Nutreco-Aktie gewinnt 40 Prozent: Übernahme-Angebot ist dennoch nur moderat

Auch diese Handelswoche beginnt für die deutschen Privatanleger mit einem Rücksetzer. Rote Vorzeichen dominierten zu Wochenbeginn einmal mehr die Aktienkurse.

Nachdem die Indizes am Freitag noch einheitlich in grün die starken Verluste der Vortage eindämmen konnten, war die Chance auf weiter steigende Kurse gegeben.

Doch die Angst vor einer schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa setzte sich durch und schickte die Aktien einmal mehr in die Verlustzone. In solchen Phasen fallen die Übernahme-Prämien häufig sehr hoch aus.

So auch bei dem niederländischen Futtermittel-Hersteller Nutreco: Finanzinvestor SHV hat ein Auge auf das Unternehmen geworfen und bietet einen satten Aufschlag von 40% auf den Börsenkurs.

Nutreco-Aktionäre wandeln Verlust über das Wochenende in einen Gewinn

Nutreco-Investoren hatten bisher ein schwaches Börsenjahr hinter sich. Die Aktie des Futtermittel-Herstellers verlor von Jahresbeginn bis vergangenen Freitag 22,3%. Dabei waren die Ergebnisse des Unternehmens nicht schlecht. Nach 6 Monaten hatte Nutreco mehr umgesetzt als im Vorjahr und operativ mehr verdient.

Auch ein angekündigtes Aktienrückkauf-Programm lockte keine Investoren an. Börsenwert und Unternehmenswert fielen auch weiter auseinander, weil es operativ trotz der soliden Ergebnisse auch kleinere Probleme gab.

Finanzinvestor SHV spielte die schwache Kursentwicklung in die Karten. Der Finanzinvestor bietet 40 Euro je Aktie und hat gute Chancen mit dem Angebot erfolgreich zu sein.

Am Freitag ging die Aktie zu 28,21 Euro aus dem Handel. Wenn Sie die Aktie besitzen und annehmen, haben sich ihren Verlust an einem Wochenende dank der Übernahme in einen Gewinn verwandelt. Ein nicht ungewöhnliches Ereignis, wenn es zu einem Deal kommt.

Sind 40 Euro heute mehr viel mehr wert als zu Jahresbeginn?

Wenn Sie den Übernahme-Sensor häufiger lesen, dann wissen Sie, dass es bei Übernahmen nicht auf die Übernahme-Prämie ankommt. 40% auf den Schlusskurs von Freitag hört sich viel an.

Vor einem halben Jahr wäre eine Übernahme zu dem Preis jedoch fragwürdig gewesen. Denn dann wäre der Aufschlag mit rund 10% nicht sehr verlockend gewesen. Seitdem sind die Bewertungen an der Börse und auch viele Übernahme-Multiplikatoren jedoch zurückgekommen.

Nutreco schaffte zwar ein Umsatz- und Gewinnplus, doch die Börse honorierte den Geschäftsfortschritt nicht. Daher sieht es jetzt nach einem sehr großzügigen Deal aus – der es aber streng genommen nicht ist.

Die zugrunde gelegten Übernahme-Multiplikatoren bewegen sich auf dem Niveau vergleichbarer Deals, wenn ein längerer Zeitraum betrachtet wird. Das Angebot ist also trotz des hohen Aufschlags nur fair und nicht außergewöhnlich gut.

Deal ist noch nicht durch: Chance auf Gegenangebot durch Konkurrenz-Bieter

Das Nutreco-Management unterstützt den Deal und empfiehlt den Aktionären die Angebotsannahme. Sollte SHV 95% der Aktien erhalten, will der Bieter das Unternehmen von der Börse nehmen.

Doch das ist Zukunftsmusik. Sollte ein anderer Bieter auf die Bühne kommen und mindestens 8% mehr bieten, dann kann Nutreco umschwenken. Das Management sieht zwar keinen weiteren Bieter, doch der Übernahme-Sensor wäre nicht überrascht, wenn angesichts des moderaten Preises doch noch jemand bereit ist, mehr zu bieten.

20. Oktober 2014

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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