Nur ein Ammenmärchen: US-Renditen bilden keine Ge-fahr für Aktien!

Ja, die US-Renditen sind zuletzt zünftig gestiegen. Doch das ist nicht der Grund für den Rücksetzer am Aktienmarkt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Von den Höchstständen, die Ende Januar erreicht wurden, hatten DAX und Dow Jones bis vergangenen Freitag in der Spitze knapp -12% bzw. -13% verloren.

In zahllosen Marktkommentaren konnten Sie als einen Grund für den scharfen Kursrückgang die auf ein Mehrjahreshoch gekletterten Renditen am amerikanischen Anleihemarkt erfahren. (Zahllos übrigens deshalb, weil viele Marktkommentatoren häufig kritiklos Texte anderer Kollegen „übernehmen“.)

Ich werde Ihnen heute zeigen, dass die damit verbundenen Ängste der Marktteilnehmer unbegründet sind.

Es war KEIN Crash, sondern nur eine Korrektur!

Erlauben Sie mir vorab noch ein paar ergänzende Sätze zum jüngsten Gebaren der Medien:

Immer wieder konnten Sie in der letzten Woche im Zusammenhang mit dem Thema Kursrückgänge das Wort „Crash“ hören und lesen. Das ist nur zu verständlich, weil die Medien jede (noch so abstruse) Möglichkeit nutzen, um sich Gehör zu verschaffen. Nun:

Ein Plädoyer für mehr Sachlichkeit

Ich verwende diesen Begriff in meiner täglichen Arbeit äußerst sparsam. Aber ich muss hier in Chartanalyse-Trends auch nicht auf Effekthascherei aus sein.

Zudem existiert in der Börsenwelt keine exakte „Definition“ für einen „Crash“. Das letzte Mal, als ich den Begriff auf eine entsprechende Marktphase angewendet habe, war im Herbst des Jahrs 2011:

Damals verlor der DAX innerhalb von 9 Handelstagen mehr als -15%. Nach anderthalb Monaten war daraus ein Kurseinbruch um -32% erwachsen.

Und damit haben Sie auch gleich meine persönliche Definition für den Begriff „Crash“: Ein Minus von mindestens -15% innerhalb einer kurzen Zeitspanne!

Somit fällt die Abwärtsbewegung der vergangenen gut 14 Tage – meiner sachlichen Ansicht nach – in die Kategorie „Marktkorrektur“! Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

In meinem morgigen Beitrag werde ich Ihnen übrigens „beweisen“, dass es sich bei den eingangs genannten Index-Einbußen tatsächlich lediglich um eine Korrektur gehandelt hat.

US-Renditen: Anstieg ja, Gefahr nein!

Doch zurück zum eigentlichen Thema, den US-Anleiherenditen. Die sind in der Tat in den zurückliegenden Wochen kräftig gestiegen – eine wirkliche Gefahr für den Aktienmarkt bilden sie damit aber noch lange nicht!

In der folgenden Grafik sehen Sie die erste Begründung für diese Einschätzung.

Rendite 10-jährige US-Staatsanleihen: Lediglich am langfristigen Abwärtstrend

Klar: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen ist seit Jahresbeginn 2018 von +2,47% auf +2,84% geklettert (gelber Kreis). Tatsächlich startete die mittelfristige Aufwärtsbewegung indes schon Mitte September 2017 bei +2,07% (blauer Kreis).

Aber aktuell ist sie exakt bis an den langfristigen Abwärtstrend (rote Linie) angestiegen. Die Wahrscheinlichkeit ist daher hoch, dass die Aufwärtsbewegung der Rendite auch genau hier endet.

Und noch etwas können Sie dem obigen Chart entnehmen: Die Rendite steigt bereits seit Juli 2016, vom Allzeittief bei 1,36% aus. Und damit haben Sie eine weitere Begründung, warum der Renditeanstieg kein Anlass zur Sorge ist:

Der S&P 500 ist im selben Zeitraum, TROTZDEM sich die Rendite mehr als verdoppelt hat, um +28,6% geklettert. In der Spitze waren es sogar +39,4%!

Fazit

Es stimmt natürlich, dass die US-Renditen seit Jahresanfang recht zünftig gestiegen sind. Aber:

Zum einen brauchen die meisten Marktteilnehmer immer eine Begründung dafür, warum sich der Aktienmarkt gestern so und heute so bewegt hat. Dabei ist das völlig nutzlos:

Diese Information wäre nur dann wirklich sinnvoll, wenn Sie sie VOR einer signifikanten Bewegung am Aktienmarkt erfahren hätten. Aber das wird nie passieren!

Daher lautet meine Dauerbrenner-Empfehlung: „Ignorieren Sie Marktkommentare und investieren Sie diese Zeit besser in die Marktanalyse!“

Zum anderen ist der seit dem Jahr 1994 (!) bestehende langfristige Abwärtstrend der Rendite trotz des Aufschwungs noch immer intakt. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass diese Aufwärtsbewegung an der Abwärtstrend-Linie erst einmal endet.

Ich bin im Börsengeschäft mit der Maxime groß geworden, dass Anleihen erst dann eine wirkliche Konkurrenz für Aktien werden, wenn die Rendite die Schwelle von +6% übersteigt. Davon sind wir nun wirklich noch weit entfernt (und werden dahin wegen der gigantischen Verschuldung der USA auch so schnell nicht wieder zurückkehren).

Auf dem aktuellen Niveau wären Anleihen nur dann ein echter Wettbewerber für Aktien, wenn die Großinvestoren von einem dauerhaften Abschwung der Aktienmärkte überzeugt wären.

Und genau das sehe ich auch nicht! Vielmehr haben die Indizes endlich (weil längst überfällig) mal „heiße Luft“ abgelassen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt