Nvidia: Zahlen des Chipspezialisten mit Licht und Schatten

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Chipspezialist sendet gemischte Signale. Das Ende des Kryptobooms hinterlässt deutliche Spuren. Dennoch könnte es in Zukunft wieder aufwärts gehen. (Foto: nVidia / Shutterstock.com)

Die Spannung vor den Ergebnissen des Chip-Giganten Nvidia war ausgesprochen groß. Immerhin zählte die Aktie des US-Konzerns über Jahre zu den Lieblingen an der Wallstreet, hatte zuletzt aber eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich. Von 2014 bis in den Herbst letzten Jahres schoss die Aktie von unter 17 bis auf knapp 290 Dollar in die Höhe. Begleitet von massiven Wachstumsraten strömten die Anleger in die Aktie und trieben den Kurs in schwindelerregende Höhen. Doch dann brachte das Platzen der Kryptoblase (Anm: Nvidia profitierte als Chip-Lieferant stark von der Nachfrage nach Rechenleistung) auch den Aktienkurs ins Taumeln. In der Dezemberkorrektur rauschten die Anteilsscheine bis auf 127 Dollar in die Tiefe.

Auch wenn sich die Aktie im Vorfeld der Zahlen wieder bis auf über 160 Dollar erholten, die ehemaligen Höchstkurse sind noch meilenweit entfernt. Daher waren die präsentierten Zahlen und vor allem der Ausblick für die Anleger von immenser Bedeutung.

Nvidia – einer der bedeutendsten Chipspezialisten weltweit

Die Nvidia Corporation ist einer der größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen für PC und Spielekonsolen. Zudem kommen die Hochleistungsprozessoren im Bereich (teil-)autonomes Fahren und Bitcoin-Mining zum Einsatz. Zwei Bereiche, von deren Wachstum der Konzern in den vergangenen Jahren erheblich profitieren konnte.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre ist absolut bemerkenswert. Von 2005 bis 2018 kletterten die Umsätze von 2,01 auf 11,71 Milliarden Dollar. Gleichzeitig erhöhte Nvidia den Nettogewinn um 4500% auf 4,14 Milliarden Dollar. Im zurückliegenden Rekordjahr erreichte der Technologiekonzern eine beeindruckende Gewinnspanne von 35,34%. Für Sie zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag die Gewinnspanne noch bei 10,65%.

Rückläufiger Gewinn schlägt Analystenerwartungen

Allerdings sind die Zeiten des rasanten Wachstums erst einmal vorbei. Nvidia muss jetzt das Abflauen des Krypotbooms und schwächelnde Umsätze im Bereich Datencenter verkraften. So schmolz im Startquartal der Umsatz um 31% auf 2,22 Milliarden Dollar zusammen. Die Bruttomarge des Grafik-Chip-Produzenten betrug im gleichen Zeitraum rund 58,4% (Vorjahr: 64,5%). Entsprechend schwach zeigte sich auch mit einem Minus von 68% auf 394 Millionen Dollar der Nettogewinn.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn je Aktie von 88 Cent hängen. Allerdings waren die Marktteilnehmer bereits darauf eingestellt und hatten mit noch schwächeren Ergebnissen gerechnet (Umsatz 2,20 Mrd. Dollar; Gewinn je Aktie: 0,81 Dollar).

Ausblick hinterlässt gemischte Gefühle

Doch was interessiert die Börsianer das „Geschwätz“ von gestern, sprich die Zahlen der Vergangenheit. Viel entscheidender für die Kursentwicklung ist der Blick in die Zukunft und hier konnte das Nvidia-Management nur bedingt überzeugen. Während sich das Gaming-Segment gegen Ende des zweiten Quartals wieder normalisieren sollte, bleibt unklar, wie es im Servermarkt weitergeht. Die zurückgestellten Investitionen geben Nvidias Konkurrenten Zeit, den Performance-Vorsprung einzuholen.

Neue Bereiche wie Data Center, Künstliche Intelligenz (KI) und selbstfahrende Autos sollen in Zukunft für mehr Diversifikation sorgen und die Abhängigkeit vom Games-Markt reduzieren.

Im zweiten Quartal rechnet Nvidia mit einem Umsatz von rund 2,55 Milliarden Dollar. Das wäre ein Plus von fast 15% im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres und auch mehr, als die von Bloomberg befragten Experten bisher auf dem Zettel hatten. Die Marge soll dabei mindestens so hoch ausfallen wie zum Jahresauftakt.

Anleger zeigen sich unentschlossen

Nach den Zahlen zeigten sich die Anleger unentschlossen. Die anfänglichen Gewinne lösten sich sukzessive wieder in Luft auf. Zwar wurden die Erwartungen im ersten Quartal übertroffen, aber die verhaltenen Aussagen zur weiteren Entwicklung im Jahresverlauf haben die Euphorie wieder ausgebremst. Auch die Analysten sind sich momentan nicht einig. Von 37 Experten, die Nvidia verfolgen, raten „nur“ 22 zum Kauf der Papiere. Immerhin zwölf Banker stufen den Titel als Halteposition ein, während 3 Analysten sogar zum Verkauf raten. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit mit 185 Dollar aber noch 18% über dem aktuellen Kursniveau.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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