Notenbanken packen die große Keule aus

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Die Notenbanken packen die große Keule aus. Kommt jetzt auch das Helikoptergeld? (Foto: nitpicker / shutterstock.com)

Heute möchte ich mit einem Zitat von Wladimir I. Lenin beginnen: „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert. Und es gibt Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ So gesehen dürften die meisten von uns in den vergangenen Tagen gleich um mehrere Jahrzehnte gealtert sein.

Keule ausgepackt

Das sehen wohl auch die Zentralbanker so, die bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gerade die große Keule ausgepackt haben. Rund um den Globus wurden die Zinsen von historisch niedrigem Niveau nochmals abgesenkt und Maßnahmen des Quantitative Easing ergriffen oder ausgeweitet, wie wir sie schon in der Finanzmarktkrise 2008 kennengelernt haben. Die Europäische Zentralbank etwa hat ein „Pandemic Emergency Purchase Programme“ initiiert, das zwar auf die ulkige Abkürzung PEPP hört, jedoch mit einem Volumen von nicht weniger als 750 Milliarden Euro sämtliche bekannte Größenordnungen sprengt.

Zumal es damit nicht getan sein muss, denn die EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bereits angekündigt, dass sie „absolut“ dazu bereit sei, den Umfang der Kaufprogramme zu erhöhen und die Zusammensetzung der Programme „so weit wie nötig und für so lange wie notwendig anzupassen“. Wird dann wieder über Helikoptergeld nachgedacht? Mit der Folge, dass in den Bilanzen der Zentralbanken Billionen an niedrig verzinslichen Staatsanleihen verbucht sein werden, wodurch Zinserhöhungen auf absehbare Zeit – also für die kommenden Jahrzehnte – kaum realistisch sind.

Stützungskäufe überall

Auch die republikanischen Abgeordneten im US-Senat haben ein Konjunkturpaket vorgestellt, das voraussichtlich 1 Billion US-Dollar übersteigt und zusätzlich zu den direkten Barauszahlungen an die Steuerzahler Darlehensgarantien für Fluggesellschaften in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar enthalten sollen. Ein Maßnahmenpaket ausgerechnet von denjenigen, die einst das „Troubled Asset Relief Program“ (TARP) des damaligen US-Präsidenten Obama in Höhe von 700 Milliarden US-Dollar als “Angriff auf den Kapitalismus des freien Marktes” brandmarkten.

Allem Anschein nach bleibt den Regierungen nichts anderes übrig, als zu tun, was notwendig ist, um die Wirtschaft zu stützen. Denn für das gute Szenario – eine schnelle Eindämmung der Virusverbreitung – mit anschließender Erholung der Wirtschaft braucht man heute schon eine gesunde Portion Optimismus. Dementsprechend gehen die wohlgesonnenen unter den Wirtschaftsforschern davon aus, dass das weltweite Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal 2020 bei -8% liegen wird. Andere, wie etwa die Analysten von Goldman Sachs, rechnen sogar mit einem Rückgang von -15%.

Beruhigung bei hohen Schwankungen

Egal, wie stark die Weltwirtschaft letztlich schrumpft: PEPP wird es schon richten. Wird die Aktien-, Anleihen- und Rohstoffmärkten beruhigen. Zumindest kurzfristig. Zumindest bis dann die nächste schlechte Meldung kommt, etwa weil die Neuinfektionszahlen doch wieder gestiegen sind, oder weil Gewinnwarnungen oder gar Insolvenzmeldungen die Runde machen. Was letztlich die Überhand hat, ist kaum vorhersehbar, wohl aber, dass die Schwankungen der Kapitalmärkte, die Volatilität, sich sicher nicht so schnell wieder auf ein Vorkrisen-Normalniveau zurückbewegen werden.

Was also können Sie tun? Entscheidend ist die Frage, ob Sie glauben, dass der DAX in drei Jahren höher steht als heute oder nicht. Angesichts der Maßnahmen, die die Notenbanken jetzt getroffen haben, dürfte die Antwort eindeutig sein. Also einfach mal zurücklehnen, sich nicht von der Panik oder dem Corona-Virus anstecken lassen und in die Zukunft blicken.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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