Not beim Notar? (Teil 1)

Ob es Ihnen als Investor nun passt oder nicht: Wenn Sie in »Beton-gold« anlegen wollen, kommen Sie um den Termin beim Notar nicht herum. Allerdings kann dieses Stelldichein Tücken bereithalten. (Foto: Brian A Jackson / Shutterstock.com)

Luxusautos werden nicht selten zu weitaus höheren Preisen angeboten also so manche Immobilie. Dennoch ist der Kauf eines Lamborghinis, Austin Martins oder Rolls Royce‘ ein bürokratisches Kinderspiel im Vergleich zum Erwerb von »Betongold«.

Denn während Sie notfalls einfach nur einen – nun gut, ziemlich dicken – Umschlag mit Fünfhundertern über den Tisch des Autohauses schieben müssen, damit der Nobelschlitten Ihres Begehrs Ihr Eigen wird, werden Sie als möglicher Käufer sogar der kleinsten Eigentumswohnung oder gar abschreckendsten Schrottimmobilie von Staats wegen zu einem lästigen Papierkriegsdienst eingezogen.

Im Mittelpunkt dabei steht der Notartermin. Und dem können Sie sich nicht verweigern, wenn es mit dem Investment jemals was werden soll.

Was viele unerfahrene Immobilienkäufer nicht auf dem Schirm haben: So ein Notar vertritt niemandes Interessen. Erst recht nicht Ihre!

Schlag nach bei Wikipedia …

»Die Haupttätigkeit des Notars ist die Beurkundung von Rechtsgeschäften jeglicher Art […]. Dabei ist er zur Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verpflichtet, was ihn vom Rechtsanwalt, der die Interessen einer Partei vertritt, unterscheidet.«

Selbst wenn »Ihr« Notar also ein imposantes Schmelzglas-Wappen des betreffenden Bundeslandes neben seiner Haustür pappen hat, sich in seinem Dienstzimmer prächtige Insignien der staatlichen Macht angesammelt haben sollten und er wie die fleischgewordene Amtswürde, Staatsgewalt und Eindrucksfülle auf Sie wirkt: Auf Ihre Seite schlägt er sich in tausend Jahren nicht.

Sollten Sie also die Gegenseite mit dem Aufsetzen des Kaufvertrags beauftragt haben, dürfen Sie nicht blauäugig davon ausgehen, dass der Notar so nett ist und Sie schon auf fiese Fallen im Kontrakt aufmerksam macht. Oder dass er Sie gar aus Idealismus davor schützt, ins Unglück zu rennen.

Nein, das tut er nicht.

Immobilien-Preise auf den Euro genau ermitteln – So geht'sLässt sich der erzielbare Preis einer Eigentumswohnung rasch und mit akzeptabler Trefferquote ermitteln? Und wonach bemisst sich die Preisgestaltung überhaupt? Ich scheue mich fast, diese Binsenweisheit hier von mir zu… › mehr lesen

Für ihn gilt nur der altrömische Grundsatz: Pacta sunt servanda – frei übersetzt: Vertrag ist Vertrag. Egal, ob dieser Vertrag Ihnen das Genick bricht. Das schert diesen Siegelwachsfetischisten kein bisschen.

Was lernen Sie daraus?

Lassen Sie jeden Immobilienkaufvertrag unbedingt von Ihrem eigenen Anwalt aufsetzen oder zumindest prüfen. Und zwar vorher!

Denn Ihr Anwalt ist tatsächlich Ihr Interessenvertreter. Er ist dazu angehalten, das Beste für Sie herauszuholen. Auch beim Aufsetzen von Verträgen, die einen Immobilienkauf besiegeln sollen.

Ein Notar äußerst sich allenfalls dazu, ob eine bestimmte von Ihnen vorgeschlagene Formulierung rechtssicher ist und vor Gericht Bestand hätte. Ob sie Ihnen hingegen nützt oder schadet? Darüber lässt er sich nicht aus.

Der rechtzeitige Gang zum Rechtsanwalt Ihres Vertrauens ist also Pflicht. Indem Sie ihn vorab einspannen, haben Sie schon mal einen Grundstein dafür gelegt, dass Sie so ein Immobilienkaufvertrag nicht zum Verlierer stempelt.

Moment mal? Einen Grundstein? Gibt es etwa mehrere?

Ja, in der Tat. Denn …

Der Auftrag an Ihren Anwalt nicht die einzige Schutzmaßnahme, die Sie ergreifen sollten.

Schließlich lauert beim eigentlichen Notartermin noch eine böse Falle auf Sie, die schon in einigen Fällen dafür gesorgt hat, dass es anschließend ein böses Erwachen gab. Buchstäblich.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.