Öl: Wie immer ist es ein Fall von Angebot und Nachfrage

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Im gestrigen Beitrag gingen wir der Frage nach, wie der aktuell niedrige Ölpreis in Bezug auf die Weltkonjunktur zu bewerten ist. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Im gestrigen Beitrag gingen wir der Frage nach, wie der aktuell niedrige Ölpreis in Bezug auf die Weltkonjunktur zu bewerten ist.

Anhand eines 17-Jahre-Charts hatten wir zunächst festgestellt, dass der Kurs für das „schwarze Gold“ auf dem im Zuge der Finanzkrise erreichten Tief angelangt ist.

Was Sie in den Börsenmedien indes nicht erfahren: Das aktuelle Niveau bildete zugleich auch bis 2004 die Obergrenze für den Ölpreis.

Erst die Öffnung Chinas katapultierte die Preise für Öl, aber auch für Rohstoffe generell, in nie zuvor gesehene Dimensionen.

Gewiss: Ein niedriger Ölpreis führt zu einer Belebung der Weltkonjunktur – allerdings stets mit einer zeitlichen Verzögerung. Und die wiederum geht dann einher mit anziehenden Ölpreis-Notierungen.

Aktienkurse steigen erst bei wieder anziehendem Ölpreis

Schauen wir uns diesen Zusammenhang zwischen Ölpreis und Konjunktur (= Anstieg der Aktienkurse) einmal im nachfolgenden Chart an:

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So wirkt der Ölpreis auf die Aktienkurse

Ein niedriger Ölpreis wirkt wie ein gigantisches Programm zur Ankurbelung der Konjunktur. Allerdings:

Dieser Effekt setzt sich stets erst dann durch, wenn der Ölpreis seinen Tiefpunkt ausgelotet hat. Logisch: Schließlich ist ein anziehender Ölpreis ja auch Ausdruck eines Nachfrage-Überhangs.

Derzeit ist zu viel Angebot auf dem Markt

Umgekehrt ist ein rückläufiger Ölpreis Beleg für einen Angebots-Überhang (sinkende Nachfrage und / oder steigendes Angebot). Und hier liegt derzeit noch der berühmte „Hase im Pfeffer“:

Am vergangenen Freitag hatte die OPEC (Organisation Erdöl exportierender Staaten) bekanntgegeben, dass sie ihre Förderpolitik vorerst nicht verändern wird.

Da die Fördermenge also nicht gedrosselt wird, bleibt das Angebot hoch – derzeit geschätzt rund 31,5 Mio. Barrel (Bezeichnung für Fass = 159 l) täglich. Zurzeit bedeutet das eben „zu hoch“.

Und dann ist da noch der Faktor Iran …

Im Juli dieses Jahres hatten die 5 UN-Veto-Mächte sowie Deutschland dem Iran nach monatelangen Verhandlungen die Zusage abgerungen, künftig Kernenergie ausschließlich für zivile Zwecke zu nutzen.

Als Gegenleistung werden die seit Jahren bestehenden Sanktionen gegen den Iran ab Anfang 2016 schrittweise aufgehoben. Das bedeutet unter anderem:

Die Perser werden künftig wieder Öl in die Regionen ihrer Verhandlungspartner liefern dürfen. Der Iran hatte jüngst angekündigt, seine Produktion bis Ende 2016 von aktuell 3,3 auf rund 4 Mio. Barrel täglich zu erhöhen.

Wundert Sie da noch die Schwäche des Ölpreises?

Zwischenfazit

Halten wir fest: Ein niedriger Ölpreis ist zunächst einmal Ausdruck einer schwachen Nachfrage und / oder eines (zu) hohen Angebots. Eine schwache Nachfrage wiederum signalisiert nachlassende Konjunkturkräfte.

Erst der NACH einer ausgeprägten Kursschwäche wieder anziehende Ölpreis ist Indiz für den Beginn eines – dann allerdings regelmäßig gigantischen – Konjunkturprogramms.

Frühindikator Frachtraten

Einen Hinweis auf die aktuelle Lage der Konjunktur liefert uns ein Indikator, den Sie in den Börsenmedien nur selten zu Gesicht bekommen: Es ist der Baltic Dry Index.

Dieser Index berücksichtigt 26 Haupt-Schifffahrtsrouten und erfasst die Kosten für das weltweite Verschiffen von Haupt-Frachtgütern wie Kohle, Eisenerz, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoffgranulat und Getreide.

Da diese Güter ja zu den Kauforten transportiert werden müssen, schlägt sich eine Belebung der Nachfrage unmittelbar in einem Anstieg des Baltic Dry Index (Quelle: stockcharts.com; Symbol: $BDI) nieder:

baltic dry index-10-12-2015

Baltic Dry Index: Die Weltkonjunktur dümpelt zurzeit (Quelle: stockcharts.com)

Fazit

Es ist klar zu erkennen und durchaus enttäuschend: Die Frachtraten bewegen sich derzeit auf dem niedrigsten Niveau der letzten 5 Jahre! Und sie tendieren schon seit 2 Jahren rückläufig.

Falls Sie jetzt glauben, das aktuelle Niveau sei aufgrund der Viertelung gegenüber den Top-Ständen „dramatisch niedrig“, dann sollten Sie diese Zahl „verdauen“:

Als die weltweite Konjunktur im Jahr 2007 im Zenit stand, markierte der Baltic Dry Index sein Allzeithoch bei 9.143 USD!

Derzeit deutet also (noch) nichts auf eine Belebung der Weltkonjunktur hin. Das kann sich jedoch – wie meine Analyse zur langfristigen Entwicklung des Ölpreises gezeigt hat – schnell und für viele Marktteilnehmer durchaus unerwartet ändern.

Ich werde den Konjunktur-Frühindikator Baltic Dry Index daher für Sie im Auge behalten!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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