Ölpreis: Düstere Prognose wegen Wettpumpen

Die Lager sind gut gefüllt, der Ölpreis kommt nicht wesentlich über die 50-Dollar-Marke hinaus. Analysten prophezeien den nächsten Crash. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

Harte Zeiten für die OPEC: Trotz gedrosselter Ölförderung, auf die sich das Kartell gemeinsam mit weiteren Staaten im vergangenen Herbst verständigt hat, klappt es mit der Preisstabilisierung nur mittelprächtig.

Bei rund 50 Dollar je Barrel hat sich der Ölpreis nun schon seit Längerem eingependelt.

Im Vergleich zu 2016 ist das ein Fortschritt, keine Frage. Damals war der Ölpreis zeitweise unter 30 Dollar abgerutscht.

Aber trotzdem kostet das Fass derzeit nicht einmal halb so viel wie noch vor 3 Jahren. Das liegt v. a. an der zwischenzeitlich erstarkten Konkurrenz durch Fracking-Firmen in den USA.

Die umstrittene und anfangs teure Technologie hat sich inzwischen weitgehend etabliert und als deutlich robuster erwiesen, als Viele anfangs gedacht hätten.

Es geht nicht um Preise, sondern um Marktanteile

Während des Preisverfalls waren noch viele Fracking-Firmen in die Pleite geschlittert.

Nun kommen sie inzwischen auch mit dem geringeren Preisniveau zurecht – und sehen jede Preissteigerung als Ansporn, noch mehr zu fördern.

Es ist ein paradox anmutender Wettlauf zwischen den US-Firmen und der OPEC:

Es geht dabei längst nicht mehr um Preisgestaltung, sondern vielmehr um die Aufteilung des Kuchens – wer kann sich mehr Marktanteile sichern?

Die USA sind hier zunehmend auf dem Vormarsch, während die arabischen Staaten immer mehr in die Defensive geraten.

Punkten können derzeit die OPEC-Mitglieder Nigeria und Libyen – ihnen wurde trotz des Drossel-Abkommens ausdrücklich zugestanden, so viel Öl zu fördern, wie sie wollen.

Das wiederum führte dazu, dass die OPEC zuletzt ihre eigentlich geplante Maximal-Förderung überschritten hat.

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Es bedeutet letztlich auch, dass sich Nigeria und Libyen Marktanteile sichern können – auf Kosten der anderen OPEC-Staaten, die ihre Fördermengen begrenzt haben.

Zerreißprobe für die OPEC

Die Konstellation scheint sich mehr und mehr zu einer Zerreißprobe für die OPEC zu entwickeln:

Nach 1/2 Jahr verständigte man sich darauf, den Kompromiss um die gedeckelten Ölfördermengen bis März 2018 zu verlängern.

Doch ob man darüber hinaus noch gewillt sein wird sich an die Absprachen zu halten, scheint höchst ungewiss.

Kein Wunder, muss man doch dabei zuschauen, wie mehr und mehr Marktanteile an die Konkurrenz gehen, während zugleich der erhoffte Effekt der Preisstabilisierung höchst überschaubar ausfällt!

Es ist eine frustrierende Konstellation, die letztlich dazu führt, dass auch die arabischen Staaten immer mehr Öl aus dem Boden pumpen müssen, um sich zu behaupten.

Auswirkungen und Ausblick

Die Effekte sind sichtbar, die Lagerbestände sind aktuell höher als der 5-Jahres-Schnitt und ein Ende der vergleichsweise niedrigen Preise ist dementsprechend nicht in Sicht.

Ganz im Gegenteil: Analysten rechnen z. T. schon mit einem neuen Crash, der ähnlich dramatisch ausfallen könnte wie Anfang 2016.

Laut pessimistischen Analysten wären sogar Ölpreise von 20 USD je Barrel möglich.

Profitieren können die Verbraucher wie Privathaushalte oder auch Fluggesellschaften und Industrie-Unternehmen.

Denn sie alle zahlen heute deutlich weniger für den Energieträger als noch vor 3 Jahren und haben damit mehr Geld für andere Ausgaben zur Verfügung.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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