NXP-Übernahme: Deal-Zuversicht schwindet

NXP und Qualcomm könnten kommende Woche getrennte Wege gehen. WÄhrend ein Deal-Aus für Qualcomms Langfriststrategie schlecht wäre, dürfte NXP auch ohne den Bieter gut zurecht kommen. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

19 Monate und immer noch kein Deal: Die Übernahme des niederländischen Chip-Herstellers NXP durch Qualcomm ist weiterhin in der Warteschleife. Eigentlich hätte die 43 Mrd. Dollar schwere Übernahme schon längst abgeschlossen sein sollen, doch durch den Handelsstreit zwischen China und den USA wurde die Transaktion zum politischen Spielball.

In der kommenden Woche soll damit Schluss sein. Im April verständigten sich Bieter Qualcomm und Übernahme-Kandidat NXP darauf, dass der Deal entweder bis zum 25. Juli abgeschlossen ist oder die Übernahme-Vereinbarung aufgelöst wird. Die Anleger reagieren auf das nahende Frist-Ende mit Verkäufen.

NXP-Aktie 20% unter Angebotspreis

Für die NXP-Aktionäre ist die Investition ein Wechselbad der Gefühle. Mehrfach wurde berichtet, dass die chinesischen Behörden der Übernahme endlich zugestimmt haben, kurze Zeit später kam dann jedoch entweder ein Dementi oder es passierte nichts.

Je nachdem ob die Meldungen gerade Richtung Freigabe oder Untersagung gingen, stieg und fiel die Aktie. Zwischenzeitlich war die Zuversicht so groß, dass die Aktie nicht einmal 2 Dollar unter dem Angebotspreis in Höhe von 127,50 Dollar notierte.

6 Tage vor Fristende steht die Aktie (vorbörslich) bei 103,40 Dollar. Die Lücke zum Angebotspreis ist also auf fast 20% gestiegen, ein Zeichen dafür, dass viele Anleger mit einem Deal-Abbruch am kommenden Mittwoch rechnen.

Qualcomm hat großes Interesse, die Frist doch noch zu verlängern

Dass die Übernahme bis kommende Woche das Behörden-OK bekommt, gilt als ziemlich unwahrscheinlich. Investoren fragen sich lediglich, wie Qualcomm darauf reagiert.

Der Bieter hatte angekündigt, dass er dann die 2 Mrd. Dollar Vertragsstrafe an NXP hinnehmen wird und einen Teil der 25 Mrd. Dollar schweren Unternehmenskasse für Aktienrückkäufe nutzen wird.

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Möglich ist jedoch auch, dass entgegen der Ankündigung Qualcomm noch einmal die Frist verlängert. Analysten und Qualcomm-Investoren dürften das mehrheitlich begrüßen.

Stimmen, die den strategischen Nutzen des Deals – auch mit Blick auf den Preis – infrage stellen, sind absolute Ausnahmen. Es wird daher erwartet, dass die Qualcomm-Aktie im Falle eines Deal-Aus trotz eines Aktienrückkaufprogramms unter Druck gerät. 

NXP-Aktie im Falle eines Deal-Aus hoch interessant

Und NXP? Auch der Übernahme-Kandidat will den Deal. Sollte Qualcomm die Frist noch einmal verlängern wollen, ohne dass es neue Hinweise darauf gibt, dass die Behörden die Übernahme letztendlich nicht freigeben würden, dann würde das NXP-Management voraussichtlich zustimmen.

Dies wäre dann auch wahrscheinlich für die NXP-Aktie positiv. Sollte der Bieter aber am kommenden Mittwoch die Reißleine ziehen, dürfte die NXP-Aktie trotz der Entschädigungszahlung unter Druck geraten.

Danach wird es jedoch hoch interessant! Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass die NXP-Aktie nicht dauerhaft im Tal der Tränen bleibt. Schon heute ist die Bewertung deutlich unter Branchenschnitt. Zudem zeigt die Erfahrung, dass nach einem geplatzten Deal nicht selten ein Alternativ-Deal folgt.

Normalerweise ist ein Übernahme-Aus für die Aktionäre des Bieters zu verkraften – in diesem Fall dürfte eine geplatzter Deal für den Übernahme-Kandidaten glimpflicher ausgehen. Die NXP-Aktie ist einen genaueren Blick wert.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.