Novartis will Tierarznei-Sparte verkaufen: Nächste Übernahme von Bayer?

Der Schweizer Arzneimittelhersteller Novartis setzt seine Umstrukturierungspläne fort und will sich von seiner Tierarznei-Sparte trennen.

Interessenten gibt es mehr als genug. Insider berichten, dass sowohl der Leverkusener Chemie- und Pharma-Konzern Bayer als auch die Pharma-Konzerne Boehringer Ingelheim, Eli Lilly und Merck interessiert sind.

Der Wert des Novartis-Geschäfts mit Tiermedikamenten wird auf 3 Mrd. € geschätzt. Goldman Sachs wird die Schweizer bei möglichen Übernahme-Verhandlungen beraten.

Als heißester Kandidat gilt der deutsche Pharma-Riese Bayer. Insidern zufolge soll Bayer schon einen Blick in die Bücher von Novartis Animal Health geworfen haben, um sich ein genaueres Bild von der ganzen Sache zu machen.

Umbau beim Schweizer Pharma-Konzern

Novartis befindet sich momentan im Umstrukturierungs-Prozess. Novartis-Chef Joseph Jimenez hat angekündigt, dass kleinere und ertragsschwache Sparten verkauft werden sollen, um die Effizienz zu steigern.

Unter anderem trennte sich Novartis im Vormonat von seiner Blutdiagnostik-Sparte und verkaufte diese an das spanische Unternehmen Grifolis.

Die Schweizer wollen sich stärker auf die Kern-Sparten im Konzern konzentrieren. Das sind unter anderem die Bereiche Pharma, Augenheilkunde und Generika, die jährlich weltweit über 10 Mrd. US-$ Umsatz erzielen.

Bayer AG will in die Top 4 der Tiermedikamente-Hersteller

Novartis Animal Health hat im vergangenen Jahr rund 811 Mio. € Umsatz erwirtschaftet. 70% davon stammen außerhalb von Europa. Mit einer Übernahme würde die Bayer AG zum weltweit viertgrößten Hersteller von Tiermedikamenten aufsteigen.

An der Spitze steht unangefochten Zoetis (3,2 Mrd. € Umsatz), Merck & Co (2,6 Mrd. € Umsatz) und Sanofi (2,4 Mrd. € Umsatz).

Bayer selbst erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 1,3 Mrd. € mit Tierarzneimittel, 10% mehr als im Vorjahr. Kombiniert mit Novartis würde der deutsche Pharma-Riese rund 2,1 Mrd. € Umsatz in dem Bereich erwirtschaften.

Im Oktober sagte Bayer-Chef Marijn Dekkers bei einer Konferenz in London, dass sich der Konzern im Bereich Tiermedizin vergrößern will. Da es auch erklärtes Unternehmens-Ziel ist, stärker auf weniger konjunktur-sensible Bereiche zu setzen, wäre ein Deal wenig überraschend.

Durch die Übernahme würde Bayer von Synergien in Forschung und Entwicklung in der Human- und Tiermedizin profitieren. Bereits im Januar 2013 meldete die Bayer AG die Übernahme der Tierarzneimittel-Sparte des US-Unternehmens Teva für 145 Mio. US-$.

Geschäft mit Tierarzneimittel mit guter Wachstumsperspektive

Weltweit werden mehr als 15 Mrd. € Umsatz mit Tiermedikamenten gemacht und die Prognose für die Zukunft sieht auch gut aus. Analysten rechnen mit einem Umsatz-Wachstum von 6% pro Jahr.

Besonders gut laufen die Geschäfte in den Industriestaaten, wo viel Geld für die geliebten Haustiere ausgegeben wird. Wachstumstreiber ist jedoch auch der wachsende Fleischkonsum in den Schwellenländern, der zu mehr Nutztierhaltung führt.

Am Ende entscheidet der Preis

Bayer ist nicht der einzige Interessent an Novartis Animal Health und von den Vorteilen einer Übernahme würden auch die Konkurrenten profitieren.

Die beiden Unternehmen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim könnten wie auch Bayer nach einer Überbernahme näher an die Top 3 rücken. Der Pharma-Riese Merck & Co hingegen würde den Abstand zu Branchenprimus Zoetis verkürzen.

Analysten sehen Bayer jedoch als heißesten Anwärter auf Novartis Animal Health. Angesichts des eingeschlagenen Unternehmenskurses und jüngsten Zukauf-Ankündigungen durch die Konzern-Spitze ein logisches Fazit. Dennoch: Auch hier gilt, dass da höchste Gebot gewinnt.

Wenn sich die Konkurrenten einen teuren Bieterwettkampf leisten, wäre Novartis der große Gewinner: Ertragsschwachen Bereich planmäßig veräußert und einen satten Buchgewinn eingefahren.

4. Dezember 2013

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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