Novo Nordisk unter Druck: Was läuft schief?

Der dänische Pharma-Konzern Novo Nordisk hat seine Fans kürzlich auf ganzer Linie enttäuschen müssen:

1.000 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, Umsatz und Gewinn werden künftig nicht mehr so stark ansteigen wie in den vergangenen Jahren.

Auch die eigenen Prognosen wurden eingedampft. In Zahlen bedeutet das: Anstelle eines bislang angepeilten Umsatz-Wachstums von 13% im Jahr werden künftig nur noch 5 – 7% Plus erwartet.

Ähnlich sieht es beim Gewinn aus: 15% Wachstum erscheinen nicht mehr realistisch, die Zielmarke liegt stattdessen bei „nur“ noch 10%.

Das sind Dimensionen, mit denen manch ein Konzern mehr als zufrieden wäre – aber eben nicht Novo Nordisk.

Das Unternehmen und auch seine Anleger sind erfolgsverwöhnt, nachdem die Wachstumsraten in den vergangenen Jahren oftmals exorbitant hoch lagen.

Diabetes – ein Wachstumsmarkt

Der bisherige Erfolg fußt auf dem Geschäfts-Konzept: Novo Nordisk ist der weltweit führende Hersteller von Human-Insulin und spezialisiert auf die Behandlung von Diabetes und Adipositas.

Beide Phänomene, Übergewicht und Zuckerkrankheit, gehen oft miteinander einher und sind zudem weltweit auf dem Vormarsch.

Die ungesunde westliche Lebensweise – zucker- und fetthaltige Ernährung einerseits, wenig Bewegung andererseits – begünstigt die Entstehung dieser Volkskrankheiten.

Und sie ist längst nicht mehr nur in den USA und weiten Teilen Europas verbreitet; auch in Asien wird beides zunehmend zum Problem.

Das hat unterdessen auch die Konkurrenz der Dänen erkannt und ihrerseits günstigere Nachahmer-Produkte entwickelt.

Zwar teilen sich die drei Pharma-Riesen Novo Nordisk, Sanofi und Eli Lilly weiterhin den größten Marktanteil, doch zahlreiche kleinere Unternehmen strömen ebenfalls in diesen Bereich.

Gerade in China und Indien vermarkten sie ihre Insulin-Produkte günstiger als die Marktführer und können dadurch große Anteile in den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde für sich gewinnen.

Zu starke Konzentration

Novo Nordisk hat sich unterdessen auf den europäischen und nordamerikanischen Markt fokussiert, weil hier höhere Margen zu realisieren sind.

Doch auch in den USA kommen zunehmend günstigere Alternativen auf, der Preisdruck steigt, der Gewinn für die Dänen sinkt.

Nun rächt sich, dass man sich bei Novo Nordisk zu lange und zu stark auf diese eine Nische beschränkt hat: Rund 80% des Konzern-Umsatzes fußen allein auf dem Bereich Diabetes und Adipositas

Den Löwenanteil seiner Gewinne erzielt das Unternehmen in wenigen Regionen. Umso stärker schlägt es sich nun in den Bilanzen nieder, wenn es dort nicht mehr so gut läuft.

Für den Konzern lautet die Lösung: Diversifizierung. Er braucht mehr Produkte auch in anderen Bereichen und eine stärkere regionale Streuung, um mittelfristig wieder in die Spur zu kommen.

Aus Anlegersicht bleibt als Trost, dass auch die nun angestrebten Wachstums-Potenziale noch vergleichsweise hoch sind und Diabetes weiterhin als stark wachsender Markt gilt.

Charttechnisch dürfte außerdem allmählich die Talsohle erreicht sein, nachdem das Papier nun innerhalb eines Jahres rund 1/3 an Wert eingebüßt hat.

Zahlreiche Beobachter rechnen mit einem Kursaufschwung und raten langfristig orientierten Anlegern daher eher dazu, die Aktie zu halten.

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21. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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