Novartis nach Quartalszahlen: Was ist denn da plötzlich los?

Der in der Schweiz ansässige Pharmakonzern Novartis hat seine Zahlen für das 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2015 veröffentlicht. Die Zahlen fielen zwar im Rahmen der Erwartungen aus, doch im Vergleich zum Vorjahr sanken sowohl der Umsatz als auch der Gewinn.

Vor allem der starke US-Dollar belastete den Pharmariesen Novartis im zurückliegenden Quartal. Als Belastungsfaktor erwiesen sich aber auch hohe Abschreibungen, auf die ich gleich noch im Detail eingehen werde.

Die Umsatzentwicklung im Überblick

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen sowohl der Umsatz als auch der Gewinn zurück. Allerdings wäre die wichtige Pharmasparte des Konzerns ohne die negativen Währungseinflüsse weiter gewachsen.

Bei der auf Augenheilkunde spezialisierten Novartis-Tochter Alcon stagnierte der Umsatz währungsbedingt und blieb damit unter den Erwartungen der Konzernspitze. Dafür stimmen zuletzt gute Geschäfte mit sogenannten Generika (Nachahmermedikamenten) den Novartis-Vorstand optimistischer im Hinblick auf die zukünftige Geschäftsentwicklung der Generika-Tochter Sandoz.

Die Generika-Tochter Sandoz verzeichnete vor allem in den USA hohe Wachstumsraten, hieß es in der Mitteilung des Konzerns. Einer der wesentlichen Wachstumstreiber sei dabei das Multiple-Sklerose-Mittel Glatopa gewesen, welches erst Mitte Juni in den USA eingeführt wurde.

Für diese Sparte erhöht Novartis nach dem starken 2. Quartal jetzt sogar die Prognose für das laufende Jahr. Statt eines währungsbereinigten Umsatzwachstums im mittleren einstelligen Prozentbereich wird für die Generika-Tochter Sandoz jetzt mit einem Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich gerechnet.

Bei der auf Augenheilkunde spezialisierten Tochter Alcon litt der Umsatz vor allem unter schwächeren Verkaufszahlen im Bereich von Ausrüstung für Augenoperationen. Zudem litt die Umsatzentwicklung unter der zunehmenden Konkurrenz bei künstlichen Linsen.

Augrund dieser Entwicklungen rechnet Novartis bei Alcon jetzt nur noch mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich statt zuvor mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Dieser Effekt gleicht die positive Entwicklung bei der Generika-Tochter weitgehend aus. Daher bestätigte Novartis die Umsatzprognose des Gesamtkonzerns für das laufende Jahr.

Unterm Strich schrumpfte der Umsatz von Novartis im zurückliegenden Quartal um 5% auf 12,7 Mrd. US-Dollar und lag damit – wie eingangs schon erwähnt – im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Rechnet man die negativen Währungseffekte heraus, hätte beim Umsatz ein Plus von 6% gestanden.

Ergebniskennzahlen von hohen Abschreibungen belastet

Bei den sogenannten Kernkennzahlen – also beim bereinigten Gewinn – hinterlässt der starke US-Dollar ähnliche Spuren wie beim Umsatz. Das operative Kernergebnis schrumpfte um 7%, wäre jedoch bei konstanten Wechselkursen um 6% gestiegen.

Der Kerngewinn sank um 8% und wäre ohne den starken US-Dollar um 5% gestiegen. Bei den Kernkennzahlen rechnet Novartis unter anderem Wertminderungen in der Bilanz (also Abschreibungen) und Kosten für die Integration zugekaufter Unternehmen heraus.

Der nicht-bereinigte Gewinn des Novartis-Konzerns brach durch hohe Abschreibungen um fast ein Drittel ein. Die hohen Abschreibungen sind vor allem im Bereich der vom Konkurrenten GlaxoSmithKline zugekauften Krebsmedikamente angefallen. Das zurückliegende Quartal war der erste 3-Monats-Zeitraum, in den die Mittel komplett eingeflossen sind.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei Novartis nach wie vor um ein grundsolides Unternehmen handelt, welches die weltweite Nummer 1 in der Pharma-Branche ist. Allerdings sollten die hohen Abschreibungen ein erstes Warnsignal im Hinblick auf drohende Gefahren im Zusammenhang mit der über die Pharma-Branche derzeit hinwegrollenden Übernahmewelle sein.

Denn: Ich habe den Eindruck, dass derzeit (zumindest vereinzelt) Mondpreise bei Übernahmen in der Pharma-Branche gezahlt werden. Und diese hohen Kostenbelastungen werden sich dann früher oder später bei den Unternehmen bemerkbar machen, die zuvor die Mondpreise gezahlt haben.

21. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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