NXP, Viacom und Akorn: 3 Übernahme-Chancen, die nicht attraktiv sind

Heute präsentiert Ihnen der Übernahme-Sensor 3 heiß gehandelte Übernahme-Chancen, die sie getrost ignorieren können. (Foto: Fresenius SE & Co. KGaA)

Das Übernahme-Geschäft birgt viele Gewinnchancen, aber ist auch nicht risikolos. Platzt ein sicher geglaubter Deal, kann die Aktie des Übernahme-Kandidaten sehr tief fallen.

Daher ist es wichtig, auch bei Übernahme-Kandidaten stets auf das Chance-Risiko-Verhältnis zu achten und im Zweifel eine Chance auch mal liegen zu lassen. Gerade im Übernahme-Boom-Jahr 2018 lohnt es sich nicht, jedem Deal hinterher zu rennen.

NXP: Politisches Risiko schwer einzuschätzen

In der Vorwoche hatte ich Ihnen von der Übernahme des Chipherstellers NXP durch Qualcomm berichtet. Am Markt wurde bereits angenommen, dass der Deal nach einer Einigung zwischen Bieter und den bei dem Übernahme-Kandidaten investierten Finanzinvestoren sicher ist.

Die Aktie wechselte zu 125,93 Dollar den Besitzer – vereinbarter Übernahme-Preis ist 127 Dollar je Aktie. Wer einstieg, hatte eine Gewinnchance von 0,85%. Dafür trug er aber das Risiko eines Deal-Aus, das zwar äußerst gering war, aber nicht bei 0 lag.

Inzwischen wird ein Deal-Aus auch deutlich höher eingepreist. Gestern half nicht einmal das starke Marktumfeld der NXP-Aktie, die den Handel mit -0,84% bei 115,43 Dollar beendete. Die Gewinnchance ist daher für Arbitrage-Jäger auf 10% gestiegen.

Bietet sich deswegen ein Einstieg an? – Aus Sicht des Übernahme-Sensors nicht. Denn der Deal könnte zum politischen Spielball werden. Die USA und China tragen gerade einen Handelsstreit aus, der das Risiko eines NXP-Übernahme-Aus schwer kalkulierbar macht. Daher ist man als Anleger an der Seitenlinie besser aufgehoben.

Viacom: Auch bei Angebotsaufstockung noch Verlust möglich

Ebenfalls kein Einstieg bietet sich bei dem US-amerikanischen Medienkonzern Viacom an. Übernahme-Gerüchte zu Viacom kursieren schon lange und der Markt hatte sich offenbar mehr erhofft als wirklich drin sitzt.

Denn die Sendergruppe CBS hat gestern ein Übernahme-Angebot unterbreitet, dass mit 0,55 CBS-Aktien deutlich unter dem aktuellen Marktwert des Übernahme-Kandidaten liegt. Statt Übernahme-Prämie also Übernahme-Diskont!

Es wundert dann auch nicht, dass das Viacom-Management kein Interesse an dem Angebot hatte. Jetzt heißt es zwar, dass CBS mit einer höheren Offerte zurückkommen will, doch wie viel will man da noch erwarten?

Gerüchteweise will Viacom einen Preis von über 0,62 CBS-Aktien je Viacom-Anteil. Umgerechnet wäre dies ein Preis größer als 33,17 Dollar. Die Viacom-Aktie kostet allerdings mit 35,75 Dollar selbst nach einem gestrigen Kursrückgang noch 7,8% mehr als das Mindestangebot.

Wenn man davon ausgeht, dass im Viacom-Management exzellente Verhandler sitzen, die einen Preis rausholen könnte, der 20% über den kolportierten Mindestpreis liegt, dann bleibt eine Investition nicht attraktiv.

Denn als Investor muss man davon ausgehen, dass der Deal nichts wird – und dann dürfte die Viacom-Aktie wieder gen Süden ziehen. Das ist alles andere als unwahrscheinlich. 2016 platzten bereits Übernahme-Verhandlungen an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Beide Unternehmen wissen zwar um die großen Vorteile eines Deals, doch zu welchen Konditionen und unter welchem Management, darüber herrscht größte Uneinigkeit.

Diese Übernahme-Situation ist auf jeden Fall zu meiden, da die Gewinn-Chance recht niedrig ist und das Risiko eines Deal-Aus relativ hoch. Zumal gibt es kein Cash – sondern Aktien und bis der Deal abgeschlossen ist und das Geld fließt, wird es noch dauern.

Akorn: Die Casino-Wette

Last but not least sollte auch die Übernahme-Chance des US-Generikaherstellers Akorn gemieden werden. Die Dealprobleme sind erheblich und sollte die Übernahme durch den Bad Homburger Fresenius-Konzern noch scheitern, kann es sehr weit nach unten gehen.

Die Aktie kostet aktuell etwa 19,50 Dollar – ausgemachter Übernahme-Preis ist 34 Dollar je Aktie. Bis zum Übernahme-Preis also eine Lücke von über 70%. Das ist zwar äußerst attraktiv, spiegelt aber auch die hohe Marktunsicherheit über den Deal-Abschluss wider.

Die Unsicherheit ist, dass Fresenius von der Übernahme wieder Abstand nehmen könnte. Denn die Übernahme ist umstritten, da die zuletzt vorgelegten Akorn-Zahlen schwach waren und Vorwürfe über Verstöße bei der Produktentwicklung laut wurden. Es heißt, dass Fresenius-Aktionäre einen Übernahme-Rückzieher befürworten würden.

Aber bei 70% Gewinnchance? Es stellt sich zwangsläufig die Frage, wie weit es denn dann nach unten gehen könnte, falls der Deal scheitert. Darüber herrscht Uneinigkeit, doch es wird dann sehr weit runter gehen. Die Deutsche Bank befürchtet einen Kurs von 8 Dollar, Analysten von RBC Capital sogar 5 Dollar. Wenn die möglichen Kurse soweit auseinander gehen, dann brauchen Sie schon sehr viel Überzeugung, um das zu riskieren.

Um im Übernahme-Geschäft erfolgreich zu sein, müssen Sie nicht jeder Chance hinterher rennen.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.