NXP-Übernahme: Sicher geglaubter Deal wackelt

DIe NXP-Übernahme könnte zum politischen Spielball werden. Platzt der Deal geht die Aktie gen Süden - und mit ihr auch die Qualcomm-Aktie (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Übernahme des niederländischen Chiphersteller NXP durch den Chip-Riesen Qualcomm hätte wahrlich besser verlaufen können. Hedgefonds-Einstieg, feindlicher Übernahme-Versuch des Bieters und langwierige Prüfungen durch die Wettbewerbsbehörden machten den Deal zum Geduldspiel.

Anderthalb Jahre nach Übernahme-Ankündigung warten die Aktionäre noch immer auf den Deal-Abschluss und die Überweisung des Übernahme-Preises. Inzwischen ist sich der Markt auch gar nicht mehr so sicher, dass der Deal abgeschlossen werden kann. Denn die chinesischen Behörden haben der Übernahme immer noch nicht zugestimmt.

Finanzinvestoren torpedieren NXP-Übernahme

Rückblick: Im Oktober 2016 kündigte Qualcomm die NXP-Übernahme für 37,3 Mrd. Dollar an. Das Management stimmte zu und kurzzeitig sah alles nach einem „normalen“ Deal aus.

Doch dann begannen die Probleme. Finanzinvestoren hefteten sich an den Deal und forderten einen höheren Übernahme-Preis. Die NXP-Aktie kletterte frühzeitig über den Angebotspreis, sodass es für Investoren nicht attraktiv war die Qualcomm-Offerte anzunehmen und auf den Deal-Abschluss zu warten.

Für Qualcomm ein großes Problem – war doch eine Vollzugsbedingung, dass 80% der Investoren ihre Aktien abgeben. Schnell war klar: Will Qualcomm bei NXP zum Zug kommen, dann muss der Preis hoch.

NXP für Qualcomm von hohem strategischen Wert

Qualcomm bewegte sich nicht und spielte auf Zeit. Wäre es zu einer Marktkorrektur gekommen, die Chip-Aktien günstiger gemacht hätte oder wäre der Geschäftsausblick von NXP eingetrübt, hätte das dem Bieter in die Karten gespielt.

Doch Chip-Aktien waren heiß begehrt und die Bewertungen zogen an. Zudem wussten viele NXP-Investoren vom hohen langfristigen strategischen Wert für Qualcomm, sodass sie nicht dran dachten, ihre Aktien abzugeben.

Broadcom-Vorstoß trübt Chance auf Angebotserhöhung

Die Spekulation auf eine Angebotserhöhung wurde Anfang dieses Jahres wacklig. Qualcomm-Konkurrent Broadcom lancierte eine feindliche Übernahme-Offerte und band das Angebot später an die Forderung, dass Qualcomm das NXP-Angebot nicht aufstockt.

Qualcomm ignorierte dies jedoch und einigte sich mit den bei NXP eingestiegenen Finanzinvestoren auf eine Angebotserhöhung um 16%. Broadcom bezeichnete dies als ungerechtfertigte Bargeldüberweisung, zog sich aber nicht zurück, sondern senkte lediglich den Angebotspreis.

Der Bieter hatte nach wie vor die Rückendeckung der Qualcomm-Aktionäre, musste jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken den Übernahme-Vorstoß abbrechen. Damit wurde die NXP-Übernahme wieder sehr wahrscheinlich – doch jetzt wachsen wieder die Zweifel.

Wird die NXP-Übernahme zum politischen Spielball?

Grund ist die chinesische Handelsbehörde MOFCOM, die den Deal immer noch nicht freigegeben hat. Gestern tauchten Gerüchte auf, dass Qualcomm vergeblich um ein Treffen bat, um über den Deal zu sprechen.

Mit Blick auf die wachsenden Spannungen zwischen den beiden Ländern wird nun befürchtet, dass die Behörde die Übernahme untersagen könnte. Die Aktie reagierte sofort und fiel gestern um über 4% auf 116,26 Dollar. Damit notiert das Papier über 10 Dollar unter dem Qualcomm-Angebotspreis, obwohl der Deal-Abschluss eigentlich sehr zeitnah ist.

Es ist nicht auszuschließen, dass die Übernahme politisch motiviert scheitert. Das wäre nicht nur für NXP-Aktionäre sehr nachteilig, sondern auch für die Qualcomm-Aktionäre. Denn die ambitionierte Qualcomm-Planung unterstellt, dass der NXP-Deal abgeschlossen wird. Nicht zu vergessen ist der hohe strategische Wert, der dann verloren geht und die Vertragsstrafe die Qualcomm zu zahlen hätte.

Aus Sicht des Übernahme-Sensors sind beide Aktien aktuell kein Kauf.


Passives Einkommen 2018

Sichern Sie sich jetzt gratis den Sonder-Report: “Wie Sie mit diesen 3 dividendenstarken ETFs gleich doppelt verdienen” und erfahren Sie exklusiv, welche Aktien in Ihrem Depot nicht fehlen sollten!

Hier klicken und erfahren wie Sie gleich doppelt verdienen und Gewinne vor dem Staat schützen...


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt