Nullzinspolitik – Weniger Baugenehmigungen von Wohnungen im Jahr 2017

Das deutsche Wirtschaftswunder 2.0 ist immer noch in aller Munde. Es gibt aber einige Fakten, die nachdenklich stimmen sollten. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Liebe Leser,

die ach so gute konjunkturelle Lage in Deutschland ist nach wie vor Top-Thema in den Massenmedien. Und in dem Kontext wird dann auch noch sehr gern auf den seit Jahren anhaltenden Immobilien-Boom verwiesen.

Eigentlich, ja eigentlich müsste angesichts der Wohnungsnot in den Boom-Regionen des Landes ja regelrecht „Goldgräberstimmung“ vorherrschen; nicht zuletzt auch noch zusätzlich befeuert durch die seit Jahren anhaltende Nullzinspolitik der Euro-Notenbank EZB.

Zahl der genehmigten Wohnungen fällt

Naja, mit Blick auf die Zahl der genehmigten Wohnungen in Deutschland im Jahr 2017 kann keinesfalls mehr von Boom oder Wirtschaftswunder gesprochen werden. Ganz im Gegenteil. Das Statistische Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden teilte jüngst mit, dass völlig überraschend im vergangenen Jahr 7,3 Prozent weniger Baugenehmigungen von Wohnungen im Vergleich zum Vorjahr 2016 erteilt worden seien.

Unter dem Strich fiel die Zahl der Genehmigungen um 27.300. Das ist schon ein Wort. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte, war damit die Zahl der genehmigten Wohnungen erstmals seit 2008 niedriger als im jeweiligen Vorjahr. Von 2008 bis 2016 waren die Zahlen kontinuierlich gestiegen.

Blick auf die Details

Nicht uninteressant ist dabei der Blick auf die Details. Die Zahl der Baugenehmigungen von Neubauwohnungen in Wohngebäuden ging im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um exakt fünf Prozent beziehungsweise knapp 16.000 zurück. In dem Kontext nahm die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Einfamilienhäusern um 4.700 Wohnungen und in Zweifamilienhäusern um 600 Wohnungen ab. Die Zahl der Genehmigungen für Mehrfamilienhäuser blieb dagegen nahezu unverändert.

Besonders stark rückläufig war die Zahl der Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen. Hier betrug das Minus satte 41 Prozent bzw. 10.500 Wohnungen. Zu dieser Kategorie zählen dem Statistischen Bundesamt zufolge unter anderem Flüchtlingsunterkünfte. Und last but not least ist erwähnenswert, dass die Zahl der Wohnungen, die durch genehmigte Um- und Ausbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden entstehen sollen, im Jahr 2017 ebenfalls stark fiel. Hier betrug das Minus fast 20 Prozent bzw. 10.200 Wohnungen.

Ja, liebe Leser, höchst interessant waren auch die Reaktionen auf diese schlechten Nachrichten vom Statistikamt. Der Rückgang der Genehmigungen lasse befürchten, dass „Wohnungen künftig noch knapper und die Schlangen bei den Wohnungsbesichtigungen noch länger werden“, erklärte der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

Es mangele an Grundstücken, Planungs- und Genehmigungskapazitäten in Ämtern und an schnellen, standardisierten Bauweisen, monierte der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Ob die neue Bundesregierung dieses Herkules-Problem in den Griff bekommt, ist überdies mehr als nur fraglich.

Herzlichst Ihr

Günter Hannich

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.