NXP-Übernahme: Das sieht gut aus

China Mauer – shutterstock_439146580 aphotostory

NXP-Übernahme durch Qualcomm könnte noch diese Woche freigegeben werden. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Der US-amerikanische Chip-Riese Qualcomm kommt der Übernahme des niederländischen Branchenkollegen NXP Semiconductors einen großen Schritt näher. In dieser Woche will sich Qualomm mit der chinesischen Wettbewerbsbehörde treffen, um die letzte Hürde auf dem Weg zum 44 Mrd. Dollar schweren Deal zu nehmen.

Qualcomm ist dabei vorsichtig optimistisch, dass die Chinesen die Übernahme absegnen. Trifft die Prognose zu, kann der im Herbst 2016 angekündigte Deal endlich unter Dach und Fach gebracht werden.

Handelsstreit: China benutzt NXP-Übernahme als Faustpfand

Die NXP-Übernahme hat mit Ausnahme der chinesischen Deal-Genehmigung alle anderen Vollzugsbedingungen bereits erfüllt. Dass es überhaupt so lange dauert, war für viele Analysten eine Überraschung.

Eigentlich sprechen keine wesentlichen Gründe gegen eine Genehmigung. Doch im Zuge des Handelsstreits mit den USA wurde die Freigabe plötzlich zum Politikum. Die chinesischen Behörden setzten zwischenzeitlich die Prüfung der Übernahme aus, eher es im Zuge der jüngsten Entspannung wieder voran ging.

Aktie steigt stramm Richtung Angebotspreis: Optimismus ist zurück

Bezüglich einer Deal-Genehmigung sind neben Qualcomm auch die Investoren wieder deutlich zuversichtlicher. Die NXP-Aktie kletterte am Freitag nach Bekanntwerden eines Treffens zwischen Qualcomm und den chinesischen Behörden um 4,7% auf 116,79 Dollar.

Heute ist in den USA kein Börsenhandel, doch in Frankfurt wechselt die Aktie am frühen Nachmittag zu 104 Euro den Besitzer – umgerechnet also etwas mehr als 120 Dollar.

Kurslücke hilft Ihnen Übernahme-Wahrscheinlichkeit einzuordnen

Der Übernahme-Preis beträgt 127 Dollar. Der Abstand zum Angebotspreis zeigt Ihnen immer, für wie wahrscheinlich der Markt den Abschluss des Deals hält. Eine große Lücke ist ein Hinweis darauf, dass die Übernahme wackelt – ist die Lücke unter 5% ist der Deal sehr sicher.

China Fahnen – shutterstock_325058183 crystal51

Deutscher Maschinenbau mit starkem JahresauftaktDie deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sind stark ins Jahr 2018 gestartet. Doch wie geht es weiter? › mehr lesen

Manchmal notiert die Aktie des Übernahme-Kandidaten auch über dem Angebotspreis. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Markt eine Angebotsnachbesserung oder eine konkurrierende Offerte erwartet (Bieterkampf).

NXP-Investoren mit Wechselbad der Gefühle

Für NXP-Investoren entwickelte sich die Übernahme in 2018 zum echten Krimi. Als der Chip-Riese Broadcom eine unaufgeforderte Übernahme-Offerte für NXP-Bieter Qualcomm abgab, bestand die Gefahr, dass Qualcomm den Übernahme-Versuch von NXP aufgibt.

Broadcom hatte die Qualcomm-Offerte daran gebunden, dass Qualcomm die NXP-Übernahme zum Preis von 110 Dollar je Aktie abschließt oder sich zurückzieht. Doch Qualcomm stufte die Broadcom-Offerte als feindlich ein und stockte die NXP-Übernahme-Offerte nach Druck von Finanzinvestoren auf 127 Dollar je Aktie auf.

Elliott Management voraussichtlich einmal mehr Übernahme-Gewinner

Dass der Deal jetzt voraussichtlich zeitnah abgeschlossen werden kann, dürfte vor allem beim Übernahme-Aktivisten Elliott Management für Erleichterung sorgen. Unter Elliotts Führung wurde Qualcomm gezwungen, das Angebot aufzustocken – sonst wäre der Deal ins Wasser gefallen.

Denn frühzeitig war die NXP-Aktie an der Börse mehr wert als die von Qualcomm gebotenen 110 Dollar – es fehlte also der Anreiz für Investoren das Angebot anzunehmen.

Elliott kaufte sich erst nach dem Qualcomm-Angebot in NXP ein und kann jetzt vermutlich einen satten Gewinn einstreichen. Noch Anfang Mai sah es nicht danach aus. Im Zuge der Querelen fiel die NXP-Aktie auf knapp über 90 Dollar zurück, zwischenzeitlich lag Elliott also deutlich im Minus.

Doch Elliott wäre nicht Elliott wenn am Ende nicht doch noch ein Gewinn steht. Bei einer großen Mehrzahl an Deals gelingt es dem Finanzinvestor, dass der Übernahme-Preis angehoben wird und die Transaktion zustande kommt.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.