Shuttle wird doch nicht von der British Airways-Mutter IAG geschluckt. Damit geht der Übernahmekrimi nach fast neun Monaten zu Ende, da offenbar keine Einigung erzielt werden konnte. Die Anleger trauern dem verlorenen gegangenen Deal hinterher. Nach Bekanntgabe der aufgegebenen Übernahmepläne sackte die Norwegian-Aktie um mehr als 20% in den Keller. Mit aktuell 140 Norwegischen Kronen notieren die Papiere fast 55% unter dem Niveau, als die Übernahmegerüchte im vergangenen Jahr an Fahrt gewannen.

Anleger hatten auf Bieterwettkampf spekuliert

Mit der jüngsten Nachricht wurden die Norwegian-Anleger komplett auf dem falschen Fuß erwischt. Im vergangenen Sommer war die finanziell angeschlagene Billigairline noch zum Objekt der Begierde geworden. Als Erste streckte die britisch-spanische IAG die Hand nach dem norwegischen Rivalen aus, dann tauchte der Name Ryanair als Interessent auf. Zwischenzeitlich wurde sogar spekuliert, die Lufthansa-Tochter Eurowings könnte als Bieter mit ins Rennen gehen.

Dabei hatte der Firmengründer und Vorstand Bjørn Kjos immer darauf hingewiesen, dass er nur zum richtigen Preis verkaufen wolle. Offenbar versuchte der ehemalige Kampfpilot Kjos, der 27% aller Aktien hält, den Preis nach oben zu treiben.

Vorreiter von Billigflügen auf der Langstrecke

Unterdessen hatten viele Branchenexperten die Qualität des Geschäftsmodells der Norweger seit langem bezweifelt und eine Übernahme daher als wenig wahrscheinlich eingestuft. Sie müssen wissen: Norwegian gilt als Vorreiter für Billigflüge auf der Langstrecke und unterhält gleichzeitig ein dichtes Streckennetz in Europa. Zugleich war der Konzern mit seinen mehr als 140 Jets nach einer starken Wachstumsphase in finanzielle Schieflage geraten.

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Starke Wachstumsphase endet mit Verlusten

Dabei war die Geschäftsentwicklung durchaus beeindruckend. Seit 2003 kletterten die Erlöse von 959 Millionen Norwegischen Kronen auf zuletzt 30,94 Milliarden Norwegischen Kronen (umgerechnet rd. 3,17 Milliarden Euro). Allerdings rutschte der Konzern zuletzt deutlich in die Verlustzone. Alleine in 2017 verbrannte Norwegian fast 1,8 Milliarden Norwegische Kronen.

Der Pionier, der beweisen will, dass sich auch das Billigflugkonzept auf der Langstrecke rechnet, ist ins Straucheln gekommen. Zuletzt musste einige Flugrouten aufgegeben werden. Zugleich bezweifeln Experten, dass man das Geschäftskonzept erfolgreich auf lange Strecken übertragen kann. Denn doppelte Crews, längere Ladezeiten und eine generell kompliziertere Logistik bei Langstreckenflügen drücken auf die Kosten. Zugleich ist die Verschuldung durch den Kauf der großen Flotte enorm gestiegen.

IAG will Aktien verkaufen

Trotz der Finanzlage ließ Norwegian den Interessenten IAG, der zwei unverbindliche Übernahmeangebote vorlegte, abblitzen. Jetzt verliert die British Airways Muttergesellschaft aber offenbar das Interesse und zieht ihre Übernahmepläne zurück. Zugleich will sich der Konzern von seiner Norwegian-Beteiligung (knapp 4% der Aktien) komplett trennen.

Norwegian unter Zugzwang

Für Norwegian Aktionäre sind das ausgesprochen schlechte Nachrichten. Denn auf Grund der angespannten Finanzlage steht die norwegische Billigfluggesellschaft unter Zugzwang. Die Verhandlungsposition gegenüber weiteren potenziellen Bietern dürfte sich mit dem IAG-Rückzug ebenfalls deutlich verschlechtert haben. Wer also auf Basis der aktuellen Sachlage einsteigt, sollte sich des hohen Rückschlagrisikos bewusst sein.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.