NXP: So langsam wird es wieder interessant

Der Markt beziffert die Warhscheinlichkeit, dass die NXP-Übernahme scheitert auf 37%. Das erscheint ungerechtfertigt hoch. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

In der vergangenen Woche hatte Ihnen der Übernahme-Sensor einige Übernahme-Kandidaten vorgestellt, bei denen Sie an der Seitenlinie bleiben sollten. Dies waren Ziele, bei denen der Deal-Abschluss sehr fraglich ist, im Aktienkurs die Übernahme-Chance jedoch schon großzügig eingepreist war.

Was passieren kann, wenn zu viel Optimismus über einen Deal herrscht, wurde vor wenigen Tagen bei der Analogic-Übernahme sichtbar. Denn statt der üblichen Übernahme-Prämie wird den Aktionären ein Angebot unterhalb des Börsenkurses gemacht.

Nicht blind zugreifen: Auch Übernahme-Kandidaten tragen Risiken

Rückblick: Analogic zog im Sommer 2017 Übernahme-Interesse auf sich und überprüfte daraufhin strategische Optionen, um den Wert für die Aktionäre zu steigern.

Eine dieser Optionen war ein Verkaufsprozess, der dann auch später eingeleitet wurde. Da sich mehrere Bieter für das Unternehmen interessierten, griffen die Investoren in Hoffnung auf eine satte Übernahme-Prämie zu.

Der Aktienkurs stieg um über 30% und war dem fairen Wert des Unternehmens enteilt. Offenbar übersahen einige Investoren, dass die Geschäfte stark unter Druck standen – was auch trotz hohem Übernahme-Interesse für die Verhandlung nachteilig ist.

Letztendlich musste das Analogic-Management dann auch einen Preis hinnehmen, der unter dem Aktienkurs bei Bekanntgabe des Deals lag. Die Aktie notierte bei 96 Dollar – das Angebot lautete auf 84 Dollar je Aktie. Gegenüber dem Vortagesschlusskurs lag der Discount also bei über 10%.

Das Management argumentiert, dass die Prämie gegenüber dem Preis vor Bekanntgabe des Verkaufsprozesses bei 25% liegt und hat deswegen nicht unbedingt schlecht verhandelt. Womöglich war einfach nicht mehr drin und die Aktie ohne Deal aufgrund der schleppenden Geschäfte deutlich stärker unter Druck geraten.

Bei Übernahme-Chancen müssen Sie also immer genau hinschauen und können nicht blind jedem Gerücht hinterher rennen. Bei Analogic gab es öffentlich zugängliche Analysten-Einschätzungen mit einem Übernahme-Zielpreis-Korridor 75 bis 85 Dollar.

Sie hätten also nicht einmal aufwendig rechnen müssen, um herauszufinden, dass das Chance-Risiko-Verhältnis bei 96 Dollar vermutlich ungünstig ist.

NXP: Wahrscheinlichkeit eines Deal-Aus wirklich bei 37% ?

Vor Kurzem schrieb ich Ihnen, dass die NXP-Aktie zu 125,93 Dollar den Besitzer wechselte, bei einem Übernahme-Angebotspreis von 127,50 Dollar. Die 1,25% Gewinnchance wurde aus meiner Sicht dem verbliebenen Risiko eines Deal-Aus bei weitem nicht gerecht.

Inzwischen hat sich jedoch etwas getan. Der Markt ist vorsichtiger geworden, nachdem die chinesischen Behörden die weitere Deal-Prüfung für eine Genehmigung der Transaktion auf Eis legten.

Investoren zogen sich daraufhin zurück und die Aktie kostet heute 113,00 Dollar. Jetzt beträgt die Gewinnchance also 12%. Wenn in Betracht gezogen wird, dass ein Abschluss nach wie vor wahrscheinlich ist, lohnt ein genauerer Blick.

Die große Frage lautet: Wie gewichte ich das Restrisiko, dass die Übernahme noch an den chinesischen Behörden scheitert und welchen Aktienkurs kann ich erwarten wenn der Deal platzt?

Analysten sind mit Verweis auf die langjährige Durchschnittsbewertung der NXP-Aktie der Ansicht, dass es bis auf 90 Dollar runter gehen könnte. In Anbetracht der gestiegenen Sektorbewertung dürfte dies ein äußerst vorsichtiges Szenario sein und würde auch nicht die Chance einpreisen, dass sich jemand anders NXP schnappt.

Aber nehmen wir 90 Dollar. Wie groß darf dann das Risiko für eine positive Gewinnerwartung bei 113 Dollar Aktienkurs sein? Ungefähr 37%! Politische Unwägbarkeiten sind zwar schwer einzuschätzen, aber ob das NXP-Übernahme-Risiko so stark eingepreist werden muss, erscheint fraglich. Die Aktie ist für Arbitrage-Jäger ein Blick wert.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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