NXP-Übernahme geplatzt: So könnte es mit der NXP-Aktie weiter gehen

Die NXP-Übernahme ist geplatzt. Kurzfristig droht Ungemach doch der langfristige Investitionshintergrund ist unbeschädigt. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Was lange Zeit vermutet wurde, ist seit heute Morgen Gewissheit: Die Übernahme des niederländischen Chip-Konzerns NXP durch den US-amerikanischen Branchen-Kollegen Qualcomm ist geplatzt. Nach der 27ten Fristverlängerung zog Qualcomm die Reißleine.

Damit fällt die größte Übernahme der Chip-Branche 21 Monate nach Deal-Ankündigung ins Wasser. Den beiden Parteien war es nicht möglich, die in den Handelsstreit zwischen den USA und China geratene Transaktion abzuschließen.

Aktie wieder auf Niveau vor Übernahme-Ankündigung

Für die NXP-Aktionäre ist das Deal-Aus besonders bitter. Sah es zwischenzeitlich gut aus mit der Dealgenehmigung, stehen viele Arbitrage-Jäger – hauptsächlich Finanzinvestoren – jetzt mit leeren Händen da.

Die Aktie fällt vorbörslich um 7,2% auf 91,28 Dollar – der Angebotspreis lag nach einer Aufstockung bei 127,50 Dollar. Mit dem aktuellen Kurs ist die Übernahme-Prämie wieder ausgepreist und es könnte sein, dass es in den kommenden Tagen weiter nach unten geht.

Verfehlte Erwartungen und Shortseller könnten Aktie weiter zusetzen

Denn nicht wenige Investoren waren beim Einstieg nicht an dem Konzern NXP interessiert – sondern an dem Arbitrage-Gewinn unabhängig von dem, was der Übernahme-Kandidat macht.

Für Special Situations-Fonds passt die Aktie jetzt nicht mehr zur Strategie. Wer es bislang versäumte auszusteigen, der muss also jetzt verkaufen. Wenig hilfreich dürfte da sein, dass befürchtet wird, Shortseller könnten das Deal-Aus für sich nutzen, um die Aktie weiter in den Keller zu drücken.

Als wenn das nicht schon genug wäre, hat NXP heute auch noch bei Vorstellung der Quartalsergebnisse die Erwartungen verpasst. Statt 1,64 Dollar je Aktie lag der Gewinn nur bei 1,25 Dollar. Der Umsatz blieb leicht unter den Erwartungen.

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Investoren müssen neu von einer Investition überzeugt werden

Wer über die kommenden Tage hinaus schauen will, der sieht Licht und Schatten. Schatten deswegen, da das Management in Erwartung einer Transaktion andere Entscheidungen trifft als ohne Deal.

So wurden zum Beispiel mögliche Übernahme-Ziele nicht mehr geprüft oder mit Qualcomm überlagernde Investitionen nicht getätigt. Einige Führungskräfte haben sogar inzwischen einen Job bei einer anderen Firma. Das „execution risk“ – also das Risiko, dass ein business plan fehl schlägt, ist erhöht.

Und auch die Investoren fragen sich: Wie geht es jetzt weiter? Kapitaltage gab es ebenso wenig wie Telefonkonferenzen nach Quartalszahlen. NXP ist zwar operativ keine BlackBox, doch da der Informationsaustausch mit den Investoren in den vergangenen 2 Jahren natürlich anders als üblich war, führt das zwangsläufig zu Zurückhaltung. NXP muss die Frage beantworten, warum ich jetzt einsteigen soll. 

Langfristiger Investitionshintergrund nicht beschädigt

Einige Gründe warum NXP gerade jetzt ein Kauf ist, gibt es. Zunächst einmal ist da die Bewertung auf Basis der durchschnittlichen Analystenerwartungen für 2018. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 12 ist das Unternehmen im Branchenvergleich stark unterbewertet.

Auch hat das Unternehmen eine starke Position in den Bereichen Mobile, Connectivity sowie Infotainment und gilt als großer Profiteur im Bereich autonomes Fahren. NXP ist sehr gut ohne Qualcomm zurecht gekommen und auch wenn es kurzfristig komplizierter wird sollte das Deal-Aus den langfristigen Investitionshintergrund nicht beschädigt haben.

Dass die Aktie schon bald wieder bessere Zeiten sieht, dafür spricht auch das Aktienrückkaufprogramm. Qualcomm hat wegen des Übernahme-Aus 2 Mrd. Dollar an NXP überwiesen, die jetzt über den Rückkauf an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen.

Insgesamt hat liegt das Volumen des Programms sogar bei 5 Mrd. Dollar. Wenn der erste Druck aus der Aktie gewichen ist, könnte ein Einstieg daher sehr interessant werden.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.