NXP Semiconductors-Aktie: Wie es nach dem Deal-Chaos weitergeht

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NXP-Semiconductor-Aktie: Wie es nach dem Deal-Aus weitergeht. Aktie rauscht deutlich in den Keller (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Die Reaktion der Anleger fiel eindeutig aus. Alleine am Donnerstag ging es um mehr als 5% in den Keller – seit Mitte Juni summieren sich die Kursverluste auf 22%. Der Grund liegt auf der Hand. Die Übernahme durch den US-Konzern Qualcomm für 44 Milliarden Dollar droht nun endgültig zu scheitern.

Handelsstreit fordert erstes „Riesenopfer“

Dabei befand sich der Deal schon auf der Zielgeraden. Seit knapp 2 Jahren  setzten beiden Firmen alles daran, den milliardenschweren Zusammenschluss unter Dach und Fach zu bringen. Hierzu war allerdings die Zustimmung von insgesamt acht Ländern und deren Regierungen notwendig. Zuletzt stand nur noch die Freigabe der chinesischen Regierung aus. Sie müssen wissen: Die Regierung in Peking muss zustimmen, da beide Firmen auch in China Geschäfte macht. Immerhin hat Qualcomm im vergangenen Jahr zwei Drittel der Umsätze in der Volksrepublik erzielt.

Experten gehen davon aus, dass die Chinesen auf Grund des an Schärfe gewinnenden Handelskonflikts die Freigabe verweigert haben. Die Regierung will ihre Muskeln zeigen und macht deutlich, dass sie im Handelsstreit mit den USA alle verfügbaren Mittel einsetzen wird. Auch wenn nach Ablauf der Frist die chinesische Regierung noch eine Hintertür für Verhandlungen offengelassen hat – Qualcomm hat offiziell den Deal bereits abgeblasen.

NXP im Portrait

Die NXP Semiconductors ist ein Halbleiterhersteller, der 2006 aus dem ausgegliederten Halbleiterbereich der Royal Philips hervorging. NXP konzentriert sich auf Halbleiterprodukte und Systemlösungen für die Märkte Automobil, Identifikation, Heimelektronik, Standard-Halbleiter und Software. Das Unternehmen bietet unter anderem Halbleiter und Systemlösungen, für Fernseher oder Mobiltelefone aber auch Sicherheitslösungen etwa für elektronische Ausweise, Gesundheitskarten oder Bankkarten.

ARM-Prozessoren und Produkte für den Automobilmarkt gehören ebenfalls zu den Angeboten. NXP übernahm 2015 den US-Konkurrenten Freescale für zwölf Milliarden US-Dollar.

Deal-Schlappe schwerer Tiefschlag

Die Zukunftspläne der beiden Chip-Konzerne waren groß. Mit NXP wollte Qualcomm vor allem in neue Absatzmärkte vorstoßen und sich auf dem Zukunftsmarkt für Chips in selbstfahrenden Autos positionieren. Die starke Abhängigkeit vom Mobilfunkmarkt sollte mit der Übernahme deutlich reduziert werden.

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NXP-Übernahme weiter in der WarteschleifeIn der Vorwoche hieß es, dass Qualcomm das OK der chinesischen Behörden für die NXP-Übernahme erhalten hat. Doch daraus wurde nichts und es ist unklar wie lange der Deal noch dauern kann. › mehr lesen

Auch der Vorstoß in den Markt mit dem „Internet der Dinge“ und den immensen Absatzchancen stand auf der Agenda. Zusammen wären beide Firmen schlagkräftiger geworden. Mit einem Jahresumsatz von kombiniert über 33 Milliarden Dollar und zwei starken Entwicklungsabteilungen wäre der Deal eine klassische Win Win-Situation gewesen.

2 Milliarden Dollar als Trostpflaster

Ganz leer ausgehen muss der niederländische Technologiekonzern dennoch nicht. Da der Deal platzt, muss Qualcomm 2 Milliarden Dollar an Strafzahlungen leisten. Das sind immerhin 6 Dollar je Aktie und damit 6,5% des gesamten Börsenwerts der Firma. Nach dem unerwarteten Zufluss und dem Deal-Aus hat NXP auch sogleich ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 5 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Wachstum im zweiten Quartal – aber schwächer als der Wettbewerb

Mit der Qualcomm-Hängepartie gingen die gemeldeten Quartalsergebnisse von NXP fast unter. Im abgelaufenen Quartal steigerten die Niederländer ihren Umsatz um 4% auf 2,29 Milliarden Dollar. Das ist weniger stark als die Konkurrenz, die zuletzt ein mehr als doppelt so hohes Wachstumstempo präsentiert hat (Texas Instruments: +9%; ST Microelectronics: +18%).

Auch die Gewinnmarge zeigte sich mit 2,88% eher schwach (Nettogewinn: 66 Millionen Dollar). Der Geschäftsbereich Automotive wuchs umsatzseitig um 7%, Secure Identification Solutions ebenfalls um 7%, Secure Connected Devices sogar um 10%, während der Bereich Secure Interface & Infrastructure (SI&I) einen Rückgang um 9 % zu verzeichnen hatte. Für das dritte Quartal erwartet NXP einen Umsatz zwischen 2,35 und 2,5 Mrd. Dollar.

Aktie vorerst angeschlagen

Wie es nach dem Deal-Aus weitergeht, wird sich erst zeigen müssen. Auch wenn die Positionierung im Zukunftsmarkt für Chips für die Automobilindustrie aussichtsreich ist, lässt die Gewinnentwicklung zu wünschen übrig. Die Niederländer müssen jetzt zeigen, dass sie auch ohne einen größeren Partner zukunftsfähig sind. Der Fokus auf das Kerngeschäft und die Steigerung der Margen müssen höchste Priorität haben.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.