Warum Öl-Aktien (noch) kein Schnäppchen sind

Im gestrigen Beitrag hatte ich unter anderem einen Blick auf die Entwicklung des Ölpreises in USD geworfen. Der Kurs für das „schwarze Gold“ hat im Verlauf der zurückliegenden 12 Monate rund die Hälfte an Wert verloren.

Die Energiebranche hat dieser Verlauf hart getroffen. Im gerade beendeten 2. Vierteljahr werden für diesen Sektor in den USA ein Umsatzrückgang um -41% und ein Gewinneinbruch von -64% erwartet. Beide Werte verstehen sich im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal.

Vergleich Öl-Aktien und S&P 500

Die Aktienkurse der großen Ölkonzerne haben darunter selbstverständlich ebenfalls arg gelitten. Der Branchenindex hat in den letzten 12 Monaten rund -25% eingebüßt:

branchenindex große us-ölkonzerne in usd-15-07-2015

Vergleich Öl-Aktien und S&P 500

Sie sehen es im Chart selbst: Was den Kursrückgang der Ölgiganten noch übler macht, ist die gleichzeitige Entwicklung des S&P 500. Der US-Leitindex hat in derselben Zeit etwa +8% zugelegt.

Öl-Aktien sind kein Schnäppchenkauf

Sind die Aktien der amerikanischen Ölkonzerne daher jetzt ein Schnäppchenkauf?

Wenn Sie Chartanalyse-Trends schon etwas länger lesen, dann kennen Sie meine Ansicht zu diesem Thema: „Börse funktioniert nun einmal nicht wie der Einkauf bei KIK, Lidl, Aldi oder im PENNY-Markt.“

Wenn ein Schnäppchenkauf für Sie mal erfolgreich war, dann sollten Sie sich über ihren Glückstreffer freuen und das künftig nie mehr wiederholen!

Wenn Sie beim Investieren dauerhaft Erfolg haben möchten, dann sollten Sie künftig beim Kauf auf Qualität achten. Und Sie sollten Wert darauf legen, dass sich das Objekt Ihrer Begierde auch in einem Aufwärtstrend bewegt oder zumindest seinen Abwärtstrend nach oben verlassen hat.

Davon jedoch ist im obigen Chart weit und breit nichts zu erkennen!

Atomabkommen mit dem Iran: Schlecht für den Ölpreis …

Es gibt jedoch auch noch ein fundamentales Argument für ein Andauern der Kursschwäche bei den großen Ölkonzernen: Es ist das gestern abgeschlossene Atomabkommen mit dem Iran.

Die 5 UN-Vetomächte sowie Deutschland haben dem Iran nach monatelangen Verhandlungen die Zusage abgerungen, künftig Kernenergie ausschließlich für zivile Zwecke zu nutzen.

Als Gegenleistung werden die seit Jahren bestehenden Sanktionen gegen den Iran ab Anfang 2016 schrittweise aufgehoben. Das bedeutet unter anderem:

Die Perser werden künftig wieder Öl in die Regionen ihrer Verhandlungspartner liefern dürfen. Derzeit fördert der Iran lediglich rund 50% seiner möglichen Kapazitäten. Die Förderung soll in kürzester Zeit um 1 Million Fässer Öl erhöht werden können.

Mit dem steigenden Angebot wird der Ölpreis dauerhaft unter Druck bleiben. Im Vorgriff auf den Abschluss des Abkommens war der Kurs für das „schwarze Gold“ zuletzt schon kräftig unter Druck geraten.

… aber gut für die Weltkonjunktur

Diese Entwicklung wird die Lage der Ölkonzerne nicht wirklich verbessern. Die gute Nachricht jedoch lautet: Ein anhaltend niedriger Ölpreis ist ein hervorragender Konjunkturmotor.

Und davon werden die Aktienmärkte weltweit profitieren.

29. Juli 2015

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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