Öl: Shell will wieder Richtung Iran

Es ist eine Art Vertrauensvorschuss:

Nach Total hat nun auch der britisch-niederländische Konzern Royal Dutch Shell Verträge mit dem Iran unterzeichnet, um sich dort Zugang zu bestimmten Öl- und Gasvorkommen zu sichern.

Es sind erste zaghafte Vorstöße, nachdem die westlichen Sanktionen gegenüber Teheran Anfang 2016 aufgehoben wurden – eine direkte Folge des Atom-Abkommens, über das so lang und zäh verhandelt wurde.

Dass das Abkommen Bestand hat, gilt als Voraussetzung dafür, dass Iran seine Rohstoffe wieder in größerem Stil Richtung Westen exportieren darf.

Aus den Geschäften mit international agierenden Ölkonzernen wird der Iran wirtschaftlich profitieren – ein wichtiger Anreiz, nachdem politisch v. a. westliche Interessen das Atom-Abkommen dominieren.

Kippt Trump den Atomdeal?

Doch ein nicht unwesentlicher Faktor hat sich seit der historischen Einigung vor knapp 12 Monaten verändert:

Donald Trump wurde zum neuen US-Präsidenten gewählt, im Januar 2017 wird er vereidigt. Und er gilt nicht gerade als Fan des Atomdeals mit Teheran.

Ganz im Gegenteil, während des Wahlkampfs bezeichnete er das Abkommen als „schlechtesten Vertrag, der je ausgehandelt wurde“.

Sicherlich wird im Wahlkampf gern übertrieben und übers Ziel hinaus geschossen, und das wohl umso mehr, wenn der Kandidat Donald Trump heißt.

Doch auch wenn sein konkreter politischer Kurs nach wie vor nur zu erahnen ist, zeigt die Zusammenstellung seines künftigen Kabinetts bereits deutlich, in welche Richtung es wohl gehen wird.

Und auch unabhängig seiner Minister wird Trump bald sehr viel Macht auf sich vereinen.

Dass er so manches internationale Abkommen platzen lassen wird, das über viele Jahre fein austariert und verhandelt wurde, gilt als recht wahrscheinlich.

Sollte der Atomdeal mit dem Iran zu diesen bald nicht mehr gültigen Verträgen zählen, dürfte sich das wiederum negativ auswirken für Teherans Rohstoff-Geschäfte.

Inwieweit sich die verhandelten Konditionen mit Total oder Shell dann noch realisieren lassen, bleibt abzuwarten.

Opec-Einigung auf Förderbegrenzung

Eine weitere Limitierung hat der Iran sich zudem selbst auferlegt durch den Deal mit den Opec-Partnern, gemeinsam weniger Öl zu fördern.

Die Einigung war vor wenigen Wochen bekannt geworden und gilt als große Überraschung, gerade angesichts der anhaltenden Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

Beide Länder kämpfen um die Vorherrschaft in der Golfregion – aber beide sind auch angewiesen auf die Einnahmen aus den globalen Ölgeschäften.

Der freie Fall, in dem sich der Ölpreis von Sommer 2014 bis Anfang 2016 befand und der den Preis je Barrel von über 110 Dollar auf unter 30 Dollar abstürzen ließ, hat den Staatskassen der OPEC-Länder heftig zugesetzt.

Durch die Begrenzung der Fördermenge soll der Preis nun wieder etwas in die Höhe getrieben werden. Experten zweifeln jedoch an der Nachhaltigkeit dieses Vorhabens.

16. Dezember 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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