Nvidia will mit ARM-Deal zur Supermacht aufsteigen

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Nvidia mit Paukenschlag: Größte Übernahme der Chipbranche wirbelt kompletten Sektor durcheinander. Zielobjekt ARM und Nvidia das neue Powerhouse der Halbleiterbranche (Foto: nVidia / Shutterstock.com)

Schon seit einigen Wochen machten Gerüchte über eine mögliche Offerte die Runde, jetzt aber ist es amtlich: Der US-Technologiekonzern Nvidia will den britischen Chipdesigner ARM für 40 Milliarden Dollar schlucken. Die Nachricht ist ein absoluter Paukenschlag. Mit dem Megadeal nimmt die Konsolidierung im Halbleitersektor wieder Fahrt auf und die Karten werden neue gemischt. Den Anlegern gefällt der bisher größte Deal der Chipgeschichte. Die Aktie von Nvidia zog direkt nach der Meldung deutlich an und ging mit einem Tagesplus von 5% aus dem Rennen.

Kaufpreis aus Aktien und Baranteil

Im Rahmen der Übernahme des global führenden Chipdesigners ARM bietet Nvidia bis zu 40 Milliarden Dollar. An den Hauptaktionär, die japanische Softbank, sollen 12 Milliarden Dollar in bar fließen. Zusätzlich soll der Technologieinvestor 21,5 Milliarden Dollar in Nvidia-Aktien erhalten. Zudem könnten in Zukunft nochmals 5 Milliarden Dollar fällig werden, wenn vorab definierte Unternehmensziele erreicht werden. Außerdem gibt Nvidia noch Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Dollar an die Arm-Belegschaft aus.

Softbank wird bedeutender Nvidia-Aktionär

Mit dem Verkauf steigt Softbank mit einem Aktienanteil von knapp unter 10% zu den größten Einzelaktionären Nvidias auf. Softbank hatte ARM vor vier Jahren übernommen. Die Japaner zahlten damals 32 Milliarden Dollar. Da 5 Milliarden Dollar beim jetzigen Deal an Meilensteine gekoppelt sind, erhalten die Japaner kaum mehr als beim Einstieg im Jahr 2016.

ARM von zentraler Bedeutung in der Chipbranche

ARM spielt in der Halbleiterindustrie eine zentrale Rolle. Das Unternehmen stellt selbst keine Chips her, sondern lebt von Lizenzeinnahmen für seine Chipdesigns. Da die Chips von ARM in fast allen Smartphones stecken (auch in den iPhones von Apple), verdient der Konzern bei jedem verkauften Smartphone mit. Ursprünglich mit stromsparenden Chips groß geworden, dringt der Konzern in immer mehr Bereiche vor. Erst kürzlich konnte ARM den jahrelangen Apple-Zulieferer Intel bei Mikroprozessoren für die Macintosh-Computer den Rang ablaufen.

Zusammenschluss bedient zahlreiche Wachstumsmärkte

Nvidia-Firmenchef und -Gründer Jensen Huang stellt große Erwartungen an die Übernahme: Durch die Kombination der mit künstlicher Intelligenz gerüsteten Chiptechnologie von Nvidia mit Kompetenz von ARM bei einem breiten Spektrum von Prozessoren soll ein globales Powerhouse in den Bereichen 5G-Smartphones, Cloud Computing, Robotik, autonomes Fahren, Internet der Dinge und Medizintechnik entstehen.

Nvidia ein Krisenprofiteur

Auch ohne die Übernahme lief es zuletzt für Nvidia ausgesprochen rund. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern ein Umsatzwachstum von beachtlichen 50% gegenüber dem Vorjahresquartal auf 3,87 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie legte auf 2,18 Dollar je Aktie zu. Damit wurden die Analystenschätzungen sowohl beim Umsatz (3,66 Mrd. Dollar) als auch beim Gewinn je Aktie (1,95 Dollar) deutlich übertroffen.

Ein genauerer Blick in die Zahlen verrät: Das Geschäft mit Chips für Rechenzentren wird immer wichtiger. Insbesondere die Grafikprozessoren für KI-Anwendungen und Deep Learning finden bei Kunden wie Amazon oder Google reißenden Absatz. Im zweiten Quartal schossen die Umsätze in der Sparte um 167% auf 1,75 Milliarden Dollar nach oben. In den Zahlen sind auch die Auswirkungen der milliardenschweren Mellanox-Übernahme enthalten, die auf Grund der positiven Entwicklung bereits rund 30% zu den Gesamtumsätzen der Sparte beigetragen hat.

Übernahme kein Selbstläufer

Auch wenn die Anleger den Deal bereits feiern, durch ist die Transaktion noch lange nicht. Die Übernahme muss noch zahlreiche behördliche Genehmigungen erhalten. Kein Wunder also, dass beide Unternehmen mit 18 Monaten rechnen, bis der Deal wirklich finalisiert ist. Zustimmen müssen neben den USA auch Großbritannien, die EU und vor allem China.

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Briten wollen ARM-Übernahme durch Nvidia prüfenDie mit 40 Mrd. US-Dollar bewertete Übernahme von ARM durch Nvidia wird von der britischen Regierung genauestens unter die Lupe genommen. Den Briten geht es dabei sowohl um den Erhalt von Arbeitsplätzen als auch der Sicherung des Firmenstandortes in Cambridge. › mehr lesen


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.