NXP-Übernahme: Qualcomm mit 2 Großbaustellen

Die NXP-Übernahme könnte für Qualcomm nicht nur länger dauern als gedacht, sondern auch noch teurer werden. Hier erfahren Sie mehr dazu: (Foto: Slava2009 / shutterstock.com)

Im Oktober vergangenen Jahres meldete Qualcomm die größte Chiphersteller-Übernahme aller Zeiten:

Für den niederländischen Halbleiter-Konzern NXP boten die US-Amerikaner 47 Mrd. Dollar.

Die Übernahme folgte einer ganzen Reihe von Milliarden-Deals. In der Branche herrscht in den klassischen Geschäftsfeldern Margendruck.

Gleichzeitig versuchen die Chip-Konzerne von attraktiven Zukunftsmärkten zu profitieren. Die Folge: eine nie dagewesene Übernahme-Welle, die auch 2017 weitergehen wird.

NXP-Übernahme wird von den EU-Behörden genauer geprüft

Die Übernahme von NXP durch Qualcomm ist der bisherige Höhepunkt und kommt nur 3 Monate nach der 31 Mrd. Dollar schweren Übernahme des britischen Halbleiter-Konzerns ARM.

Während der ARM-Deal jedoch relativ schnell über die Bühne gebracht werden konnte, zieht sich die NXP-Übernahme hin.

Heute teilten die EU-Wettbewerbs-Behörden mit, dass sie die Transaktion genauer unter die Lupe nehmen werden.

Übernahme-Abschluss könnte sich verschieben

Die Wettbewerbs-Behörden befürchten besonders im Markt mit vernetzten Autos eine zu starke Marktposition des neuen Konzerns.

Des Weiteren wird befürchtet, dass durch die Bündelung von Patenten die Preise steigen könnten.

Die vertiefte Prüfung ist kein Hinweis darauf, dass die Übernahme untersagt wird, doch könnte der Zeitplan jetzt durcheinander kommen.

Qualcomm wollte den Deal bis Ende des Jahres unter Dach und Fach bringen. Die Prüfung der EU-Kommission kann jedoch bis zum 17. Oktober dauern.

Und sollte sich dabei herausstellen, dass es zu größeren Nachbesserungen kommen muss, um das OK zu erhalten, dann könnte sich der Deal-Abschluss verschieben.

Elliott will Übernahme-Preis nachverhandeln

Qualcomm hat nicht nur die EU-Kommission als Baustelle.

Eine noch größere Baustelle ist stärker werdender Druck von Finanz-Investoren. Der Übernahme-Aktivist Elliott Management soll auf eine Neuverhandlung des Übernahme-Preises drängen.

Eigentlich hatte Qualcomm sich bereits mit dem Management auf 110 Dollar je Aktie geeinigt. Die Aktionäre durften über das Angebot im Januar abstimmen und nickten den Preis ab.

Aktionäre holen sich angediente Aktien zurück

Was zunächst eine sichere Sache war, ist jetzt allerdings ein Stück weit wacklig. Für einen erfolgreichen Deal braucht Qualcomm 70% der NXP-Aktien.

Es ist zwar noch sehr viel Zeit, die anvisierte Schwelle zu überspringen, doch Qualcomms Andienungs-Quote geht in die falsche Richtung.

Waren dem Bieter im März noch 17,2% der Aktien angedient worden, sind es jetzt nur noch 14,1%.

Der Rückgang gegenüber März beträgt mehr als 10 Mio. Aktien. Dies zeigt Ihnen, dass es sich mehrere Investoren doch noch anders überlegt haben.

Muss Qualcomm für einen erfolgreichen Deal den Übernahme-Preis anheben?

Dass der Druck größer wird, liegt nicht nur an Elliott Management. Schon kurz nach Übernahme-Bekanntgabe hieß es mehrfach, dass sich NXP unter Wert verkauft habe.

Die Deutsche Bank erachtete kurz vor Deal-Bekanntgabe 140 Dollar je Aktie als fair – das Analysehaus Jeffries kam sogar auf einen Preis von bis zu 172 Dollar.

Nachdem dann auch noch die Bewertungen im Chipsektor zulegten und NXP mit sehr starken Zahlen aufwartete, wirkte der Deal dann noch günstiger.

Einige Investoren sind sogar der Meinung, dass der Übernahme-Preis die Aktie ausbremste und sie ansonsten höher notieren würde.

Gut möglich also, dass Qualcomm am Ende länger für den Deal-Abschluss braucht, und – was noch viel ärgerlicher wäre – auch noch einen höheren Preis bezahlen muss, obwohl man sich mit dem Unternehmen und den Aktionären bereits einig war.

(Hinweis/Interessenkonflikt: NXP ist in meinem Börsendienst AmericanTargets im Arbitrage-Depot)

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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