Novartis Aktie bleibt unter Druck

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Die Schlagzeilen könnten besser sein, der Aktienkurs auch: Novartis steht weiterhin unter Druck. Für Anleger besteht dennoch Hoffnung. (Foto: Denis Linine / Shutterstock.com)

Die Novartis Aktie steht seit Monaten unter massivem Druck. Nach einer Spitze Ende Januar setzte mit dem weltweiten Börsenbeben eine Talfahrt ein, die das Papier – im Gegensatz zu vielen anderen Aktien – noch nicht so recht stoppen konnte.

Kostete die Novartis Aktie Ende Januar noch fast 76 Euro, war sie Ende April für nur noch rund 63 Euro zu haben. Im Mai konnte sie zwar wieder etwas an Boden gutmachen, doch nach einem nachhaltigen Aufschwung sieht das immer noch nicht aus.

Stattdessen dümpelt der Kurs, der im vergangenen Jahr über weite Strecken stabil oberhalb von 70 Euro verlief, zurzeit bei etwa 65 Euro herum – etwa 10 Prozent niedriger als noch vor einem Jahr.

Das mag nicht zuletzt an den Schlagzeilen liegen, die aus Sicht des Schweizer Pharmakonzerns durchaus positiver sein könnten. Denn in den vergangenen Wochen stand das Unternehmen vor allem hinsichtlich einer Korruptionsaffäre in Griechenland, fragwürdige Verstrickungen mit der Trump-Administration oder der eigenen Preispolitik heftig in der Kritik.

Korruptionsvorwürfe in Griechenland

Der Korruptionsskandal in Griechenland sorgt dort zurzeit für erhitzte Gemüter und soll nun juristisch aufgearbeitet werden. Es steht der Vorwurf im Raum, dass Novartis in der Vergangenheit mehrere hochrangige Politiker und Mediziner, unter anderem die früheren Regierungschefs Antonis Samaras und Panagiotis Pikramenos, bestochen haben soll, um sich eine bevorzugte Behandlung zu erkaufen.

Konkret soll es dabei um höhere Medikamentenpreise und schnellere Zulassungsverfahren gegangen sein, die den Schweizern eine marktbeherrschende Dominanz ermöglicht hätten. Alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe bislang zurück und verweisen dabei auch auf eine mutmaßliche politische Nebelkerze von Seiten der linken Regierung unter Premier Alexis Tsipras, die von Haushaltsproblemen ablenken wolle. Novartis jedenfalls kündigte in diesem Zusammenhang an, vollumfänglich mit den Behörden kooperieren zu wollen und entschieden durchzugreifen, sollten sich die Vorwürfe erhärten.

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Geschäfte mit Trump-Anwalt: Chefjurist tritt ab

Unstrittig ist hingegen die Zahlung von 1,2 Millionen Dollar an Essential Consultants – eine Firma des Trump-Anwalts Michael Cohen. Im Rahmen eines einjährigen Vertrags habe sich Novartis von der Firma Beratung hinsichtlich der gesundheitspolitischen Pläne von Trumps Regierung versprochen. Allerdings sei bereits im Rahmen eines Treffens im März 2017 ersichtlich gewesen, dass die Gegenleistungen nicht im erhofften Rahmen möglich seien.

Da ein Ausstieg aus dem Vertrag offenbar ebenfalls nicht möglich war, liefen die Zahlungen von monatlich 100.000 Dollar noch bis Februar 2018 weiter, ehe der Vertrag dann schließlich auslief. In diesem Zusammenhang hat Felix Ehrat, Chefjurist bei Novartis, zum 1. Juni seinen Rücktritt erklärt. Novartis betrachtet die Angelegenheit damit als erledigt.

Novartis Aktie: Drohende Zwangslizenzen?

Neuer Gegenwind droht dem Konzern nun auch in der Schweiz. Dort stehen Novartis und Konkurrent Roche wegen ihrer Preispolitik in der Kritik von Nichtregierungsorganisationen, die nun öffentlichkeitswirksam Unterschriften sammeln und die Regierung dazu bewegen wollen, Zwangslizenzen zu verordnen.

Diese würden günstigere Nachahmerpräparate zu teuren Medikamenten, beispielsweise zur Krebstherapie, zulassen, noch vor Ablauf der jeweiligen Schutzpatente. Ob es dazu jedoch tatsächlich kommen wird, ist fraglich. Zwangslizenzen spielen in der Praxis bisher eine eher geringe Rolle.

Nichtsdestotrotz steht Novartis weiterhin unter Druck. Anleger können jedoch auf die prall gefüllte Produktpipeline hoffen: Zahlreiche Medikamente befinden sich in späten Testphasen und könnten bald zugelassen werden.

Zudem sehen Analysten angesichts der jüngsten Kursschwäche durchaus Aufholpotenzial für die Novartis Aktie.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.