Öl explodiert – im wahrsten Sinne

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Saudi-Arabien brennt und die USA stehen mit geladener Waffe bereit. Kommt jetzt ein Einmarsch in den Iran? Die Preise an den deutschen Tankstellen sind unverändert. (Foto: John Williams RUS / Shutterstock.com)

So schnell kann es gehen. Letzte Woche wurde noch bejubelt, dass Trump den Kriegstreiber John Boltin gefeuert hat. Kurzzeitig bestand die Hoffnung auf einen Frieden im Mittleren Osten. Trump wollte sich Iran annähern und das Ruder im Konflikt herumreißen.

Doch das hat wohl irgendwem nicht gefallen. Am Wochenende gab es die Antwort in Saudi-Arabien: Ein Anschlag auf eine der größten Ölraffinerien der Welt. Pro Tag werden hier normalerweise rund 900 Millionen Liter Öl produziert. Vielleicht auch etwas weniger. Die Zahlen sind alle noch nicht bestätigt. Genauso wenig, ob es sich um einen Angriff durch eine Drohne oder beispielsweise eine Tomahawk-Rakete handelt.

Fakt ist: Saudi-Arabien brennt und verliert massiv Gewinne. Uns in Europa wird das nur teilweise treffen, schließlich beziehen wir hier Brent Rohöl. Für etwa 6 Prozent der Ölexporte soll die betroffene Anlage verantwortlich sein. Der Ölpreis wird also etwa um diesen Bereich steigen – plus ein wenig mehr aufgrund der Panik und der Angst vor einer möglichen Eskalation.

Brent Chartcheck

Die Sorte Brent ist immer Sommer in eine Seitwärtsphase übergegangen. Zwischen 56 und 68 US-Dollar pendelte das Rohöl. Hier sehen Sie den Sprung, den die Kurse über Nacht getan haben.

Wir waren schon über der 68er Marke. Dann ging es wieder runter auf 65 US-Dollar. Viel Action ist da heute im Markt. Verständlich. Ignorieren Sie jetzt vorerst die gerissene Kurslücke. So schnell wird Brent nicht wieder bei 60 US-Dollar stehen. Das kann eine Weile dauern.

Schließlich muss noch geklärt werden, wer hinter dem Anschlag steckt. Saudi-Arabien als Kriegstreiber in der Region sieht natürlich den Iran in der Schuld. Der dementiert das logischerweise. Dass hier eine vom Iran finanzierte Terrorgruppe eigenständig gehandelt hat, wurde auch schon in den Raum geworfen. Ob wir am Ende die Wahrheit erfahren, sei einmal dahingestellt.

Entscheidend ist, dass die Lage dort nicht eskaliert. Die USA sind offiziell Verbündeter von Saudi-Arabien. Wird das eine Land angegriffen, kommt der Alliierte zur Verteidigung. Aus Sicht von Saudi-Arabien und auch Israel wäre das sicherlich angenehm, wenn die USA den Iran „endlich“ bombardieren würden. Doch dazu ist Trump auch überraschend vorsichtig. Er will keinen unnötigen Krieg, wenngleich er auch weiß, wie viel Saudi-Arabien von den USA kauft und somit wichtig für die Wirtschaft ist.

Tankstellenpreise in Deutschland unverändert

Wer jetzt gedacht hat, dass die Preise über Nacht um 20 Cent ansteigen, hat sich geirrt. Ich habe eben online bei mir ums Eck geschaut. An den umliegenden Tankstellen sind die Preise noch unverändert.

Das mag auch daran liegen, dass kaum saudisches Öl nach Deutschland kommt. Wir wären also von einem Engpass nur indirekt betroffen. Ob sich die Tankstellen aber an diese Logik halten, müssen wir abwarten. Es wäre durchaus ein gefundenes Fressen, dem Autofahrer tiefer in die Tasche zu greifen. Dass sich bislang nichts gravierend geändert hat, ist allerdings ein sehr gutes Zeichen.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

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