Öl- und Gasaktien: Staatskonzerne auf dem Vormarsch

Einerseits steigt die Nachfrage nach Öl und Gas kontinuierlich, andererseits ermöglichen neue Fördertechniken die Erschließung neuer Vorkommen auch in schwer zugänglichen Regionen.

Für die Branche müsste die Welt eigentlich in Ordnung sein. Doch es gibt Zweifel, ob die gewaltigen Gewinne der Vergangenheit in den kommenden Jahren wiederholbar sind. Denn die staatlichen Ölgesellschaften sind auf dem Vormarsch.

Etwa 90% des in Zukunft förderbaren Öls befinden sich im Besitz von Konzernen wie Saudi Aramco, Rosneft, Pemex oder Petrobras. Für die Privaten wird es daher immer schwieriger, die Produktion zu erhöhen. Zudem leiden die Margen unter steigenden Produktionskosten.

Ein schlechtes Jahr für Exxon und Co.

Schon in diesem Jahr läuft es für die meisten privaten Ölkonzerne nicht besonders gut. Für das 1. Halbjahr meldeten sie fast durch die Bank geringere Fördermengen und Gewinnrückgänge. Entsprechend enttäuschend entwickelten sich die Aktienkurse. Erschließungsprojekte werden immer teurer.

So rechnen sich Tiefseebohrungen oder die Förderung von Ölsand erst ab einem Ölpreis von 100 $ pro Barrel. Auf solche unkonventionellen, aber kostspieligen Vorkommen entfällt inzwischen die Hälfte der Investitionen der Ölmultis. Auf andere Reserven haben sie wegen der Macht der staatlich kontrollierten Konzerne immer weniger Zugriff.

Hinzu kommt, dass der Schiefergas- und Ölboom in den USA an Royal Dutch Shell oder Exxon im Wesentlichen vorbeigegangen ist. Zu spät erkannten sie das Potenzial und kauften sich zu teuer ein. Und da auch noch der Gaspreis aufgrund der Überkapazitäten deutlich gesunken ist, sind viele Schiefergasprojekte kaum noch rentabel.

Abschreibungen in Milliardenhöhe sind die Folge. Die politischen Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten haben die Gewinnentwicklung vieler Ölkonzerne zusätzlich belastet.

Mexiko öffnet sich

Chancen könnten sich in Zukunft in Mexiko ergeben, das seine Ölindustrie allmählich öffnet. Ausländische Konzerne dürfen künftig Joint Ventures mit der staatlichen Pemex gründen, um Öl- und Gasvorkommen zu erkunden und auszubeuten. Dafür sollen sie mit einer Gewinnbeteiligung entlohnt werden. Der Staat behält aber die totale Kontrolle über das Öl.

Dennoch sollte sich die Marktöffnung für private Ölmultis lohnen. Mexiko verfügt über 14 Mrd Barrel nachgewiesene Öl- und Gasreserven. Im Golf von Mexiko werden weitere 27 Mrd Barrel vermutet.

Fazit

Trotz der vielen Probleme werden Konzerne wie Royal Dutch Shell, Exxon, ENI oder Total wegen der umfangreichen Aktienrückkäufe und hohen Dividendenrenditen immer noch als langfristige Geldanlage geschätzt. Interessanter sind kleinere Konzerne wie Occidental Petroleum oder OMV. Für die Österreicher sprechen vor allem die Konzentration auf das reine Ölgeschäft und die Trennung von weniger profitablen Randaktivitäten.

Das zyklische Raffinerie- und Tankstellengeschäft wird dagegen sukzessive verkleinert. Auch die Dividende ist nicht zu verachten. Ein Kauf bleibt auch Chevron. Der Konzern hat zwar ähnliche Probleme wie seine unmittelbaren Konkurrenten, ist aber nicht so stark in der Erdgasproduktion engagiert.

Von BP raten wir angesichts der hohen Schadenersatzforderungen noch ab. Es ist immer noch nicht endgültig geklärt, wie viel Geld die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko die Briten letztendlich kosten wird.

23. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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