OECD warnt vor langfristigen Risiken für China

China Mauer – shutterstock_439146580 aphotostory

Noch immer gilt ja China als der Motor der Weltwirtschaft. Sehr spannend ist, dass ausgerechnet die Industriestaatengruppe OECD vor den langfristigen Risken für Chinas Wirtschaft warnt. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Das Riesenreich der Mitte wird ja immer noch als das Zugpferd der Weltwirtschaft angesehen. Jahr für Jahr glänzten die Chinesen ja mit BIP-Wachstumsraten, die für westliche Verhältnisse unerreichbar schienen. Mitunter lag das Wachstum ja im zweistelligen Bereich. Diese Zeiten gehören aber nun auch für China der Vergangenheit an.

Aufgrund der generell schlechter laufenden Weltwirtschaft und der diversen Handelskonflikte erwartet Peking höchst offiziell ja für das Jahr 2019 nur ein „BIP-Wachstum“ zwischen sechs und 6,5 Prozent. Das ist für chinesische Verhältnisse wahrlich enttäuschend schlecht. Seit fast drei Jahrzehnten hat es eine derartig niedrige Wachstumsrate ja nicht mehr gegeben.

Teuer erkauftes Wachstum

Und selbst die offiziellen sechs Prozent werden teuer und hart erkauft. Peking setzt alles daran, dieses Ziel mit Hilfe von milliardenschweren staatlichen Konjunkturspritzen zu erreichen; seien es nun teure Infrastrukturprojekte in den Provinzen bzw. steuerliche Entlastungen für Verbraucher und Unternehmen.

Selbst direkte Eingriffe in den Bankenmarkt sind da für Peking kein Tabu. Die Banken wurden aufgefordert, weiterhin Kredite an Unternehmen zu vergeben, auch wenn diese in Schwierigkeiten stecken.

Venezuela Währung – shutterstock_1030967398

Venezuelas Wirtschaft zwischen Desaster und PotenzialenVenezuelas Wirtschaft hat nach einem Machtwechsel gewaltiges Aufholpotenzial. Auch die weltweite Ölbranche wittert das große Geschäft. › mehr lesen

Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass diese Maßnahmen nicht „umsonst“ sind. Die Gefahr ist groß, dass dem Riesenreich trotz kurzfristiger Impulse langfristig betrachtet schwächeres Wachstum droht. Die Ratingagentur Standard & Poor’s warnte jüngst bereits davor, dass in den Provinzen Chinas eine riesige Schuldenbombe laut ticken würde.

Die außerhalb der Bilanzen angehäuften Verbindlichkeiten der Regierungen in den Regionen beliefen sich demnach auf geschätzte 5,3 Billionen Euro. Das ist selbst für chinesische Verhältnisse gigantisch viel. Es ist daher ebenfalls wenig verwunderlich, wenn selbst die Industriestaatengruppe OECD explizit vor den langfristigen Gefahren für das chinesische Wachstum warnt. Solche drastischen Warnungen werden nicht oft ausgesprochen und sind sehr, sehr ernst zu nehmen.

Ja, liebe Leser, die Gefahr ist groß, dass China als Zugpferd für die Weltkonjunktur ausfällt. Womöglich steht es um China schon jetzt deutlich schlechter als viele Beobacher vermuten. Wagen wir hier nur einen kurzen Blick auf den Automarkt. Der auch für die deutschen Autobauer eminent wichtige chinesische Automarkt befindet sich laut des Automarkt-Experten Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in einer kritischen Situation.

Schon im Jahr 2018 schrumpfte der Markt in China ja mit einem Absatzrückgang von 3,8 Prozent. Und Herr Bratzel erwartet auch für das Jahr 2018 einen Absatzrückgang von fünf Prozent. Das sind alles andere als gute Nachrichten für die stark vom China-Markt abhängige deutsche Auto-Industrie.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.