Novartis: Pharma-Riese forciert Konzern-Umbau mit Zukäufen

Seit geraumer Zeit herrscht im Pharma-Sektor ein außergewöhnliches Übernahme-Fieber.

Sinkende Produktpreise und der steigende Kostendruck durch den Sparzwang im Gesundheitswesen haben die Übernahme-Aktivität kräftig angefacht.

Gleichzeitig machen den Konzernen die stagnierende Nachfrage in angestammten Märkten und die zunehmende Konkurrenz durch billige Nachahmer-Produkte zu schaffen.

Da Wachstum aus eigener Kraft für die großen Pharma-Riesen immer schwieriger wird, setzen immer mehr Firmen auf Wachstum durch Übernahmen.

So tut es auch der Pharma-Gigant Novartis, der in den vergangenen beiden Wochen gleich 2 Deals unter Dach und Fach gebracht hat.

Obwohl die Nachrichten der Aktie zu einer kräftigen Erholung verhalfen, liegen die Papiere auf Jahressicht immer noch knapp 12% im Minus.

Zukauf stärkt Augenheil-Sparte

Lange ist es nicht her, dass der Verwaltungsrats-Präsident Jörg Reinhardt sich über die schwache Entwicklung im Augenheil-Bereich in der Öffentlichkeit ausließ.

Kein Wunder also, dass immer wieder Gerüchte über einen Verkauf der Sparte die Runde machten.

Jetzt aber hat sich der Pharma-Konzern offenbar doch dagegen entschieden und versucht mit Hilfe eines Zukaufs die Sparte wieder auf den Wachstumspfad zurückzubringen.

Das Objekt der Begierde, Encore Vision, befindet sich in Privatbesitz. Durch die Transaktion schafft Novartis den Markteintritt auf dem Gebiet der Altersweitsichtigkeit.

Das Gebiet gilt als besonders aussichtsreich. Denn über 80% der über 45-jährigen leiden an dieser Form der Weitsichtigkeit.

Die derzeitigen Behandlungs-Methoden fokussierten sich ausschließlich auf eine optische Korrektur, ohne den Grund dieses Sehverlustes zu adressieren.

Encor Vision geht das Problem von einer anderen Seite an: Das Unternehmen verfügt über einen Produkt-Kandidaten EV06, der eine topische Behandlung von Alterssichtigkeit ermöglichen könnte.

Die ersten Studiendaten zur Tropfen-Therapie haben sehr aussichtsreiche Ergebnisse geliefert.

Ziarco-Deal erweitert Dermatologie-Portfolio

Aber Encore Vision war nicht die einzige Transaktion. Denn auch das Dermatologie-Segment wird durch einen Zukauf gestärkt; Novartis schluckt die Ziarco Group.

Mit dem Zukauf nimmt der Baseler Pharma-Konzern den Histamin-H4-Rezeptor-Antagonisten ZPL389 der Ziarco Gruppe in ein Pipeline-Portfolio auf.

Dieser wird vor allem zur Behandlung von Haut-Ekzemen wie Neurodermitis eingesetzt.

Das Präparat im Entwicklungs-Stadium, das oral verabreicht wird, hatte ebenfalls zuletzt starke Studiendaten vorweisen können und zu einer deutlichen Verbesserung der Erkrankungen geführt.

Rückläufige Umsätze sorgen für Skepsis bei den Anlegern

Die Geschäfts-Entwicklung der vergangenen Jahre fiel hingegen schwach aus. Seit 2011 schmolzen die Erlöse von 59,37 auf 50,38 Mrd. Dollar zusammen.

Im Gegenzug sank auch die Gewinnspanne des Konzerns auf 14,2% (7,02 Mrd. Dollar Gewinn) im letzten Geschäftsjahr – ein deutlicher Rückgang.

Sie müssen wissen: Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Profit von 10,21 Mrd. Dollar und damit eine Marge von 19,04% erwirtschaftet.

Jetzt zeichnet sich bei Novartis einschneidender Konzern-Umbau ab, dessen Folgen noch niemand wirklich abschätzen kann.

Analysten erwarten moderate Kursgewinne

Während der Aktienkurs die Skepsis der Anleger wiederspiegelt, sehen die Analysten die Lage etwas positiver.

Während bei etablierten Produkten durch Patentabläufe Umsatz-Einbußen zu erwarten sind, dürfte der stärkere Fokus auf dem renditeträchtigen Pharma-Geschäft auf lange Sicht zu einer Stabilisierung führen.

Von den 33 Analysten sieht die Mehrheit (18 Experten) in der Aktie eine Halteposition, während 14 Analysten zum Kauf des Papiers raten.

Lediglich von einem Broker wird Novartis als Verkauf eingestuft. Nach einem nochmaligen Gewinnrückgang in diesem Jahr erwarten die Experten für die kommenden Jahre wieder anziehende Profite.

Bis 2019 steigen die Gewinn-Erwartungen von 4,72 (2016) auf 6,31 Dollar je Aktie an. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 82,86 Schweizer Franken knapp 13% über dem aktuellen Kursniveau.

22. Dezember 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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