Novartis-Aktie: Neuer Mann, neues Glück?

Jeder Konzernchef setzt seine eigenen Akzente und wenn er lang genug am Ruder ist, prägt er damit eine ganz eigene Ära in der Geschäfts-Geschichte eines Konzerns.

Besonders sichtbar wird das immer dann, wenn sich die Strategie eines CEO grundlegend von der des Vorgängers unterscheidet. Das ist beispielsweise bei Novartis der Fall.

Der Schweizer Pharma-Konzern war von Daniel Vasella, der von 1999 bis 2013 das Amt des Verwaltungsrats-Präsidenten bekleidete, bewusst breit aufgestellt worden.

Sein Nachfolger Jörg Reinhardt, ehemaliger Bayer-Manager, fährt nun einen komplett anderen Kurs:

Radikaler Umbau unter Reinhardt

Gemeinsam mit Novartis-CEO Joseph Jimenez hat Reinhardt einen fundamentalen Umbau in die Wege geleitet:

Kleinere Geschäfts-Sparten wurden verkauft, der Konzern fokussiert sich jetzt stark auf nur noch 3 Bereiche:

  1. verschreibungspflichtige Medikamente,
  2. Generika
  3. nd die Augenheil-Sparte Alcon.

Getrennt hat sich Novartis unter Reinhardt u. a. von den Geschäften mit Impfstoffen, rezeptfreien Arzneimitteln und Tiermedizin. Die Sparten wurden jeweils an Konkurrenten veräußert.

Parallel dazu stärkten die Schweizer ihr Krebs-Geschäft, ein Bereich, der als besonders zukunftsträchtiger und lukrativer Wachstumsmarkt gilt.

Nun steht offenbar der nächste radikale Einschnitt auf der Agenda: Reinhardt hat in einem Interview angedeutet, Novartis könnte sich von Alcon trennen.

Der Schritt wäre konsequent, immerhin schwächelt die Sparte – und das ist bei den Schweizern nicht gern gesehen.

Zuletzt trug das Geschäft mit Kontaktlinsen und Augen-Chirurgie rund 12% zum Gesamt-Umsatz des Konzerns bei, fuhr aber operativ rote Zahlen ein.

Novartis-Aktie: Vielfältige Baustellen

Mit Mike Ball steht seit Januar ein neuer Mann an der Spitze von Alcon.

Gelingt es ihm, das Ruder herumzureißen und die Sparte wieder profitabel zu machen, könnte das einen höheren Erlös beim Verkauf begünstigen.

Insofern scheint es gut möglich, dass Novartis sich mit einer Trennung von der Augen-Sparte noch ein wenig Zeit lässt.

Doch nicht nur Alcon, sondern auch Novartis insgesamt kämpft mit Problemen:

Mehrere Patente starker Medikamente laufen in Kürze aus, neue Blockbuster, die die Einnahme-Ausfälle kompensieren könnten, sind aktuell noch nicht in Sicht.

Auch das Geschäft mit dem Herz-Medikament Entresto läuft weniger rund als erhofft.

Kehrtwende erwartet

Zusätzliche Marketing-Investitionen sollen den Absatz ankurbeln, fressen zugleich aber auch einen guten Teil der angestrebten Gewinnmarge auf.

Mit Blick auf die Börse wird es nicht besser: Die Novartis-Aktie hat auf Jahressicht rund 20% an Wert verloren.

Doch im Gegensatz zu vielen Anlegern glauben zumindest einige Analysten an eine Kehrtwende: Gleich mehrere Studien seit Mitte Oktober haben Kaufempfehlungen für das Papier ausgesprochen.

Die Kurs-Ziel-Spanne bewegt sich dabei zwischen 80 Schweizer Franken (Berenberg Bank) und 97 Schweizer Franken (Jefferies & Company). Zuletzt kostete die Novartis Aktie rund 70 Franken.

2016-11-27-novartis

7. Dezember 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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