Novartis Aktie: Alcon-Abspaltung sorgt für Auftrieb

Novartis Gebäude – shutterstock_518973970 Denis Linine

Nach monatelangem Hadern wird sich Novartis von Alcon trennen. An der Börse kommt das gut an, die Novartis Aktie legt zu. (Foto: Denis Linine / Shutterstock.com)

Im Grunde war der Schritt schon seit Monaten beschlossene Sache, nun ist es offiziell: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis wird sich von der Augenheilkundesparte Alcon trennen.

Damit wird ein eher kostspieliges Abenteuer beendet. 2011 hatte Novartis die US-Tochter vollständig übernommen, seinerzeit wanderten dafür 50 Milliarden US-Dollar über den Tisch. Schon bald offenbarten sich jedoch die Probleme, vor allem in Form von Wachstumsmangel und rückläufigen Margen.

Teures Experiment wird beendet

Den Einkaufspreis wird Novartis kaum wieder reinholen können bei der Veräußerung, die für das erste Halbjahr 2019 angestrebt wird. Konkrete Zahlen wollte der Vorstand um CEO Vas Narasimhan zwar vorerst nicht nennen, dafür sei es zu früh, hieß es. Beobachter rechnen jedoch damit, dass der Verkauf etwa 25 bis 35 Milliarden Dollar in die Kassen der Schweizer spielen dürfte.

Obwohl das Ganze also wohl auf ein Verlustgeschäft hinauslaufen wird, zeigten sich Anleger erleichtert über den Schritt. An der Börse wird der Verkauf als Ende mit Schrecken bewertet, das bekanntlich immer noch angenehmer ist als der Schrecken ohne Ende.

Novartis Aktie legt zu

Die Novartis Aktie legte nach Bekanntgabe der endgültigen Trennungspläne Ende Juni kräftig zu und notiert auf Monatssicht nun gut 5 Prozent im Plus. Zum Wochenende hin kostete das Papier etwas mehr als 67,50 Euro oder rund 79 Schweizer Franken.

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Analysten reagierten auf die weitere Aufspaltung und somit voranschreitende Fokussierung des Unternehmens tendenziell positiv und bestätigten überwiegend ihre vorherigen Einschätzungen. Besonders zuversichtlich zeigte sich die Baader Bank, die ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 95 Schweizer Franken bekräftigte. Auch S&P Capital bestätigte seine positive Bewertung mit einem Kursziel von 88 Franken.

Stärkere Fokussierung aufs Kerngeschäft

Ebenfalls im Bereich um 90 Franken sehen Experten der Berenberg Bank (90 Franken) sowie der Deutschen Bank (89 Franken) die Novartis Aktie, raten jedoch lediglich zum Halten des Papiers. Neben der Abspaltung von Alcon wird eine Patententscheidung in den USA zugunsten eines Medikaments zur Behandlung von Multipler Sklerose als potenziell kursförderlich eingestuft.

Analyst Keyur Parekh von Goldman Sachs hingegen warnt vor einer etwas ungünstigeren Wechselkurslage, die das Ergebnis von Novartis in den kommenden Jahren stärker belasten könnte als bislang gedacht. Demnach profitieren die Schweizer nicht mehr so stark wie zuvor von für sie günstigen Wechselkursen.

Mit dem Verkauf von Alcon setzt Novartis seinen schon vor einigen Jahren eingeschlagenen Kurs fort, sich stärker auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich weniger breit aufzustellen. Aus dem Impfstoffgeschäft sowie der Tiermedizin hatten sich die Schweizer bereits 2015 verabschiedet. Im Frühjahr wurde bekannt, dass man sich auch aus dem Geschäft mit nicht rezeptpflichtigen Medikamenten zurückziehen werde.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.